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Fleischlose Offensive in Mainz: Eco Café & Schrebergarten öffnen

von Felix Monsees
Fotos Daniel Rettig

Je nachdem, wem man glauben möchte, ernähren sich zwischen 0,1 und ein Prozent aller Deutschen vegan, verzichten also auf den Konsum aller tierischen Produkte. Auch wenn der Verfasser dieses Artikels nicht daran glaubt, dass 2.000 Veganer in der Stadt leben, ist klar: Egal wie viele von ihnen in Mainz leben, ein Restaurant gab es für sie bisher nicht.

Es blieb ihnen daher übrig, sich durch das vegane Restangebot einiger asiatischer oder afrikanischer Restaurants zu fragen. Und das ist schwierig. Denn tierische Produkte sind nicht nur Fleisch, Eier und Milchprodukte. Auch ein gutes Glas Wein kann nicht koscher für Veganer sein, wenn es beispielsweise mit Eiweiß geklärt wurde. „Richtig strenge“ Veganer, wie sich Daniel Kalbfuß beschreibt, essen nicht einmal Honig, weil es das Produkt von Bienen ist. Der 25-jährige Kommunikationsdesign- Student eröffnet daher mit seiner Freundin Sarah Tritschler (26), angehende Lehrerin, morgen das Eco Cafè.

Möhren Erfahrung

Erste Erfahrung in der veganen Gastronomie hat Kalbfuß bereits mit einem „Food Truck“ gesammelt. Aus einem umgebauten Citroën heraus verkauft der Student als „Möhren Milieu“ fleischlose Döner & Co auf Festen und Märkten. In der Adam- Karillon-Straße 5, nicht weit vom belebten Gartenfeldplatz, ist das Möhren Milieu nun sesshaft geworden. Das Interieur ist, wie bei Designern so üblich, sehr reduziert gestaltet. Vieles besteht aus bereits benutzten Materialien wie alten Paletten. Neben Snacks wie Burgern und Sandwiches gibt es Hauptgerichte zwischen fünf bis acht Euro. Beispielsweise die sorgfältig erhitzten Kohlrabi-Nudeln, die so „al-dente“ bleiben und mit Nuss-Bolognese serviert werden. Bei den aromatischen mit Süßkartoffeln gefüllten Sommerrollen werden statt Reispapier junge Kohlblätter als Hülle genommen. Vegane Waffeln, Torten und einen kleinen Supermarktbereich gibt es ebenso. „Keine Zuckerzusätze und keine Ersatzprodukte“, kündigt Kalbfuß an. Er setzt auf ausgefallene Rezepte statt auf Sojaschnitzel. Über 3.000 „Gefällt Mir“-Angaben hat das Milieu auf Facebook damit gesammelt, vielleicht gibt es also doch mehr Veganer als man glaubt.

Gutes aus dem Garten

Weniger streng lebt Leyla Camkerten- Benli ihren Fleischverzicht aus. Die 32-Jährige ist „nur“ Vegetarierin. Nicht weit entfernt von Möhren Milieus Eco Café, eröffnet sie am Gartenfeld- Platz Mitte Juni ihr vegetarisches Kumpir-Restaurant „Schrebergarten“. Der Name verweist bereits auf den Hauptdarsteller Gemüse. Kumpir ist eine mit viel Butter und Käse aufgewertete türkische Ofenkartoffel, die viele bereits aus Urlauben in Istanbul oder Hamburg kennen. Zubereitet wird die Kartoffel in einem speziellen Kumpir-Ofen und wird mit verschiedenen Belägen nach Wahl serviert. Zwischen vier und sechs Euro kostet eine Portion Kumpir im Schrebergarten. Auch eine Meenzer Version mit Spundekäs, Möhrensalat und sauren Gürkchen gibt es, dazu Suppen, Salate und Eis. Letzteres stellen die Nachbarn vom Neustadteis zur Verfügung.

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Kohlrabi-Spaghetti mit Walnuss- Bolognese
Zutaten: 2 Kohlrabi, Sauce: 2 frische Tomaten, 50 g Tomatenmark, 1 Tl Agavendicksaft (aus dem Reformhaus), 50 g frischer Oregano, 50 g frischer Basilikum, Salz und Pfeffer nach Geschmack, ein Schuss veganer Traubensaft, 1 Knoblauchzehe, ¼ rote Zwiebel, 100 g Walnüsse, 1 Zwiebel, 1 El Olivenöl.

Zwiebel schälen und in feine Würfel schneiden. Die Walnüsse grob hacken. In einer Pfanne Olivenöl erhitzen und Zwiebel mit den Nüssen goldgelb anbraten. Die restlichen Saucenzutaten in einem Standmixer pürieren und mit der Zwiebel-Nuss- Masse vermengen. Mit einem Spiralschneider die geschälten Kohlrabi verarbeiten und mit kochendem wasser übergießen. Maximal zwei Minuten ziehen lassen, damit der Kohlrabi seinen Biss behält. Die Spaghetti mit der Sauce überziehen und servieren.

Ein Kommentar “Fleischlose Offensive in Mainz: Eco Café & Schrebergarten öffnen

  1. In Mainz gibt es für Veganer_innen nicht nur “das vegane Restangebot einiger asiatischer oder afrikanischer Restaurants”, sondern seit fast zwei Jahren zweimal im Monat regelmäßig ein veganes Menü in der Bar jeder Sicht, Hintere Bleiche 29. Im Juni am 14. und 28.6. ab 19 Uhr: http://sichtbar-mainz.de/showevents.php

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