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Portrait: Oliver Fischer – Der Herr der Türen

Alles im Griff: Oliver Fischer an der Tür

Für einen Moment wird es ungemütlich. Ein Gast soll drinnen etwas über die Stränge schlagen, so die Nachricht, die nach draußen zu den Türstehern dringt. Für Oliver Fischer, einer von zwei Chefs des Sicherheitsunternehmens „Tribus Security“, und dessen Mitarbeiter gilt es nun, zügig und ohne Aufregung zu handeln. Während sich ein Türsteher auf die Suche nach dem Unruhestifter macht, erwarten ihn die Kollegen mit erhöhter Aufmerksamkeit am Ausgang. Letztlich ist die Situation schnell geklärt. Ein freundlicher, dennoch unmissverständlicher Blick von Oliver Fischer in Richtung des schwankenden Gasts reicht, um die Lage wieder im Griff zu haben: „Alles klar. Das solls dann tatsächlich für heute gewesen sein“, sagen die Blicke des Besuchers, ehe er von dannen zieht, ohne Diskussionen anzuzetteln. Eine Klarstellung wäre ohnehin ins Leere gelaufen – der Alkohol bestimmt meistens den Ausgang des Spiels. „Wichtig ist, dass wir einen klaren Kopf behalten“, sagt Oliver Fischer. Solche Situationen bringen den 36 Jahre alten Türsteher nicht mehr aus dem Konzept, dafür ist er zu lange dabei: „Jetzt schon 18 Jahre, mein halbes Leben, irre.

Exzess-Betreuer am Eingang
In dieser Zeit hat Fischer viel erlebt – Gutes wie Schlechtes. In jedem Fall hat er eine Menge Lebenserfahrung gesammelt. Kürzlich schaute er sich die Dokumentation „Berlin Bouncer“ über die Türsteherszene in der Hauptstadt an. Darin geht es auch um Frank Künster, eine Legende an der Tür. „In einer Szene sagt er, dass er sich als eine Art Exzess-Betreuer sehe. Ein starker Ausdruck. Aber schon so etwas wie die perfekte Beschreibung für unseren Job“, so Fischer. Viele Gäste besuchen jedes Wochenende Clubs und Bars wie das „Gutleut“ oder das „schon schön“. Die Lokale werden von Tribus ebenso betreut wie das „Alte Postlager“, die „Pyramide“, das „Gatsby“ oder im Sommer die „Alte Portland“. Auch das „Gebaeude 27“ und die „Planke Nord“ wurden von Fischer und seinem Team gesichert – eine Zeit, an die er und seine Mitarbeiter fast sentimental zurückdenken. Manche Freundschaft sei entstanden. Die Gäste suchen ihn nicht selten als Gesprächspartner und vertrauen dem Türsteher mitunter eine ganze Menge an, von Beziehungsproblemen bis zu – manchmal sogar anrüchigen – Geheimnissen. „Das ist ein Vertrauensbeweis. Oft muss ich dann auch sagen: Leute, seid mir nicht böse, aber ich habe jetzt echt zu tun.“

Tattoos und Fastnacht
Wer Oliver Fischer gegenübertritt und sich anständig verhält, ist schnell von dessen sympathischer Art überzeugt. „Mir ist bewusst, dass ich vielleicht nicht ganz gesellschaftskonform aussehe oder wie der nette Schwiegersohn von nebenan“, sagt er, lacht kurz laut und gibt dabei den Blick auf einen silbern funkelnden Schneidezahn frei. Seine Arme und Hände sind tätowiert – und: die Hälfte seines Gesichts. Mit den Jahren wurden es immer mehr Tattoos. Die Motive handeln von seiner Familie, von Freundschaften und dem Tod. Ein kleines Stück kam vor wenigen Jahren noch auf dem Unterarm hinzu: Es sind die bekannten zwei Kreise und drei Striche des Gutleut-Logos als Zeichen der Verbundenheit. Fischer und Geschäftspartner Adrien „Addi“ Marker betreuen die Bar von Beginn an und gründeten dazu 2017 ihre Firma Tribus. Das Lokal in der Nähe des Schillerplatzes genießt daher einen besonderen Stellenwert bei ihnen: „Ein saugeiles Miteinander“ herrsche dort, sowohl was die Belegschaft, als auch die Stammgäste betreffe. Erst kürzlich bezogen die Betreiber per offenem Brief Stellung gegenüber dem Vorwurf eine gewisse Doppelmoral zu verfolgen. Hintergrund ist der hauseigene Codex, der besagt, Gäste mit Fastnachts- und Fußballverkleidung nicht reinzulassen. Das stieß auf Unmut einiger Gardisten und Fußball-Fans, die Fischer und sein Team letztlich abweisen mussten: „Ich stehe zu einhundert Prozent hinter dem offenen Brief. Gerade an Fastnacht besteht auch immer die Gefahr, dass sich Gäste hinter ihren Kostümen verstecken und dann glauben, sich alles erlauben zu können. Am Ende ging es um verletzte Egos“, resümiert Fischer. Es sei zwar Fastnacht, aber es gebe auch Leute, die einfach mal keine Lust auf Humba Humba Täterä haben. „Das sage ich als gebürtiger Mainzer, der die Stadt liebt.“

Höflichkeit ist Trumpf
Neben Fastnacht ist die Weihnachtszeit die stressigste Phase im Jahr. Die Schichten beginnen dann früher und das Personal an den Türen wird aufgestockt. Viele Gäste sind vorher schon auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs und stehen unter dem Einfluss des ein oder anderen heißen Getränkes. Nach solchen Einsätzen braucht Fischer Regeneration. Die findet er in erster Linie bei Ehefrau Carina, die als Tätowiererin arbeitet, bei langen Spaziergängen mit Hund oder auf seiner Harley. Welche Ratschläge hat er an Gäste, die entspannt die Club-Tür passieren möchten? „Auf eine bestimmte Formel kann man das nicht bringen. Türsteher hassen es, wenn kurz vorher noch eine Flasche Bier geext wurde oder das Telefon beim ersten Kontakt am Ohr ist. Und bitte, nehmt verdammt nochmal die Hände aus den Taschen. Höflichkeit ist alles. Hab gute Laune und sei kein Arschloch.“

Alexander Weiß
Foto: Daniel Rettig – Stick Up Studio

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