| | Kommentieren

Baumscheibenbeete – ein wenig Grün in der Stadt

Die Leibnizstraße ist besonders reich an Baumscheibenbeeten

Wer schonmal in Ruhe durch die Mainzer Neustadt geschlendert ist, hat vielleicht die vielen kleinen Beete unter den Bäumen am Straßenrand bemerkt, auch Baumscheibenbeete genannt. Diese können als Gärten genutzt und von Bürgern bepflanzt werden. Obwohl Baumscheiben recht klein sind, bieten sie mehr Platz als ein Blumentopf daheim. Und anders als zu Hause freuen sich auch Anwohner, Passanten und Bienen über die Blütenpracht. Auch für Kinder kann ein solches Beet interessant sein. Sie erleben wie Pflanzen wachsen und sich durch die Jahreszeiten wandeln. Gemeinsam mit ihren Eltern können sie Verantwortung für ihren ersten kleinen Garten übernehmen.

Dieses königliche Beet befindet sich vor dem Leibniz-Kiosk

Restaurant-Beet
Dominik Römer erlebt immer wieder, wie Eltern mit Kindern fasziniert vor dem Beet vor seinem Restaurant „Ma:Doro“ stehen bleiben und Kohlrabi mit Brokkoli verwechseln. Bei ihm wachsen kaum Blumen, dafür jedoch Gemüse, Kräuter, Tomaten und sogar ein Grünes Mainz Johannisbeerstrauch. Alles Zutaten für sein Restaurant. Ob man das Gemüse aus dem Garten essen kann? „Ja“, sagt er. „Ich höre zwar oft, dass es ja gleich neben der Straße wachsen würde. Aber ganz ehrlich, auch das Gemüse, was wir kaufen, wächst nicht selten neben einer Autobahn. Wichtiger ist es, dass der Boden gut ist. Wenn eine Möhre in schlechter Erde wächst, bringt es auch nichts die zu schälen.“ Zwar baut Dominik das Gemüse selbst an, welches er im Restaurant verkocht, und auch die Tiere, die auf seinen Tellern landen, werden selbst gejagt und geschlachtet; das Baumscheibenbeet gibt jedoch für den Betrieb nicht so viel her. Geht es also um die Optik? „Nicht nur“, meint er. „Das Auge lässt sich trügen. Es geht auch um den Geruch. Frische Tomaten am Strauch, das ist ein Traum.“ In Kürze will er die Tomatensetzlinge in das Beet pflanzen.

Eine Ruhe-
Oase mit Bank und Glockenspiel
im Baum vor dem LUUPS

Blühende Straßen
Wer sich in Mainz um Baumscheibenbeete kümmert, tritt in die Fußstapfen von sechs Frauen, die vor dreizehn Jahren die Initiative „Blühende Leibnizstraße“ gegründet haben. „Es war nichts außer Erde und Schmutz und Dreck“, beschrieb Luise Hart die Situation, bevor sie in ihrem Ruhestand mit Gleichgesinnten mit dem Gärtnern vor der Haustüre begonnen hat. Schnell hat sich das Bild der Straße geändert, es wurde sauberer, grüner und bunter. Schon bald kümmerten die Frauen sich um 40 Beete zwischen Kaiserund Kurfürstenstraße. Aber nicht nur das. In einem von ihnen verfassten Schreiben aus dem Jahr 2003 an die Bürger heißt es: „Unsere bisherigen Aktivitäten haben gezeigt, dass die Anonymität ein Stück aufgebrochen ist und ein stärkeres Wir-Gefühl unter den Bewohnern der Leibnizstraße entsteht.“ Die Frauen wünschten sich damals Folgendes: „Es wäre schön, wenn Menschen in der Neustadt angeregt würden, ähnliche Aktionen in ihrem Umfeld durchzuführen.“ Dies scheint zum Teil in Erfüllung gegangen zu sein.

Klar strukturierte Baumscheibe in der Leibnizstraße

Heute bepflanzen auch Kinder einer Schule eigene Beete, die sie mit Bildern markiert haben. Wer ebenfalls Interesse hat eine Patenschaft für ein Beet zu übernehmen, sollte zunächst das Grünund Umweltamt kontaktieren. Scheint eine Patenschaft möglich, so wird eine schriftliche Vereinbarung abgeschossen. Ralf Peterhanwahr von der Pressestelle der Stadt erklärt: „Die Grünpatenschaft beinhaltet das Bepflanzen, regelmäßige Säubern, Wässern und Pflegen eines öffentlichen Beetes oder einer Baumscheibe. Grundsätzlich steht dabei der Erhalt und die Pflege des Baumes im Vordergrund: Aufbauten in Form von Zäunen oder Steineinfassungen sind nicht zulässig. Gleiches gilt selbstredend für „Gartenutensilien“ wie Gartenzwerge, Miniaturschubkarren und ähnliches.“ Sind diese Formalitäten geklärt, steht dem der urbanen Gartenbau nichts mehr im Weg!

Lena Frings

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.