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Gesa Geue und ihre Rolle im Weihnachtsmärchen „Ronja Räubertochter“ am Staatstheater

Seit der Spielzeit 2016/17 auf der Bühne in Mainz: Gesa Geue.

Die Probe ist vorbei. Gesa Geue (29 Jahre) betritt ein Besprechungszimmer hinter der Bühne. Sie hat sich einen großen Schal umgelegt. Aus ihrer Tasche holt sie ein Portemonnaie, das sie auf den Tisch flammt, wie einen Cowboy seinen Revolver: „Ich hole mir erstmal einen Drink. Möchte sonst noch jemand etwas?“, fragt sie in die Runde, während sie auf den leuchtenden Getränkeautomaten zuläuft: „Oh nein, Iso-Drinks sind aus.“ Also doch nur Wasser. Mit am Tisch sitzen noch Studierende der Theaterwissenschaften sowie Dramaturgin Katrin Maiwald. Nach der eineinhalb stündigen Probe sprechen wir über die aktuelle Rolle der Ronja Räubertochter und die Herausforderung, als eine nahezu dreißigjährige Frau ein Kind zu spielen: „Vor Ronja habe ich schon in ‚Die Sprache des Wassers‘ eine Zwölfjährige gespielt und davor in ‚Drei Haselnüsse für Aschenbrödel‘ einen Teenager. Früher war ich in zwei Stücken sogar ein kleiner Junge. Im Mainzer Ensemble bin ich wohl die, die man dafür häufiger besetzt“, sagt Geue.
Vom Pott an den Rhein
Geue kommt aus Hamm im östlichen Ruhrpott. Zum Studium der Literaturwissenschaften ging sie nach Berlin, wo sie am Maxim-Gorki- Theater erste Bühnenerfahrungen sammelte. Das anschließende Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg wurde von Rollen am Thalia Theater und am Deutschen Schauspielhaus begleitet. Seit drei Jahren ist sie in Mainz engagiert und spielt unter der Regie von Asli Kislal Astrid Lindgrens Titelheldin – ein Vorschlag, mit dem Dramaturgin Katrin Maiwald auf die Regisseurin zuging: „Wir hatten zunächst an einen Märchenstoff gedacht.“ Doch die Entscheidung fiel auf Ronja. „Ein Stück, das sich durch seine liebevolle Erzählweise auszeichnet. Wir mochten, dass es darin starke Figuren gibt und dass die Leute, ob jung oder alt, emotional mitgenommen werden. Das zeichnet ein Familienstück aus“, so Maiwald.

Fridays for Ronja?
Auch der Bezug des Märchens zu Umweltthemen ist eine erwünschte Parallele. Denn Lindgrens letzter Roman erzählt die Geschichte vom Menschen und dessen Verhältnis zur Natur. Als Umwelt- und Tierschutzaktivistin engagierte sich die Autorin in den achtziger Jahren in ihrer schwedischen Heimat. Ronjas Hauptaussage lässt sich somit auch auf eine Greta Thunberg übertragen: „Ihr, die Erwachsenen, müsstet doch wissen, was richtig und was falsch ist. Warum handelt ihr nicht danach?“, sagt Maiwald. Symbolisch dafür steht die Bärenhöhle, in der Ronja und Birk (gespielt von Simon Braunboeck) sich nach Frusterfahrungen mit ihren Eltern entschließen zu leben. Der Wald mit seinen Abenteuern ist Sehnsuchtsort und zugleich der einzig logische Raum, in dem ein gutes Leben funktionieren kann.

Geue im Spiel der Ronja Räubertochter zusammen mit Vincent Doddema.

Intuitives Spiel
Das Stück lebt zusätzlich von seinem Tempo und Ronjas Vitalität: „Ich muss fit sein, da sich alles auf einem sehr hohen Energielevel bewegt. Man ist viel in Bewegung, wie Kinder es eben sind“, sagt Geue. Gut eineinhalb Stunden dauert die eigentliche Probe. Das „Einleuchten“ auf der Bühne nicht mitgezählt. An einem kleinen Pult in der Mitte des Theatersaals sitzt ein Mann, der sich über eine Leselampe beugt. Auf seinem T-Shirt steht „Lass das mal den Papa machen“. Mit einem Funkgerät hält er Verbindung zur Bühne. Scheinwerfer gehen an und wieder aus. Irgendwann kommt das Ensemble auf die Bühne, wie Fußballer, die vor dem Spiel auf den Rasen laufen. Einige singen, andere sprechen vor sich hin: „Im Borkawald können wir nicht länger leben, da schwärmen jetzt die Landsknechte herum wie die Scheißhausfliegen“, ist aus dem Dunkel zu hören. So unvermittelt wie die Aufführung losgeht, ist sie nachher auch wieder zu Ende. Ohne Applaus, der kommt erst später. Und wie geht Gesa Geue an ihre Rolle ran? Wie lässt sich ihre Spielweise beschreiben? „Das passiert sehr intuitiv. In meinen Bewegungen bin ich wahrscheinlich ein bisschen kindlich. Ich mache das nicht krass bewusst. Das ist etwas, was im Spiel passiert, wenn man sich in diese Phantasiewelt hineinbegibt.“ Wie beim kindlichen Spielen eben, sagt sie, und: „Es geht weiter. Jetzt muss ich zur Chorprobe. Das ist Freizeit!“, und verschwindet in den Abend.

Termine: 1.-28.12., 11.-14.1., 21. & 24.1., 2. & 4.2., 10.2.
Text: Alexander Weiß
Fotos: Andreas Etter

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