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Das sensor 2×5-Interview mit Maurice Conrad (Klimaschutz-Aktivist und Politiker)

Seit knapp zwei Jahren sitzt du im Mainzer Stadtrat. Was hat dich an der Arbeit dort am meisten überrascht?
Am meisten hat mich überrascht, dass die Beweggründe für politische Entscheidungen häufig nicht inhaltlich sind. Es gibt viel Taktik und Strategie. Mit einem reinen „Ich-habenoch- eine-gute-Idee“ kommt man nicht weit. Die Gründe für Entscheidungen sind eigentlich immer Identitätspolitik. Häufig hat man das Gefühl, dass man nicht mit Leuten über Visionen nachdenken kann, weil die schon ihre feste Vision haben. Man kann da wenig dran ändern.

Was wäre für dich die eine wichtigste politische Maßnahme, um für die Zukunft besser aufgestellt zu sein?
Etwa eine autofreie Innenstadt. Einfach radikal den motorisierten Individualverkehr, wie man ihn so schön nennt, aus dem Innenstadtbereich verdrängen und die Straße für Rad, Fuß- und Lieferverkehr öffnen. Das wäre eine einfache Maßnahme, die effizient und schnell umsetzbar ist. Welchen Bereich das genau betrifft, kann man noch verhandeln.

Du bist jetzt 21 Jahre alt und hast noch nie bei einer Bundestagswahl wählen dürfen. Wo würdest du gerne die Hürde des Wahlalters setzen?
Ich würde die Hürde des Wahlalters gerne auf null Jahre setzen. Das ist meine persönliche Meinung und nicht die der Klimaliste. Aber ich bin der Ansicht, dass es Quatsch ist, Leuten das Wahlrecht abzusprechen. Deswegen bin ich für passives Wahlrecht ab Geburt, sodass jemand, der sich selbst ins Wählerregister einträgt, auch wählen darf.

Wie stehst du dazu, dass in den Parlamenten so viele „alte Hasen“ sitzen?
Das Problem ist, dass Politik die Machtverhältnisse unserer Gesellschaft widerspiegelt. Leute, die älter, männlich oder weiß sind, haben es leichter, sich durchzusetzen. Das ist vor allem deswegen problematisch, weil viele fähige Menschen untergehen. Als nicht-binäre Person, die männlich geboren ist und gelesen wird, kriege ich natürlich mit, dass ich mehr Erfolg habe, wenn ich mit diesen Dingen spiele, als etwa mit femininen Zügen. Ich glaube, man müsste dem begegnen, indem man im Bereich Gender mit Quoten arbeitet. Bei der Klimaliste haben wir versucht das aufzudröseln, indem wir gezielt Leute aus queeren Bereichen aufstellen.

Wie ordnest du das Ergebnis der Klimaliste bei den Landtagswahlen ein?
Ich bin natürlich enttäuscht, dass wir nur knapp 1 Prozent der Stimmen erhalten haben. Wir haben uns mehr erhofft, müssen aber auch anerkennen, dass es eine schwere Umgebung war. Aber vom Ergebnis unabhängig ist es uns zumindest gelungen, den Wahlkampf in Richtung Klimaschutz zu beeinflussen. Und dieser Erfolg ließ sich nicht nur bei den Grünen, sondern auch bei der rheinland-pfälzischen SPD beobachten. Wie werden weiter dafür kämpfen, dass unsere Vision des Klimaplans nicht in Vergessenheit gerät.

Reist du gerne?
Ich persönlich reise nicht so viel, aber ich würde gerne mehr reisen. Mein letzter Urlaub war in Prag. Ich will unbedingt mal nach Istanbul zum Beispiel, wobei ich da mit dem Zug hinfahren würde. Ansonsten würde ich gerne in die USA reisen. Es gibt sehr viele Orte, die ich sehen will, nur ungern mit dem Flugzeug. Das ist das Problem.

Das Schauspiel gilt als deine Leidenschaft. Welche Art von Rolle spielst du gerne?
Ich habe Schauspiel als Hobby betrieben bis vor zwei Jahren und es dann auch kurz studiert, wobei ich gemerkt habe, dass das nicht so meins ist und ich das nicht als Beruf ausüben möchte. Meine Lieblingsrolle war damals McMurphy, der Hauptprotagonist aus „Einer flog über das Kuckucksnest“. Das ist ein psychisch gestörter Mann, der exhibitionistisch ist und in eine Psychiatrie kommt und dort den ganzen Laden auf null dreht.

Welche Medien konsumierst du?
Vor allem viele Dinge, die ich in meiner Timeline habe. Ich würde jetzt Quatsch erzählen, wenn ich sagen würde, ich säße jeden Morgen mit der Zeitung da. Trotzdem habe ich „Krautreporter“ und „Die Zeit“ abonniert – das ist wirklich ein tolles Medium. Alle zwei Tage läuft bei mir auch Deutschlandfunk im Radio. Ansonsten konsumiere ich fast alles. Und durch meine Aktivitäten auf Social Media bin ich ständig in Konfrontation mit Medien.

Hast du in Corona-Zeiten neue Hobbys für dich entdeckt?
Ja, einige. Ich habe einen Akku gebaut, für Fridays- for-Future einen Anhänger in einen Lautsprecherwagen umgebaut und begonnen, Rap- Musik zu produzieren. Davon ist nichts veröffentlicht, weil ich dafür mehr Zeit bräuchte. Außerdem habe ich angefangen zu schreiben und ein Manuskript angefertigt, in dem es um Klimabewegungen und deren Erfolge geht – so ein bisschen Analyse und Faszination. Das liegt aktuell bei zwei Verlagen.
Wie gehst du mit Personen um, die eher konservativ sind und andere Positionen vertreten als du?
Ich habe damit kein Problem und trenne auch meine Freunde stark von meiner politischen Situation. Eine meiner Freundinnen ist bei der Jungen Union, einer meiner besten Freunde Vorsitzender der Jungen Liberalen in Mainz und es ist richtig cool, mit denen zu diskutieren und Meinungen auszutauschen. Ich finde das wirklich cool, Leute zu kennen, die nicht so krass links sind wie ich – wenn man jetzt mal Positionen ausklammert, die antidemokratisch gesinnt sind.

Interview Till Bärwaldt
Foto Jana Kay

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