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Sport mit Köpfchen – Mainzer Headis

Text: Felix Monsees
Fotos: Katharina Dubno

Als der angehende Sportwissenschaftler Thomas Reitmann (28 Jahre) für sein Studium von Kaiserslautern in die Mainzer Neustadt gezogen ist, war wie immer mit im Gepäck: ein Headis-Ball. Am Goetheplatz fand sich dann auch schnell eine Tischtennisplatte. Zusammen mit weiteren Exil-Pfälzern verwandelte er den seitdem zum Headis-Treff. Dort sitzt Thomas auf einer der letzten freien Bänke auf dem Spielplatz und erzählt, wie 2003 oder 2004 (er erinnert sich nicht mehr genau – zu häufiges Kopfballspielen?) in einem Kaiserslauterer Schwimmbad ähnlich viel los war, wie heute auf dem Goetheplatz. Jedes Fleckchen Wiese zum Fußball spielen war belegt, weshalb er und seine Freunde auf die Tischtennisplatte auswichen: Das war die Geburtsstunde des Headis. Wegen des hohen Spaßfaktors der Notlösung, blieben die Freunde am sprichwörtlichen Ball und veranstalteten im heimischen Garten die erste WM. Bei Kaffee und Kuchen wurde unter 14 Teilnehmern der Weltmeister ausgespielt. Seitdem ist der Sport von der Schimmbadwiese weiter gewachsen, dieses Jahr wollten bereits 300 Sportler dabei sein, als die WM auf dem Stadionfest des 1. FC Kaiserslautern stattfand. Sogar Stefan Raab spielte in seiner Sendung TV Total Headis. Mittlerweile, so ist sich Thomas sicher, kennt jeder Zweite, den man fragt Headis, „zumindest in der Fußgängerzone in Kaiserslautern“.

Wahres Headis wird angeblich betrunken gespielt

Da die anderen Mitspieler zu spät sind, hat Thomas Zeit, die Regeln zu erklären. Die sind simpel: Gespielt wird wie beim Tischtennis, allerdings nur mit dem Kopf, Satzgewinn bei elf Punkten, ein Spiel dauert drei Sätze. Maradonas Hand Gottes, die aus Reflex zum Ball geht, wird zwar gewürdigt, zählt aber leider auch hier nicht, sagt Thomas.
Endlich tauchen auch die anderen auf und werden mit Handschlag begrüßt. Alle kommen aus Kaiserslautern, sind überwiegend Sportstudenten und bilden einen engen Freundeskreis. Trotzdem freut man sich über neue Mitspieler, sagt Thomas und stellt den ersten Neuankömmling vor: „Heiko ist der größte Cheerleader des Headis und eine Turniermannschaft für sich selbst.“ Heiko meint, er sei Bewahrer des wahren Headis, was vor allem betrunken gespielt wird. Man merkt, richtig ernst geht es hier nie zur Sache. „Außer in Turnieren“, sagt Thomas, „da hasst man sich kurz!“ Dort gelten spezielle Regeln, um zu viel Ernst zu verhindern. Angetreten wird auf den Turnieren meist kostümiert, ein überzogener Kampfname ist obligatorisch. Thomas nennt sich wegen seiner roten Haare „Texas Rotbock“. Heikos Spitzname lautet „Hobberdaan“. Der Name ist Überbleibsel einer Abi-Fahrt in Zusammenhang mit dem Videospiel Street Fighter. Da auch hier Alkohol dabei war, ist dies nur eine Vermutung. „Die Headis-Spieler sehen sich als richtige Sportler, aber immer mit einem Augenzwinkern“, erklärt Thomas.

Welche Tipps sollte ein Anfänger befolgen?

Zeit für die erste Partie des Tages, Heiko spielt gegen Tommy Freestyle, unter diesem Namen ist Tommy auch als Freestyle-Fußballer unterwegs. Obwohl er schon ins Schwitzen gekommen ist, nutzt er die Spielpausen, um sein Publikum mit Ballakrobatik zu begeistern. Heiko beeindruckt mit seinen Volleyannahmen, dafür hechtet er todesmutig auf die Tischtennisplatte. Nicht nur bei den Kindern, die mit ihren Rädern um die Platte kurven, hat er mit seinen Flugeinlagen Eindruck geschindet. Heikos Volleykünste sind übrigens „new school shit“, sagt Thomas, denn auch Headis hat sich seit Schwimmbadtagen technisch weiterentwickelt. Welche Tipps sollte ein Anfänger befolgen? „Auf die richtige Position kommt es an, immer an der Mitte der Platte stehen, um returnen zu können und dabei tief in die Knie gehen, dann behält man die Übersicht“, rät Thomas. Wer die Tipps und Headis ausprobieren möchte, kann entweder bei gutem Wetter spontan zum Goetheplatz kommen oder sich bei Thomas per EMail melden: reiti83@yahoo.de