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Der große Test: Die besten Mainzer Secondhandläden

Geht ausgiebiges Secondhand- Shopping nur in Berlin oder Brooklyn? Nein, auch in Mainz findet man eine gute Auswahl an stylischer und individueller Kleidung aus zweiter Hand. Ein Streifzug durch die vielen unterschiedlichen Läden lohnt sich. Mit etwas Kreativität und Geduld kann der eigene Stil aufgepeppt und dabei der Geldbeutel geschont werden. Gleichzeitig ist es in Zeiten von Massenkonsum, Billigkäufen und Wergwerf-Mentalität sinnvoll, Kleidung eine zweite Chance zu geben. Wir haben eine ausgiebige Shoppingtour durch die Secondhandshops unternommen und vor allem Individualität zum kleinen Preis gefunden. Hier unsere Tipps:

Große Auswahl mit Vintage-Feeling – World of Vintage (Hintere Bleiche 3)

Die modischen Outfits der Puppen im Schaufenster zeigen, dass hier jemand mit Gespür für Mode am Werk ist. Der auffällig beschilderte Laden in Bahnhofsnähe ist bis in die letzte Ecke vollgestopft. Reggaemusik unterstreicht die entspannte Atmosphäre. Man merkt schnell, dass man hier zwar ein bisschen suchen und wühlen muss, dafür ist aber auch die Chance hoch, mit einem besonderen Fund belohnt zu werden. Das Sortiment ist nach Kleidungsstücken geordnet: In einer Nische im hinteren Bereich hängen Pullover, gleich vorne am Eingang sind Jeans zu finden und am Fenster gibt es Shirts und Blusen. Jeans kosten um die 50, Kleider um die 30 Euro – preislich also untere bis Mittelklasse. Fast jeder freie Fleck auf dem Boden ist von Schuhen bedeckt – vom Designer- Stiletto bis zum gemütlichen Turnschuh. Es gibt eine Wand voller Hüte, Schmuck, Jeans- und Lederjacken und coole Strickpullis, die Hipsterherzen höherschlagen lassen. Eigentlich wird Kleidung angekauft, der Laden ist aber schon so voll, dass man momentan nur noch ganz besondere Vintagestücke annimmt.

Klein, fein und bunt – Janablume Zweitstelle (Kurfürstenstraße 18) und Vintage (Scharngasse 18)

Regina Regenbogen lässt grüßen, ganz schön bunt hier. Die Secondhand- und Vintage-Stücke in Jana Blumes neuem Laden in der Neustadt sind sorgfältig nach Couleur sortiert, die große Farbenvielfalt sticht sofort ins Auge. Die Kleidung, die Jana meist selbst in Berlin aufstöbert, stammt vornehmlich aus den Siebzigern und Achtzigern. Ein Shirt bekommt man für um die 14, ein Hemd für um die 24 Euro. Die Preise sind nicht billig, aber moderat. Ein Plattenspieler spielt nostalgische Musik, trendige Möbel aus Holzpaletten und ein echtes Kuhfell am Boden schaffen Gemütlichkeit. Im Hinterzimmer gibt es einen Herrenbereich. Accessoires findet man nur wenige; Schuhe und Taschen stehen nur vereinzelt in den Regalen. Klasse statt Masse scheint hier das Stichwort zu sein. Nach dem Shoppen kann man nebenan noch Wein, Pizza oder Eis besorgen. Janablume Vintage, Janas erster Laden, in dem der Fokus mehr auf Vintage (also ältere Kleidung von hoher Qualität) als auf Secondhand liegt, befindet sich übrigens am Fischtor und ist auch einen Besuch wert.

Shoppen für den guten Zweck – Oxfam (Graben 2)

Dieser Laden, der sich in dem Altstadt- Gebiet mit der höchsten Secondhand- Dichte in Mainz befindet, ist etwas Besonderes. Denn hier verkaufen ehrenamtliche Mitarbeiter gespendete Kleidung und andere Sachspenden, deren Erlös der entwicklungspolitischen Arbeit zu Gute kommt. Der Laden ist sauber, übersichtlich und aufgeräumt. Kleidung ist nach Farben und Stücken sortiert Es scheint, als ob die modische Zielgruppe etwas älter ist als die der anderen Läden. Der Stil ist gemäßigt, wenn auch abwechslungsreich. Die Schuhe sehen fast alle aus wie neu. Es gibt auch Kinderkleidung, Handtaschen, Schmuck, Bücher, Schallplatten, Geschirr, Spiele und vieles mehr. Wer ein ausgefallenes Geschenk sucht, sollte hier definitiv einen Blick hineinwerfen. Die Preise sind mit um die fünf Euro für ein Shirt und um die zehn Euro für ein Kleid sehr günstig. Kleidung und andere Waren werden als Spende angenommen, sollten jedoch in sehr gutem Zustand sein.

Große Auswahl an edler Designerund Markenkleidung – Eve & Adam Exklusiv (Graben 3)

Der kleine Laden in direkter Nähe zu Oxfam & Co. ist zwar voll, aber trotzdem ordentlich und übersichtlich. Hier sind vorwiegend moderne Designerkleidung und bekannte Marken erhältlich. Die Kleiderstangen sind nach Größen sortiert, was praktisch ist, weil man so nicht alles durchwühlen muss. Es gibt eine große Auswahl an Gürteln, Taschen, Schmuck und Schuhen. Im hinteren Bereich findet man Männerkleidung. Alles ist in sehr gutem Zustand. Mit Shirts ab 20 und Kleidern um die 50 Euro, je nach Marke, sind die Preise zwar nicht billig, dafür kauft man Qualität. Marken- und Designerkleidung sowie Accessoires werden dienstags und donnerstags auf Kommissionsbasis angenommen.

Erlesene Auswahl an besonderen Stücken – Verkehr Second Hand (Neutorstraße 37)

Bereits die Schaufensterdekoration verrät, dass es hier erlesen zugeht. Im Laden läuft eine Platte von Johnny Cash. Ein älterer Kunde verrät: „Den hab‘ ich vor vierzig Jahren noch live gesehen – in Las Vegas!“ Apropos Klassiker: Es gibt hier viele zeitlose Stücke und auch edelste Vintage-Designermode, wie beispielsweise ein Strickkleid von Christian Dior für knapp 400 Euro. Ansonsten ist die Kleidung zwar nicht gerade günstig, aber insgesamt höchstens obere Mittelklasse; der Preis des Diorkleides gehört zu den Ausnahmen. Als die Frau des Cash- Fans etwas anprobieren möchte, wird der hintere Raum mit einem Paravent zur Umkleidekabine. Neben besonderem Schmuck, teilweise sogar aus den Fünfzigern, Schuhen und Wohnaccessoires findet man hier auch Schallplatten und eine kleine Buchauswahl. Die trendigen und schicken Kleidungsstücke stammen hauptsächlich aus den Sechzigern, Siebzigern oder Achtzigern und sind nach Kleidungsstücken sortiert. Hochwertige Kleidung und Accessoires werden gerne freitags angekauft. Man sollte aber vorher anrufen, damit die Chefin anwesend ist.

Authentische, trendige Einzelstücke in düsterer Atmosphäre – Stoffwechsel (Neutorstraße 12)

Nur Mut, denn in dem kleinen, düsteren Shop in der Altstadt sind auch Nicht-Grufties willkommen. In einem kleinen Bereich im hinteren Teil des Ladens gibt es ein paar besonders authentische Vintage-Schätze zu entdecken: eine respektable Sammlung an Doc Martens, schwere authentische Bikerjacken aus Leder, Jeanswesten, teilweise mit Patches bestickt und eine große Auswahl an Vintage- Bandshirts – bedruckt mit den australischen Hardrockern AC/DC oder dem King of Pop, Michael Jackson. Shirts gibt es schon ab 4 Euro. An der Wand hängen außerdem bunte Tüllröcke neben wild gemusterten Kleidern aus den Siebzigern. Auch hier wird Kleidung angekauft, sie muss aber ins Angebot passen: Doc Martens, Levis Jeans, Bikerjacken, Jeansjacken, Bandshirts und gerne auch spezielle, „gruftiemäßige“ Einzelstücke.

Versteckte Secondhand-Perle mit trendiger Vielfalt – Kaprice (Kötherhofstraße 5)

Ganz unscheinbar hinter dem Schillerplatz versteckt sich der kleine Laden, der von einem freundlichen Ehepaar geführt wird. Hier gibt es eine bunte Mischung aus moderner und Secondhandkleidung; viele Jacken für jede Jahreszeit, ausgefallene Pelze und auch angekaufte Neuware – insgesamt eine bunte Mischung mit Lucky Find-Faktor. Darunter sind auch ein paar hochaktuelle Stücke zu finden, teils noch mit Preisschild. Die Auswahl ist nach Kleidungsstücken sortiert. Es gibt verhältnismäßig viele Schuhe und Taschen – meist aus echtem Leder. Die Preise sind sehr günstig, ein stylischer Blazer von Topshop für nur 5 Euro landet in der Einkaufstüte. Kleidung und Schuhe werden auch hier gerne angekauft, es sollten aber Marken- oder Designerprodukte sein.

Text Viktoria Lotz Fotos: Stephan Dinges

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