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Lohnt sich Mülltrennung?

Text Florian Barz  Foto Andreas Coerper

Wozu Müll trennen? Die schmeißen am Ende doch eh alles zusammen. Einige Vorurteile über Abfallentsorgung sind nicht aus der Welt zu kriegen. Thomas Strack vom Mainzer Entsorgungsbetrieb (EB) begegnet ihnen mit Humor. „Klar. Wir kippen die gelben Säcke in den Rhein. Dann ist es ein Problem der Marine.“ In Wahrheit haben nur die im gelben Sack gesammelten Verpackungen eine Chance auf Recycling.

Was einmal in der Restmülltonne landet, wandert ohne Ausnahme in die Müllverbrennungsanlage. Bei der Verbrennung wird Strom und Fernwärme gewonnen, umweltfreundlich ist das aber nicht. Außerdem kostet es den Bürger unnötiges Geld. Die Abholung und Entsorgung der gelben Säcke fällt nämlich, anders als der Hausmüll, nicht unter die Ägide der Kommune: „Für Einsammlung, Transport und Aufbereitung sind die Hersteller per Gesetz verpflichtet“, erklärt Siglinde Frisch vom EB, „wir sind also nur die Dienstleister der Verpackungsindustrie.“

Die Stadt holt die gelben Säcke im Auftrag des so genannten „Dualen Systems“ in den Haushalten ab und bekommt dafür Geld. Wer eine leere Ravioli- Dose in den Restmüll wirft, zahlt also doppelt! „Beim Kauf der Dose haben Sie für die Entsorgung schon mit bezahlt“, erklärt Strack. „Die Leistung nehmen Sie in diesem Fall aber nicht entgegen. Denn die Dose landet ja im Restmüll, wird also von der Kommune abgeholt und entsorgt. Dafür zahlen Sie nochmal – im Rahmen der Müllgebühren.“ Trennen lohnt sich also für den eigenen Geldbeutel, als auch für die Umwelt.

Nächster Schritt: Sortierung

4.000 Tonnen Verpackungsabfall sammelte der Mainzer EB 2014 ein. Die gelben Säcke bringt er zur Firma Meinhardt nach Ginsheim-Gustavsburg. „Wir sichten und sortierten den Abfall“, erklärt Betriebsleiter Dominik Zapf. Ein komplexes System aus Förderbändern transportiert den Abfall durch eine übelriechende Halle. Ein Magnet zieht das Aluminium heraus, Infrarotstrahlung hält die Kunststoffarten auseinander. Weil die Maschinen manches übersehen, fischen Mitarbeiter im Akkord falsch Sortiertes von den Bändern.

Der getrennte Abfall fällt durch Seitenöffnungen und türmt sich auf dem Hallenboden zu großen Haufen.Eine Presse verarbeitet diese später zu Abfall-Quadraten, die auf dem Hof auf ihre Abholung warten. Ihre nächste Station sind Recycling-Unternehmen in ganz Deutschland, zum Beispiel Alunova in Bad Säckingen, das auf die Rückgewinnung von Aluminium spezialisiert ist.

Etwa ein Drittel des Abfalls tritt diese Reise aber erst gar nicht an, weil er nicht recycelbar ist. „Die Fehlerquote wird leider immer größer“, klagt Zapf. „Offenbar ist das Bewusstsein der Menschen für Mülltrennung nicht mehr so ausgeprägt.“ Bauschutt oder Teppichreste gehören ebensowenig in den gelben Sack, wie Kinderspielzeug aus Plastik. Aus diesen Resten entsteht Ersatzbrennstoff für die Zementindustrie.

Glas und Altpapier

Die Stadt Mainz holt auch Glasflaschen und Altpapier im Auftrag des dualen Systems in den Haushalten ab. Das ist ein besonderer Service, denn in den meisten Kommunen müssen die Bürger ihre Flaschen selbst in aufgestellte Glascontainer bringen. „Der Krach ist störend für die Anwohner“, erklärt Strack die Entscheidung gegen das Bring-System. „Außerdem sind solche Container Anziehungspunkt für Müll aller Art und somit auch für Ratten.“

Der Nachteil: Die Flaschen werden nicht nach Farben sortiert. „Wir können den Bürgern kaum zumuten, auch noch Tonnen für jede Glasart aufzustellen.“ So entsteht aus den Mainzer Glasresten ausschließlich Grünglas, weil das einen hohen Anteil an fremden Farbanteilen verträgt. Wo genau das Glas letztlich landet, weiß auch Strack nicht. Zu verzweigt ist das Müllentsorgungssystem.

Strom durch Bio-Abfall

Anders beim Bio-Abfall aus Mainz. Der landet vollständig im Biokraftwerk der Firma Veolia in Essenheim. Bei der Gärung entsteht Strom. Danach dient der Abfall Landwirten als Dünger. Das Geld bleibt bei der Stadt, denn der wertvolle Bioabfall ist Teil des Hausmülls und damit hoheitliche Aufgabe. Das gilt übrigens auch für Tierkadaver. „Tierärzte bringen die toten Haustiere zu uns“, erzählt Strack und dämpft taktvoll die Stimme. Sie werden in speziellen Fabriken zu Tierfett oder Fleischmehl verarbeitet. Unser Fazit zumindest: Mülltrennung, im Speziellen der gelbe Sack, lohnt sich!