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Mainz – Die tolle Einkaufsstadt?


von Felix Monsees
Illustration: Mronz+Schaefer Architekten Köln

Für die einen die bequemste Art zum Einkaufen, für die anderen langweilige Ansammlung immer gleicher Restaurant-Ketten und Klamottenläden: Shoppingmalls. Ob die Mainzer Innenstadt ein Einkaufszentrum bekommt oder nicht, ist aber keine Geschmacksfrage, sondern heikler Streitpunkt der Stadtentwicklung. Stadt und Investor ECE verhandeln nun um die mainzverträglichste Lösung. Und sensor beantwortet die wichtigsten Fragen.

Um was geht es eigentlich?

Das in die Jahre gekommene Karstadt-Areal am Gutenbergplatz ist keine Visitenkarte mehr für die Mainzer Innenstadt. Pläne, das Gelände zu modernisieren, gab es bereits in den 90ern. Aus unterschiedlichen Gründen sind aber alle im Sande verlaufen. Nun will der Hamburger Investor ECE dort ein sehr großes Einkaufszentrum bauen. Das soll Einkaufswillige und ihre Kaufkraft von hier und außerhalb in die Innenstadt locken und damit den Standort Mainz stärken. Die 250-Millionen-Euro-Investition soll ECE zufolge zudem rund 700 Arbeitsplätze schaffen. Der Haken an der Sache: Anstatt neue Käufer nach Mainz zu locken, könnte das Center die Kundenströme von bereits vorhandenen Geschäften absaugen. Die müssten dann ihr Geschäft aufgeben, Leerstand und Verödung der übrigen Innenstadt wären die Folge. So lauten zumindest die Bedenken der Bürgerinitiative Mainzer Ludwigsstraße (BI). Da rein spielt die Geschmacksfrage: „Das Angebot ist in allen Malls Deutschlands das Gleiche. Ein Mediamarkt, ein H&M und vielleicht ein Hollister“, sagt Gerhard Heck, einer der Sprecher der Bürgerinitiative.

Wer ist dafür und wer dagegen?

Grundsätzlich sind alle wesentlichen im Stadtrat vertretenen Fraktionen dafür, dass sich etwas auf dem Karstadt-Areal tun muss. Auch die kritische BI ist nicht vollkommen gegen ein Einkaufscenter – allerdings zu ihren Bedingungen. Größte Streitfrage dabei ist: Wie viel Quadratmeter Einkaufscenter braucht oder verträgt Mainz? ECE verlangt 30.000 qm, sonst sei die geplante Mall zu klein, um Leute in die Stadt zu locken. Um Platz dafür zu schaffen, soll nach ECE-Wünschen die Polizeiwache in der Weißliliengasse abgerissen werden. Die Politik ist dagegen und bietet „nur“ 28.000 qm. Das Areal soll an der Eppichmauergasse hinter Karstadt enden und die Inspektion stehen bleiben. So steht es in den Leitlinien, die der Stadtrat am 24. Oktober in einer Sondersitzung verabschiedete.

Was bedeuten die Leitlinien?

Die Leitlinien geben vor, welche Bedingungen Oberbürgermeister Ebling dem Investor ECE stellen muss. In sieben sogenannten Ludwigsstraßenforen (LuFos) konnten die Bürger insgesamt 20.000 Stunden mit den Politikern der Stadtratsfraktionen diskutieren. Die BI habe dabei ihre Wunschvorstellungen durchgesetzt, findet Heck. Anstatt eines großen Brockens von Einkaufscenter, soll ein neues Stadtquartier mit kleinteiliger Baustruktur entstehen. Auch soziale und kulturelle Angebote sowie Raum für die Jugend sollen dort einen Platz finden. „Junge und trendige Angebotskonzepte“ empfiehlt zudem die Politik. Doppelungen – zum Beispiel noch eine Filiale eines schwedischen Klamottenladens – sollen vermieden werden. Unklar ist jedoch, wie bindend diese Leitlinien letztlich sind. Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse (SPD) betont zwar, dass die Leitlinien „unumstößlich“ seien. Gleichzeitig sagt sie jedoch, jede Veränderung müsse in einem weiteren LuFo diskutiert werden. Etwas „Flexibilität“ scheint also bei den Leitlinien vorhanden zu sein. Der Mainzer Stadtrat beschloss allerdings am 24. Oktober, dass die Leitlinien nicht verhandelbar seien.

Und jetzt?

Sollten die Verhandlungen zwischen Stadt und ECE gemäß den entwickelten Leitlinien in den nächsten Monaten gelingen, entscheidet ein Architekturwettbewerb über die beste Idee für das neue „Stadtquartier“. Die Jury dafür soll aus Investor und Stadt besetzt werden. Würde also eine Lösung gefunden, folgte danach noch ein Haufen Gutachten und danach wiederrum Abriss und Neubau. Allein für das Baurecht plant Grosse jedoch mindestens 1,5 Jahre ein. Alles in allem dauert es also mindestens bis 2016, bis auf der Ludwigstraße etwas Neues steht. Laut SPD-Fraktionschef Dr. Eckart Lensch gehe es vor allem darum, die Interessen aller Beteiligten in Einklang zu bringen, gleichzeitig dürfe aber die Stadt nicht den Einfluss auf den Bebauungsplan verlieren. Kritisch sieht Lensch vor allem, dass ECE die Projektleitung genau zu dem Zeitpunkt auswechselte, als die Bürgerbeteiligung abgeschlossen wurde. Der jetzige Projektleiter war also nicht dabei, als die Mainzer ihre Forderungen formulierten.
ECE-Manager Gerd Wilhelmus gefallen die Leitlinien nicht so gut. Er machte kürzlich in einem Interview klar, dass ECE nicht um jeden Preis bauen will: „Wir haben keinen Handlungsdruck. Das sollte jeder wissen.” Springt der Investor ab, bleibt also alles beim Alten. Heck würde sich darüber freuen: „Ich mag Mainz, wie es ist“.

www.lufo.mainz.de