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Im Check: Mainzer Secondhand-Läden

Bei Jana Blume gibt es ausgefallene Einzelstücke für jeden Geschmack

Für viele Jüngere sind es modische Beweggründe, die sie zum Shoppen in Secondhandläden führen. Allerdings spielen auch Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte zunehmend eine Rolle bei der Entscheidung für Mode aus zweiter Hand. In Mainz haben sich die meisten alteingesessenen Secondhandläden hartnäckig gehalten – mit einem überraschend vielfältigen Angebot. Wir haben sie getestet.

Jana Blume Vintage, Fischtorstraße
Eine Institution für Vintage-Bekleidung ist Jana Blumes kleiner Shop, den sie unterhalb des Wochenmarktes betreibt. Ihre „Zweitstelle“ in der Neustadt musste sie leider aufgeben. Mit einem umso fröhlicheren „Herzlich willkommen“ wird man von der quirligen Chefin in der Fischtorstraße begrüßt. Zurzeit ist der Shop nur an den Markttagen geöffnet. Janas Faible für grelle Farben spiegelt sich in der Gestaltung des Ladens in rosé mit pinker Neonleuchtreklame wieder. Im Vorderraum hängen gut sortiert Jacken, Mäntel, Pullis, Blusen und Shirts, jedes Teil ein ausgefallenes Einzelstück. Rundherum finden sich sorgsam ausgewählte Accessoires, Schuhe und Schmuck. Im hinteren Raum mit Umkleidekabine sind Kleider, Röcke und Hosen untergebracht – überwiegend für Frauen. Jana berät ihre Kundinnen mit Leidenschaft und zückt auch mal ein Teil, das man selbst vielleicht gar nicht in Betracht gezogen hätte. Die Kollektion wechselt jahreszeitlich. Nach telefonischer Vereinbarung kauft sie relevante Teile auch im Laden an.
Fazit: schöne und ausgefallene Einzelstücke für den individuellen Geschmack, die je nach Marke und Originalität ihren Preis haben. Und: eine wirklich freundliche Beratung.

Verkehr Secondhand, Neutorstraße
Seit 20 Jahren ist „Verkehr Secondhand“ die Adresse für besonders edle Vintage-Teile meist hochwertiger Marken. Schon die Auslage und Schaufensterdekoration des auf drei Räume verteilten Shops verspricht Edles. Pullis aus feinster Wolle oder Cashmere, Blusen, Shirts, ausgefallene Kleider, Röcke, Mäntel, Jacken und Hosen sowie Schuhe und Wohnaccessoires aus vergangener Zeit sind auf die Räume verteilt und gut sortiert. Die Auswahl für Damen unterschiedlichen Alters ist groß, sofern das Objekt der Begierde auch die entsprechende Größe hat. Im hinteren Raum befindet sich die weniger umfangreiche Herrenabteilung. Das Sortiment umfasst Kleidungsstücke aus den 50er- bis 90er-Jahren. „Inzwischen fallen ja schon die Nullerjahre unter die Kategorie Vintage“, sagt die Chefin, die seit Jahren mit einem speziellen Händchen vor allem in Italien und Deutschland auf die Suche nach ihren „Produkten“ geht. Die haben ihren Preis, sind dafür allerdings tatsächlich top.
Fazit: erlesene Auswahl an gut erhaltenen besonderen Stücken für Damen und Herren, die ihren Preis sicher wert sind und den Kleiderschrank nachhaltig aufpeppen.

Edle Einzelteile bei Eve & Adam Exklusiv

Eve & Adam exklusiv, Am Graben
Seit 24 Jahren betreibt Katharina Scholz ihrenSecondhand-Laden am Ende der Fußgängerzone in der Altstadt (früher im Kirschgarten). Sie hat sich inzwischen ganz auf hochwertige Marken spezialisiert, darunter Damenmode von Marc Cain oder Max Mara, die sie auf Kommissionsbasis entgegennimmt und verkauft (Annahme durch die Chefin dienstags und donnerstags). „Ladenhüter“, die nach zwei Monaten nicht verkauft oder von den Besitzern wieder abgeholt werden, spendet sie an soziale Projekte. Die Kollektion wechselt so regelmäßig. Außerdem legt sie Wert darauf, dass das Sortiment dem aktuellen Modetrend entspricht, darunter auch ein kleines Kontingentan Neuwaren. Ihre Zielgruppe sind Damen mittleren Alters, ihr Publikum ist allerdings „Querbeet“, sagt sie. Auch für Herren gibt es im hinteren Teil des Ladens eine große Auswahl zum Beispiel an Jacken, Markenhemden, ausgefallenen Jeans und hochwertigen Schuhen. Zu den gut sortierten und überwiegend erlesenen Kleidungsstücken bietet Katharina Scholz auch Schmuck und mit einem handgefertigten Gürtelsystem aus naturgegerbtem Leder und individuell kombinierbaren Schnallen passende Accessoires an.
Fazit: Überwiegend Markenbekleidung zu – der Qualität entsprechend- angemessenen Preisen.

Oxfam, Ecke Neutorstraße
Alteingesessen in Mainz ist auch der Oxfamshop in der Altstadt. Zu erschwinglichen Preisen bietet er gebrauchte bis gut erhaltene Kleidungsstücke und neuwertige Schuhe, aber auch Bücher, alte Ausgaben von Monatsmagazinen, Heimtextilien, Haushalts- oder Einrichtungsgegenstände. Die Kleidung ist jahreszeitlich und übersichtlich nach Stücken und Farben sortiert. Die Auswahl für Damen und Herren ist groß, falls die passende Größe vorhanden ist. Kleiderspenden (und andere) sind willkommen, müssen aber entsprechend gereinigt, gut erhalten und wegen geringer Lagerkapazitäten saisonal sein. Auf der Homepage des Vereins findet man detaillierte Angaben, was in welchem Shop angenommen wird. Der Erlös kommt den Kampagnen und Projekten von Oxfam gegen Armut zu Gute.
Fazit: Regelmäßig wechselndes Sortiment von Secondhandwaren zu günstigen Preisen und für den guten Zweck. Mit etwas Glück findet man darunter auch das ein oder andere hochwertige Markenschnäppchen.

Mollywood, Hintere Bleiche
Ebenfalls für den guten Zweck betreibt die Gesellschaft für Psychosoziale Einrichtungen GPE den ursprünglich auf Damenmode ab Größe 42 spezialisierten Secondhandshop „Mollywood“. Der Laden ist eines der Projekte des Vereins zur Förderung der Tagesstruktur und Beschäftigung von Menschen mit psycho-sozialen Problemen. Im hinteren abgetrennten Raum finden auch Kreativ-Workshops für Betroffene statt. Der Erlös des Ladens kommt den Projekten zugute. Inzwischen sei die Kundschaft nicht mehr nur auf „Molligere“ beschränkt. Dank des Oversizetrends und aus Gründen der Nachhaltigkeit kämen heute auch oft jüngere schlanke Frauen in den Laden, so die Leiterin Susanne Großer. Deshalb wird es dort zukünftig auch Teile in kleineren Größen geben. Kleiderspenden sind jederzeit willkommen. Oberteile, Hosen, Schuhe und Accessoires in sehr gutem Zustand sind wohltuend übersichtlich und ordentlich sortiert. Verkauftwerden auch Kreationen aus den Workshops, zum Beispiel schöne Handarbeiten und Bilder.
Fazit: Gut erhaltene Damenmode, Accessoires und Dekoratives, nicht nur für „Mollige“ zu moderaten Preisen und für einen guten Zweck.

Für jeden etwas in der „World of Vintage“

World of Vintage, Hintere Bleiche
Der Name des Shops ist Programm. Beim Eintritt eröffnet sich eine „ganze (Vintage-) Welt“. Neu ist der Sales-Bereich, den man durch den rechten Eingang betritt. Neben einem Sammelsurium an Kleidung jeder Art und Größe, werden hier auch Neuwaren aus Abverkäufen – zurzeit hochwertige Kinderschuhe – zum Schnäppchenpreis angeboten. Durch den linken Eingang gelangt man in den noch größeren Bereich „der Vintage Highlights“, so der Inhaber. Die etwas unübersichtlich wirkende Vielzahl an Kleidungsstücken erschlägt einen erst einmal. Nach längerem Durchstreifen der Kleiderständer unter freundlicher Anleitung finden sich darunter wahre Schätze und Originale aus den 70er-, 80er- oder 90er-Jahren: Markensportartikel, Seidenblusen, Hosen, Abend- und Cocktailkleider, Jeansbekleidung, Accessoires und mehr. Auch Designer wie Dolce & Gabbana, Gucci oder Prada sind vertreten. Entsprechend breit gefächert ist die Preisgestaltung. In einem kleineren Nebenraum befinden sich Hüte, Seidenkrawatten, Anzüge, Leder- oder Lodenjacken in bester Qualität für anspruchsvolle Herren.
Fazit: Riesige Auswahl, bei der mit ausreichender Geduld sicher jeder sein Lieblingsteil findet. Mit einem Teil der Erlöse unterstützt „World auf Vintage“ übrigens ebenfalls ein Hilfsprojekt.

Resales, Stadthausstraße
Seit 2018 ist „Resales“ mit einer Filiale in der Fußgängerzone vertreten. Die Kette, die auch einen Onlineshop betreibt, hat sich Nachhaltigkeit und Recycling von Kleidung auf die Fahne geschrieben. Sie bezieht ihr Sortiment überwiegend aus privaten Kleiderspenden. In den Läden gibt es eine Box, wo man Kleidungsstücke oder Accessoires in gutem Zustand abgeben kann. Alternativ können sie an das Sortierwerk von Resales ge-schickt werden. Auf vier Etagen wird gebrauchte Kleidung, farblich und nach Größen und Stücken sortiert, für Damen, Herren und Kinder angeboten. Die „Kollektion“ wechselt jahreszeitlich. Eine Priorisierung auf einen Stil lässt sich in den oberen Etagen nicht erkennen. Eine Vielzahl an Hosen, Röcken, Pullis, Blusen, T-Shirts, Sport-, Oberund Nachtbekleidung, Schuhen und Accessoires jeden Stils sind dort beengt untergebracht. Im Outlet im 2. Stock werden Schnäppchen angeboten. Im Erdgeschoss befinden sich frisch eingetroffene Teile und das Untergeschoss ist neuerdings „aktuell angesagter“ Vintagemode von Kleidern, Oberteilen über Jacken bis hin zu einer Menge gut sortierter Markenjeans zum Beispiel von Levis gewidmet.
Fazit: Günstige Preise für überwiegend gut erhaltene Kleidung. Viel Auswahl. Um das eine besondere Teil zu finden muss man sich geduldig durch das etwas wild zusammengestellte Sortiment „wühlen“.

Vino Kilo, Onlineshop und Events
Das 2015 in Mainz gegründete Secondhand- Unternehmen „VinoKilo“ hat den Vintagetrend beflügelt und ist heute einer der erfolgreichsten und größten Anbieter von Vintagemode aus verschiedenen Epochen bis zu den 90er-Jahren und darüber hinaus. Den Shop in der „Lulu“ gibt es seit Ende letzten Jahres nicht mehr, dafür aber europaweite Events, bei denen „VinoKilo“ eine riesige Auswahl an Vintage-Kleidungsstücken für den mittlerweile stolzen Preis von 45 Euro pro Kilo (ehemals 5 Euro) anbietet. In Mainz steht in Kürze kein Event an. Im Onlineshop von „VinoKilo“ kann man aber nach Teilen im individuellen Stil nach Herzenslust stöbern. Die Auswahl zu fest gelegten Preisen, statt auf „Kilobasis“, ist vielfältig.
Fazit: Auswahl an Vintage-Bekleidung aus verschiedenen Epochen und für jeden Geschmack, zu „stolzen“ Preisen. Den Kilopreis erreicht man je nachdem schon bei ein bis zwei Teilen.

Text Tina Jackmuth
Fotos Stephan Dinges