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Italien in der Altstadt: Das „Pane e Vino“ bietet Weine und klassische Gerichte

In ihrer italienischen Weinbar wollen Donato (li.) und Toni Stolfi über Weine reden und sie vor allem mit ihren Gästen genießen

Man kennt sie aus Rom, Sizilien oder der Toskana: italienische Weinbars, die einen Barolo genauso lieben wie einen perfekt zubereiteten Espresso. Sie sind kein Restaurant, keine Osteria, keine Trattoria, kein Bistro – einfach nur eine Weinbar. Wobei das Wort „einfach“ eher italienisches Understatement ist. Mainz hat nun auch eine italienische Weinbar – und sie war längst überfällig. Da, wo früher das „Humberto“ in der Holzhofstraße 14a eingefleischte Steakliebhaber glücklich machte, steht nun „Pane e Vino“ auf dem Schild – darunter wie eine Einladung an den Gaumen: Weinleben. Die Idee zur Weinbar hatte Toni Stolfi, der mit seinem Bruder Donato schon das „Peperoncino“ in der Emmeransstraße 1 gründete.
Urig und gemütlich
Das Ambiente wirkt gemütlich, und man fühlt sich wie in einer urigen Vinothek oder in einem heimeligen Weinkeller. Das Hauptprodukt ist allgegenwärtig: Auf einer Schiefertafel wird ein Pinot Grigio angeboten, im Weinkisten-Regal und auf der Fensterbank tummeln sich edelste italienische Tropfen und selbst von der Decke hängen leere Weinflaschen, die zu Lampen umfunktioniert wurden.

Pane E Vino Mainz for Sensor Magazine

Flair mit Mainzer Einschlag
Toni wurde direkt gegenüber seiner neuen Weinbar geboren. Wo heute das Parkhaus Römisches Theater steht, thronten einst Mietshäuser der Bundesbahn. Am Fuße der Zitadelle hat er seine Jugend verbracht, das römische Bühnentheater und auch den Drususstein in unmittelbarer Nähe. Ein Bub der Altstadt ist er und er hat sich viel Zeit damit gelassen, sich ein Konzept für die Weinbar zu überlegen. Man spürt es bei jedem seiner Sätze, wenn er davon erzählt. Ein gastronomisches Angebot genau an dieser Stelle, das war ihm eine Herzensangelegenheit. 2019 reiften erste Ideen, noch vor Corona. Doch dann wurde er ausgebremst. So gab es aber auch unfreiwillig ausreichend Zeit für die Inneneinrichtung. Aus Italien stammen Bar und Theke, das Parkett ist deutsche Eiche. Das passt gut zu den Stolfi-Brüdern, die in der Fastnacht aktiv sind und verwurzelt mit der Stadt. Ansonsten waren beim Aufbau Geduld und Improvisation gefragt: Lieferprobleme, termingeplagte Handwerker, Lockdowns – die Widrigkeiten der Pandemie bescherten den Stolfi-Brüdern eine fast zweijährige Vorbereitungszeit, bis sie endlich im Juni dieses Jahres die Tür zum „Pane e Vino“ öffneten.

Vieles hausgemacht
Und natürlich – wie sollte es anders sein – gibt es in ihrer Weinbar auch etwas zu essen. „Einfache Küche“, betont Toni, „italienische Tapas, ein bisschen Antipasti, selbstgebackenes Brot.“ All das, und wenn man Saltimbocca alla Romana, Fritto misto mit Calamari, Garnelen und Sepia, Lachsfilet in Weißwein oder ein Entrecote mit Austernpilzen und Bratkartoffeln als einfache Speisen ansieht, dann kommt hier jeder und jede auf den Geschmack. Köstlich schmeckt es allemal. Empfehlenswert sind auch die unterschiedlich gefüllten Focaccia, natürlich hausgemacht. Für den Wein waren sie auf Tour in italienischen Regionen und Weingütern, auf Messen und Weinproben. Die meisten Tropfen wurden dort auch eingekauft. Das fängt beim Prosecco an, vom Weingut Le Menzane aus dem Veneto. Leicht und unbeschwert auch der Grillo- Weißwein vom Weingut Donnafugata aus Sizilien. In allen Preisklassen wird man jedenfalls fündig, sei es beim Amarone della Valpolicella aus Venetien oder beim hochprämierten Lambrusco, nicht zu vergessen der Franciacorta Rosé aus dem Hause Berlucchi in der Lombardei, der es mit jedem Champagner aufnehmen kann.

Weinproben geplant
Weinproben wollen die Brüder künftig auch anbieten, dabei über Wein reden und vor allem – ihn genießen, mit Freunden und Gästen, Touristen und Nachbarn. Wie in einer italienischen Weinbar üblich, darf man aber auch nur auf einen Espresso reinschauen – zubereitet auf dem Mercedes unter den Espressomaschinen, einer VBM aus Mailand. Passend dazu kommt die Espressobohne Caffé Borbone, Miscela Blu, Linea Bar. Bleibt noch zu erwähnen, dass das Gebäude einst Firmensitz von „Klein & Rindt“ war, den Vorfahren des berühmten „Formel 1“-Rennfahrers Jochen Rindt, der in Mainz geboren wurde und 1970 bei einem Trainingsunfall in Monza starb. Angelehnt an die ehemalige Gewürzmühle nannte sich das damalige Lokal „Pfeffermühle“, bevor das „Humberto“ einzog, und nun gibt es „Pane e Vino“ mit rund 40 Sitzplätzen, im Sommer kommen noch mal 50 Sitzplätze draußen dazu, fast wie in Italien …

Text Michael Bonewitz
Fotos Daniel Rettig – Stick Up Studio

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