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Mainzer Johannes Gutenberg-Universität wird keine Elite-Uni


von Werner Wenzel (Artikel aus der Allgemeinen Zeitung)


Zwar wird die Mainzer Johannes Gutenberg-Universität auch künftig nicht den inoffiziellen Titel einer Elite-Uni führen können, aber dennoch werden in den kommenden fünf Jahren rund 50 Millionen Euro Mittel aus dem Exzellenz-Wettbewerb des Bundes und der Länder in die Hochschule fließen. Das hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) am Freitag bekanntgegeben. Das heißt, dass sich die JGU mit ihrem Zukunftskonzept „The Gutenberg Spirit: Moving Minds – Crossing Boundaries“ bei der Bewerbung in der zweiten Runde der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder im Kampf um zusätzliche Fördermittel in Höhe von insgesamt 2,7 Milliarden Euro nicht hat durchsetzen können. Diese sogenannte dritte Linie der Zukunftskonzepte ist die wichtigste in diesem Hochschulwettbewerb. Gleichzeitig aber hat das internationale Gutachtergremium des Wettbewerbs zwei Mainzer Anträge befürwortet, die der Uni rund den 50-Millionen-Euro-Segen bis 2017 bescheren werden – die Mainzer Universitätsleitung bezeichnet die Teilnahme am Wettbewerb als erfolgreich.

Neun Unis, die sich bereits in der ersten Runde erfolgreich beworben hatten, wollten den begehrten Elite-Status verteidigen, sieben weitere, darunter die Mainzer, waren aufgefordert worden, sich darum zu bewerben und in den kommenden fünf Jahren mit hohen Millionenbeträgen gefördert zu werden. Durchgesetzt haben sich die Aufsteiger Humboldt-Universität Berlin, Bremen, Dresden und Köln, die beiden Münchener Universitäten, die FU Berlin, Konstanz, Heidelberg, die RWTH Aachen und Tübingen.
Versüßt wird die Entscheidung des Gutachtergremiums für die größte rheinland-pfälzische Hochschule dadurch, dass das internationale Gutachtergremium der JGU zwei Anträge positiv beschieden hat. Bewilligt wurden die bereits zuvor geförderte Graduiertenschule “Materials Science in Mainz“ sowie als Exzellenzcluster erstmals der Forschungsverbund „Precision Physics, Fundamental Interactions and Structure of Matter“ (Prisma). Der Gesamtumfang der Fördermittel für Mainz beträgt damit voraussichtlich 50 Millionen Euro für die nächsten fünf Jahre. „Über diesen Erfolg in dem bundesweiten, ausgesprochen harten Wettbewerb der Universitäten freuen wir uns sehr“, erklärte dazu Uni-Präsident Prof. Dr. Georg Krausch. „Denn die jüngste Entwicklung der JGU ist geprägt von einer Fokussierung auf exzellente Profilschwerpunkte in der Forschung. Die erfolgreichen Konzepte für die Graduiertenschule der Exzellenz bzw. für den bewilligten Exzellenzcluster stellen die konsequente Fortsetzung unserer Profilbildungsstrategie dar.“

Durch Bewerbungsverfahren enorm profitiert

Drei Förderlinien gibt es im Exzellenzwettbewerb. In der ersten geht es um zusätzliche Millionen für Graduiertenschulen zur Ausbildung von Doktoranden und Nachwuchswissenschaftlern. Die zweite fördert fachübergreifende Forschungsverbünde unterstützt, in denen Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen zusammenarbeiten. Nur eine Uni, die mindestens je eine Bewerbung durchbekommen hat, kann sich mit einem Zukunftskonzept in der dritten Linie bewerben und den Titel Elite-Uni erringen. Nicht gefördert werden damit die Cluster in den Disziplinen Erdsystemwissenschaften, Materialwissenschaften sowie Kern- und Teilchenphysik um Spitzenförderung beworben. Ebenfalls stand die Entscheidung über die weitere Förderung der bereits in der ersten Runde erfolgreichen Graduiertenschule an, in der das Design neuer Materialien auf Polymer-Basis erforscht wird.

Universitätspräsident Prof. Dr. Georg Krausch hatte schon im Vorfeld der Entscheidung angekündigt, auf jeden Fall die Ziele des erarbeiteten Zukunftskonzeptes verfolgen zu wollen. Allein durch das Bewerbungsverfahren habe die Universität enorm profitiert: „Wir ziehen auf jeden Fall einen Gewinn aus dieser Initiative, egal wie entschieden wird.“

Kritik am Wettbewerb insgesamt

Dabei ist es auch geblieben: „Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz wird zentrale Elemente ihres Zukunftskonzepts implementieren, das auf die Einbindung exzellenter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in die Hochschulsteuerung bei gleichzeitiger Professionalisierung und Stärkung der dezentralen Entscheidungsorgane zielt“, hieß es am Freitag nach der Entscheidung. Unterdessen kritisierte der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz den Wettbewerb insgesamt. Der Aufwand, den die Unis für die Bewerbung betreiben mussten, so Horst Hippler, sei zu groß. “Die Bewerbung hat an den Hochschulen, die sich beteiligen, vieles lahmgelegt. Eine weitere Exzellenzinitiative dieser Art kann man sich nicht leisten”, sagte er in einem Gespräch mit dem “Kölner Stadt-Anzeiger”.