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Vidjogeil: Mainzer dreht internationale Musikvideos

Yves Rasmus Otterbach (29) macht Videos. Musikvideos. Und das mit Leidenschaft und inzwischen international erfolgreich.

Das gleichmäßige Surren der Nadel lässt Yves freudig grinsen:  „Wurde längst Zeit, dass ich mir das stechen lasse.“ Zwischen der Entscheidung, sich tätowieren zu lassen und seinem Besuch im Tattoo-Studio liegen nur ein paar Stunden. Ab und zu beißt er die Zähne aufeinander, die Haut am Handgelenk ist dünn. „Fertig“ sagt Derryck, der über den spontanen Anruf seines Kumpels kaum überrascht war. Er desinfiziert die Filmkamera samt Schriftzug #vidjogeil, die sich nun neben dem Darth Vader mit dem roten Lichtschwert am linken Unterarm befinden. Yves begutachtet das Motiv: „Geil. Vidjogeil.“ 

Geboren im Zeichen des Hardcore

In Yves Leben hat sich schon immer alles um Musik gedreht. In Ober-Olm aufgewachsen, hat der 29-jährige früh seine Leidenschaft für die härteren Tönen entdeckt. Hardcore, um genau zu sein. Eine auf den ersten Blick verschwitzte, ehrliche Sparte der Musik, bei der sich Mutti die Ohren zuhält. Doch wer schon einmal auf einem Konzert von den Architects, Terror oder August Burns Red war, weiß: Hier klatschen unter wummernder Doublebass zwar shirtlose, verschwitzte Fan-Körper in der Wall of Death aufeinander und es brechen ab und zu auch mal Nasen. Doch ernste Auseinandersetzungen oder gezielte Gewalt sieht man nie, Luftablassen umso mehr.

Im Hardcore wird Toleranz und Freundschaft gelebt. Die Musik trägt ein verbindendes Lebensgefühl, man ist wie in vielen anderen Genres auch eine verschworene Gemeinschaft. Vor allem diese Gemeinschaft war bei Yves Grundlage für das, was Außenstehende heute als seinen Erfolg bezeichnen: „Wir hatten früher alle eigene Bands, haben Musik gemacht oder sind gemeinsam auf Konzerte gegangen. Und ich hatte immer eine Kamera dabei“, erinnert er sich. So begann er bereits in der Schulzeit, Konzerte befreundeter Bands zu filmen, Videos zu schneiden und sie ihnen kostenlos zur Verfügung zu stellen. „Ich hab das gemacht, weil ich Bock darauf hatte.“

Mit der Zeit veranstaltete er gemeinsam mit Freunden eigene Konzerte, die sich in Mainz und Umgebung einen Namen machten. Yves stand dabei entweder mit seiner eigenen Band „Awake the Mutes“ auf der Bühne – oder hinter der Kamera. Die Leidenschaft zur Musik und der Spaß an der Sache trieben ihn und seine Freunde an. Der Freundeskreis wuchs und die Videos stießen auf größere Begeisterung: „Also habe ich weiter gemacht und schließlich Digital Film an der SAE in Frankfurt studiert.“ Dort traf er auch seinen Jugendfreund Christian Alsan wieder und die beiden gründeten neben dem Studium ihre Firma „Ambitious.Films“.

Nächstes Projekt: Rammstein

Seit Gründung der Produktionsfirma erhalten alle Videos den Abbinder „Ambitious.Films“. Eine befreundete Band nach der anderen rief an, alle wollten plötzlich Musikvideos. Also holen sich Yves und Christian je nach Projekt Freunde ins Team, drehen, schneiden und liefern immer bessere Qualität ab. Für seine Bachelor-Arbeit drehten sie ein Musikvideo für „Parkway Drive“, eine australische Metalcore-Band aus Byron Bay. Aufträge anderer bekannter Szene-Bands folgten.

Plötzlich flatterten Anfragen von Jennifer Rostock, Casper und anderen Bands herein. Hin und wieder war man selbst überrascht, wer sich so meldete. Max Giesinger oder Gentleman bildeten keine Ausnahme, auch wenn sie aus einem völlig anderen Genre kamen. Mit einem Auftrag von „Kraftklub“ hatte das Team bisher seinen größten Fisch an der Angel. Für deren Song „Unsere Fans“ wurde Ambitious.Films 2015 mit dem Echo in der Kategorie „Bestes Video National“ ausgezeichnet.

Momentan sitzen die Jungs an einem neuen Projekt für Rammstein. Das Geheimrezept hinter ihrem Erfolg ist wohl, dass sie ihre Leidenschaft einbringen und sich selbst nicht zu ernst nehmen. Nebenher macht Yves auch noch seinen Master in Medienmanagement: „Damit irgendjemand in der Firma auch mal Ahnung von der wirtschaftlichen Seite bekommt.“ Fraglich, ob er sich bald auch eine Geschäftsbilanz tättowieren lässt.

von Julia Adrian und Isabel Hayn (Fotos):

Die Leidenschaft für (Musik) videos geht unter die Haut

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