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Portrait: Bunt wie die Welt – Christoph Thelen

„Zur Geburt bekommt man einen weißen Globus in die Hand, und der wird im Lauf des Lebens immer bunter“ – Christoph Thelen, 52, arbeitet an diesem Lebensmotto, und er hat schon eine ganze Menge Farben zusammen. Geboren in Mayen in der Eifel (wo auch Mario Adorf aufgewachsen ist), mit den Eltern nach Drais gezogen, dann Mommenheim, dann Bretzenheim, und heute lebt er über den Dächern von Mainz. Zumindest hat man diesen Eindruck, wenn man auf seiner Terrasse im obersten Stockwerk in der Münsterstraße steht. Den Domblick hatte er sich schon immer gewünscht. So ganz einfach war das alles aber nicht. An die Optikerlehre schloss sich die Meisterschule in Frankfurt und München an, alles neben dem Acht-Stunden-Job. Dass er das damals geschafft hat, darauf ist er heute stolz. Inzwischen hat er mehrere Filialen erfolgreich geleitet und arbeitet heute nebenan, in Wiesbaden. Die Stadt hat allerdings nicht so recht auf ihn abgefärbt. Punkt halb neun abends ist er zurück im goldischen Meenz und freut sich.

Ehrenamtlich im Unterhaus

Zum Beispiel aufs Unterhaus, wo er einmal die Woche ehrenamtlich den Abenddienst macht. Jedes Jahr ging er früher mit Freunden zur Travestieshow von „Samy und Mario“, und immer dachte er: Hier würde ich gern mal mitarbeiten. Eines Tages fasste er sich ein Herz, fragte, und gehört seitdem – 30 Jahre ist das her – zum festen Inventar der Bühne. Intensive Kontakte mit den auftretenden Künstlern inklusive. Viele könnte er nennen. In seiner Behausung sammeln sich Hunderte von Erinnerungsfotos, vor allem Selfies, Christophs Spezialität. Wer ihm besonders ans Herz gewachsen ist? Lotti Huber zum Beispiel, die Frau, die nach wechselvollem Schicksal spät eine Karriere als Schauspielerin und Entertainerin begonnen hat. Christoph verehrt sie und ist glücklich, sie kennen gelernt zu haben. „Landsmann“ Mario Adorf schätzt er auch. Und Jürgen Becker. Und Emil. Und Margie Kinsky, für ihn die Powerfrau schlechthin. Der Farben sind viele. Auch an Fastnacht. Woher er seine Begeisterung dafür hat, weiß Christoph nicht. Rheinische Frohnatur? Die Eltern waren, wenn’s hochkommt, einmal im Leben auf einer Sitzung. Aber der Großvater hat vor dem Krieg immerhin als Musiker mitgewirkt. Vielleicht hat das den genetischen Ausschlag gegeben. Ins närrische Treiben hineingeboren wurde der Wahlmainzer jedenfalls nicht.

Spaß als Motto

In Frankfurt Heddernheim („Klaa Paris“, wie die Frankfurter ihr Karnevalsmekka nennen) sprang der Funke über. Christoph, damals Betreiber eines Optikerladens, wurde in den Elferrat der „Käwwern“ genötigt. In Mainz besucht er die Drecksäck-Sitzungen und wird Mitglied. Bei der Ranzengarde darf er beim Rosenmontagszug dreimal in einer geliehenen und nicht ganz offiziellen Uniform mitlaufen. Bei den „Rosa Käppcher“ ist er von Anfang an mit dabei, schreibt Nummern und tritt auf. Und als die „Gardinen“, die erste Mainzer Frauengarde, einen starken Mann als Standartenträger suchen, wird er’s. Christoph der Erste mit allen zugehörigen Ehren. Sein bisher letztes Engagement: Mitsänger des „Mischungs-Chors“, ein Männergesangverein, der sich aus mehreren Korporationen rekrutiert.

Reiselust und ein Leuchtturm

Zwei Farbtupfer fehlen noch: Der Globus! Außerhalb von Rhein-Main wird gereist, und zwar so viel und intensiv wie es der Job erlaubt. Ägypten, Zypern, Madeira, New York, Sri Lanka und Kuba sind auf Christoph Thelens persönlicher Weltkarte verewigt, Indien und die Azoren stehen noch an. Und: der rotgelb gestreifte Leuchtturm von Pilsum, Ostfriesland! Da gab es am 7.7.2007 eine „Verpartnerung“, wie es amtsdeutsch heißt. Christoph und sein – mittlerweile – Exmann. Trotzdem warten noch viele Farben in der Welt. Die „Sommerschwüle“ zum Beispiel, von Christoph vor 25 Jahren als Mainzer Ausgabe des Christopher Street Days mitbegründet, wird am 30. Juni mit Sicherheit wieder bunt.

Text Minas Fotos Katharina Dubno