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So wohnt Mainz: Die Würfel sind gefallen (Frauenlobstraße / Neustadt)

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Als vor einigen Jahren noch der Hafengarten den Zollhafen bereicherte, war Matthias einer der Inhaber. Seither hat sich der gastronomische Teil seines Lebens gelegt, er träumt allerdings immer noch gerne davon. Vergrößert hat sich dagegen sein anderer beruflicher Teil, wie auch seine wohnliche Situation: beruflich mehr hin zum Architekten mit Schwerpunkt Denkmalschutz, wohnlich mehr hin zu einer größeren Quadratmeter- Zahl:

„Eigentlich sind das hier zwei Wohnungen in einer“, erklärt er. Weg also vom Studi- Apartment zu 100 qm feinster Neustadt-Wohnung (fast Loft) mit dem einzigen (typischen) Nachteil der Neustadt, einer gewissen Hellhörigkeit gegenüber den Nachbarn und den Geräuschen der Straße. Doch wer Stadt (er)leben möchte, der muss auch so etwas in Kauf nehmen. Und bei dieser Wohnung – da lohnt es sich dann doch wieder.

Vom Leerstand zur Kunstschau

Mehrere Jahre stand das gute Stück leer, nachdem der Vorbesitzer ausgezogen war, der aus den beiden Apartments eine große Wohnung gemacht hatte. Wie? Indem er die Trennwände herausriss und die zwei mal fünfzig qm miteinander verband. Stumme Zeugen sind auch heute noch die Holzmuster der alten Wände auf dem Boden sowie ein hervorschauender Stahlträger am Eingang zum Wohnzimmer.

Geräumige Größe ist der bleibende Eindruck, den Matthias bewusst so haben möchte. Architekten-typisch spartanisch seine Inneneinrichtung: wenige Einzel- und Designstücke aus den 50er und 60er Jahren, auf Flohmärkten erworben und zusammengewürfelt, bilden ein stimmiges Gesamtbild – zumeist aus Holz auf dem ebenso perfekt abgeschliffenen und eingeölten Holzfußboden. Im Wohnzimmer macht man es sich gerne bequem, vor allem vor dem kürzlich eingebauten Kamin: „Der kommt aus dem Westerwald.“

Das Sofa, eine Beinahe-Antiquität aus den 60ern, lässt sich bequem zur Schlafcouch ausbauen. Bilder schmücken den Raum, viele gemalt von Freunden und Bekannten. Die Wohnung war daher auch schon bei der Kunstaktion „3 x klingeln“ dabei, auf der Privatleute ihre Wohnungen für Künstler und Publikum öffnen.

Chaos und Clean

In der Mitte der Küche eine weitere Erinnerung an den ehemaligen Hafengarten: Eine Biergarnitur in grün bildet den temporären Küchentisch, während wir auf den weitläufigen Hinterhof schauen, in dem die Sonne aufgeht. „Dort unten haben sie einen sehr schönen Kindergarten gebaut. Sehenswert, vor allem architektonisch“ erzählt Mathias.

Ein schmucker Gasherd findet neben verschiedenen IKEA-Anrichten Platz, das Ganze überdacht mit einer kernigen Schreiner-Arbeitsplatte. Matthias kocht viel und gerne, der Kühlschrank ist gut gefüllt. Passende Kräuter kommen vom kleinen Balkon, ein zweiter Balkon befindet sich hinten im Schlafzimmer. Dieses ist ebenfalls nüchtern möbliert: „Das Bett habe ich selbst aus Paletten gebaut.“ Hier stört eigentlich nur noch der Fluglärm am Horizont. Gegenüber vom Schlafzimmer liegt die „Rumpelkammer“, das einzige Zimmer, das nicht durchgestylt ist und in dem sich alles befindet, was bisher noch keinen festen Platz in der Wohnung gefunden hat. Etwas Chaos, wenn auch versteckt, darf es dann beim Architekten doch auch mal sein.

Zwischen den Zimmern der lange Flur, kahl und leer mit einer Garderobe aus Geweih gefertigt und zwei Nasszellen, an jedem Ende eine: beim Warmwasseranschluss die Dusche samt Wanne, am anderen Ende die Toilette. Einziger Nachteil: kein Tageslicht. Aber das ist angesichts der restlichen Wohnung zu verschmerzen. Und so hat Matthias es bisher – jedoch ohne Erfolg – auch schon des Öfteren versucht, das gute Stück in eine Eigentumswohnung umzuwandeln. Vielleicht wird es ihm ja eines Tages doch noch gelingen. So wie vielleicht auch sein nochmaliger Sprung in die Mainzer Gastro-Szene. Bis es so weit ist, kann er es sich hier gut gemütlich machen.