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Öffentliche Toiletten sind oft geschlossen oder verunreinigt – Woran liegt das?

Die WC-Anlage auf dem Frauenlobplatz (Foto: Andreas Klomann)

Vor dem Betreten einer öffentlichen Toilette in der Stadt gilt es Mut und Leidensfähigkeit zu beweisen. Bloß keinen direkten Hautkontakt, sich am besten mit hochgezogenen Ärmeln und vorsichtigen Schritten vorarbeiten, lautet die Devise. Das, was sich in so manchen WC-Anlagen visuell und olfaktorisch offenbart, ist nichts für schwache Nerven.

„Komplett eklig“, nennt es Marie- Louis Stein. Sie und Freundin Miri sprechen aus Erfahrung. Auf dem Frauenlobplatz arbeiten die beiden regelmäßig auf dem Wochenmarkt: „Gerade während Corona geht es nochmal viel stärker um Hygiene.“ Eigentlich. Denn der Zustand der öffentlichen Toilette auf dem Platz hat die Nutzung schon häufig schlichtweg unmöglich gemacht. „Zugeschissen! Man kann es nicht anders sagen“, sei das WC dann schon mehrfach vorgefunden worden. Etwas gebessert habe sich der Zustand immer nur dann, wenn nur die Marktleute mit einem eigenem Schlüssel Zugang hatten.

Fäkalien, Vandalismus und Diebstahl
Erschwerend kam im Laufe des Jahres die Pandemie hinzu, die dafür sorgte, dass auch die umliegende Gastronomie geschlossen war. „Das hat es besonders problematisch gemacht. Gerade die Leute in den Cafés haben viel Verständnis und wissen, wie es um die Toiletten draußen steht“, erklären die beiden Marktverkäuferinnen. Auch Schwangere, Kinder, ältere Menschen oder körperlich Kranke finden oder fanden kein stilles Örtchen mehr. Bessere Erfahrungen hätten Marie und Miri auf dem Markt am Dom gemacht. Der Toilettenwagen und die Anlage an der Ecke Liebfrauenstraße / Heugasse seien in einem besseren Zustand. Anders als auf dem Frauenlobplatz ist dafür nicht ein privates Unternehmen zuständig, sondern die Stadt. Beschönigen will Nicole Tappe vom Wirtschaftsbetrieb Mainz die Situation trotzdem nicht. Jeden Tag werden die rund zwei Dutzend öffentlichen Toiletten im Stadtgebiet gereinigt. „Und dennoch erleben unsere Mitarbeiter bei den regelmäßigen Kontrollen manche Überraschung“, so Tappe. Neben Verunreinigungen käme es immer wieder auch zu Vandalismus. Im Jahr 2020 gab die Stadt für Reinigung und Instandhaltung 410.000 Euro aus. Spuren von Zerstörungswut und Diebstähle von kleineren Armaturen seien nichts Ungewöhnliches mehr, so Tappe. Einmal wurde gar der Versuch unternommen, einen Motoroller in einer Toilette zu verbrennen – die Täter wollten ein Beweismittel vernichten.

Weiterhin kostenfreie Nutzung
Während des Lockdowns habe sich der Zustand der Toiletten nicht unbedingt verschlimmert, sagt Tappe: „Vielleicht lag es daran, dass generell weniger Menschen auf den Straßen unterwegs waren.“ Wenn eine Toilette stark verunreinigt oder beschädigt ist, kann es auch schon einmal vorkommen, dass sie über einen längeren Zeitraum geschlossen werden muss. Für die Reinigung ist inzwischen jenes externe Unternehmen zuständig, das schon einmal im Dienst der Stadt tätig war. Im Juli kam es zu einem zeitweiligen Wechsel. Die neue Firma habe sich aber nicht an Abmachungen gehalten und sei oftmals nicht für den Sauberkeitsdienst erschienen. Ob die Erhebung einer Gebühr zur Verbesserung der Lage führen könnte, bleibt fraglich. Nicole Tappe hat dabei auch moralische Bedenken: „Gerade für wohnungslose Menschen sind die öffentlichen Toiletten eine wichtige Anlaufstelle, um der eigenen Körperhygiene nachzugehen und einen Moment der Ruhe zu haben. Das 50 Cent- Stück hat in diesem Zusammenhang auch eine Bedeutung.“ Testläufe mit Münzeinwurf wie an der bunt verspiegelten Toilette am Münsterplatz gab es dennoch. „Es hat sich jedoch herausgestellt, dass der Verwaltungsaufwand dafür zu groß ist.“ Allein für Entleerung der Münzautomaten sei der Wirtschaftsbetrieb verpflichtet, immer mindestens zwei Mitarbeiter zu entsenden.

Eine Frage der Menschenwürde?
Letztlich kann die Stadt nur weiterhin an den gesunden Menschverstand appellieren, die Toiletten sauber zu halten. Zur Bereitstellung der stillen Örtchen ist sie ohnehin nicht verpflichtet. Das stellte 2017 auch das Oberverwaltungsgericht Münster klar. Ein Essener Bürger mit verstärktem Harndrang forderte zu jeder Zeit die kostenfreie Nutzung einer öffentlichen Toilette und berief sich auf die Menschenwürde im Grundgesetz. Vielleicht hätte dem Kläger der Rat von echten Profis weitergeholfen. Solchen wie von Taxifahrer Bernd Jungbluth: „Man muss sich zu helfen wissen“, sagt er. Hotels, Krankenhäuser oder Theater seien für Taxifahrer gute Ansprechpartner. Dennoch: Als während des Lockdowns alles geschlossen war, wurden auch die rund 250 Fahrer der Taxizentrale Mainz vor große Herausforderungen gestellt. Die Forderung an die Stadt, mobile Toilettenhäuschen aufzustellen, sei „im Sande verlaufen“, so Jungbluth. Inzwischen habe sich die Lage wieder gebessert, sodass die bewährten Stellen wieder angefahren werden können. Einmal, so erinnert sich der Taxifahrer, habe er sich wirklich verzweifelt auf die Suche nach einer Toilette begeben: „Ein Straßenbahnfahrer war schlussendlich meine Rettung. Er ließ mich auf die Toilette an der angrenzenden Endhaltestelle“, sagt Jungbluth. „Solidarität bedeutet eben alles – selbst auf dem stillen Örtchen.“

Text Alexander Weiß   

Ein Kommentar “Öffentliche Toiletten sind oft geschlossen oder verunreinigt – Woran liegt das?

  1. Ich denke das ist nicht nur ein Mainzer Problem. Sauberkeit und Hygiene ist leider nicht für jeden Menschen das Standartprogramm. Es ist aber wirklich echt ärgerlich wenn mann eine öffentliche Toilette besuchen muss, das macht man in der Regel nicht freiwillig, ein Drecksloch vorfindet. Kein Papier, vollversifft und vollgepinkelt. Nun denn, wie soll man solchen Menschen die das tun das Verhalten abgewöhnen? Eigentlich fängt Hygiene im Elternhaus an. Rücksichtnahme und soziales Verhalten auf dem Kloo sollte anerzogen werden gerade bei Benutzung von öffentlichen Toiletten. Haltet doch die Dinger sauber, kann doch nicht so schwer sein, viele Menschen sind echt auf Toiltten angewiesen. Nicht immer alles auf die Stadt schieben. Obwohl dies auch ein Aushängeschild für Touristen darstellt.

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