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Goldgrube Biontech: Wird Mainz zur reichsten Stadt Deutschlands?

Dass Mainz bald die reichste Stadt Deutschlands sein wird, haben die wenigsten bisher begriffen. Dabei sitzen wir schon lange „An der Goldgrube“ und nun ist diese Goldader offen: Die unwahrscheinliche Situation ist eingetreten, dass eines der weltweit führenden Unternehmen in Mainz an dieser Goldgrube sitzt, nämlich Biontech, und damit der Schuldenstadt-Mainz einen Geldsegen beschert.

Eine halbe Milliarde pro Jahr?
Ein Mainzer Wirtschaftsprüfer hat in der Allgemeinen Zeitung den Biontech- Bericht für die ersten sechs Monate des Jahres 2021 analysiert und kommt dabei zu dem Ergebnis, dass die Stadt von Gewerbesteuereinnahmen in einer Größenordnung von 500 Mio. Euro und mehr für 2021 ausgehen könne. Mit einem Schuldenstand von 1,3 Milliarden Euro könnte Mainz damit in wenigen Jahren schulden- und sorgenfrei sein. Biontech hat für die ersten sechs Monate des Jahres einen Gewinn von 5,66 Milliarden Euro vor Steuern ausgewiesen. Das Unternehmen gibt an, dass es aktuell mit einer Steuerbelastung von etwa 1,75 Milliarden Euro rechnet, die in Deutschland zu entrichten sei. Etwa die Hälfte dieses Betrags müsse das Unternehmen als Körperschaftssteuer bezahlen, die an den Bund und die Länder fließt. Die andere Hälfte, rund 850 bis 900 Mio. Euro, kämen in den Topf der Gewerbesteuer. Die Höhe des Betrags orientiert sich maßgeblich an den Lohnsummen, die an den jeweiligen Standorten gezahlt werden. Und da schneidet Mainz gut ab: Im vergangenen Jahr hatte Biontech eigenen Angaben zufolge knapp 2.000 Mitarbeiter beschäftigt – die Zahl dürfte im laufenden Jahr gestiegen sein. Am Hauptsitz in Mainz arbeiten etwa 1.200 Mitarbeiter, darunter das gut dotierte Management und die Forschungsabteilung. Weitere, größere Produktionsstandorte liegen in Idar- Oberstein und in Marburg.

Geld fließt noch dieses Jahr
Für 2020 wird die Stadt keine nennenswerte Zahlung erhalten. Doch schon in diesem Jahr könnten Gelder von Biontech in die Stadtkasse fließen. Finanzdezernent Günter Beck (Grüne) bestätigt dies auf Anfrage der AZ. Die Stadt sei im Austausch mit dem Finanzamt. Ob es Gespräche mit Biontech gebe, dürfe er aus Gründen der Vertraulichkeit nicht sagen. Erst wenn der Gewerbesteuermessbescheid vorliege, könne geklärt werden, was noch in diesem Jahr zu erwarten sei. Zunächst sollten die Altschulden aus den Kassenkrediten von etwa 700 bis 800 Mio. Euro abgebaut werden, sagt Beck. „So könnten wir ausgeglichene Haushalte aufstellen und würden nicht mehr unter der Knute der Aufsichtsbehörde ADD stehen.“

Träume und Schäume
Also Mainzer, wer sich impfen lässt, bitte mit Biontech, es kommt eurer Stadt und euch zugute. Schulen, Feuerwehr oder Katastrophenschutz – es gibt viele Bereiche, die dringend besser ausgestattet sein müssen. Soziales, kostenloser ÖPNV, keine Hundesteuer mehr, Senkung der Grundsteuer, sprudelnde Brunnen, man möchte sich gar nicht ausmalen, was alles möglich wäre: Nie wieder Geld-Diskussionen bei Posten und Ämtern, sozialer Wohnungsbau, Kultur-Förderung, die Stadt kauft einfach das Gebäude vom Capitol Kino und rettet es. Die Finanzierung des Gutenberg- Museums ist plötzlich ein Klacks. Mainz mit vielleicht noch zwei weiteren Fußball-Bundesligisten… Die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt. Mainz wird bald keine Schulden mehr haben, sondern viel Geld zur Verfügung – wenn Biontech bleibt, wenn Flächen ausgebaut werden, wenn ein neuer Stadtteil entsteht und und und. Es ist eine beinahe aberwitzige Situation, in der wir uns historisch gesehen befinden, ausgerechnet in Mainz – wer hätte das bis vor Kurzem noch gedacht?

Kein Ende der Pandemie?
Allerdings muss Biontech nicht nur forschen, sondern auch erfolgreiche Medikamente produzieren. Daher müsste die Pandemie eigentlich aufrechterhalten werden, oder um andere Absatzmärkte oder Produkte ergänzt. Und es ist ja nicht nur Biontech, sondern auch ein Unternehmen wie Schott hier vor Ort, das die vielen Glas-Ampullen produziert – auch hier dürften die Steuereinnahmen steigen. Augenblicklich sieht es jedenfalls nicht so aus, dass die Zahlungen in den Folgemonaten und -jahren geringer werden – im Gegenteil: Biontech rechnet mit weiter steigenden Umsätzen. Das Unternehmen schafft Arbeitsplätze, für die Zukunft interessante Gründungen, und die Stadt ist gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, aber: auch schon jetzt zu starten mit einer expansiven Geld- und Förder- und Investitionspolitik. Es muss umgedacht werden! Dann haben wir bald goldene Zeiten fürs goldische Mainz…

Ein Kommentar von David Gutsche

5 Kommentare “Goldgrube Biontech: Wird Mainz zur reichsten Stadt Deutschlands?

  1. Eine halbe Million pro Jahr?
    Ein Mainzer Wirtschaftsprüfer hat in der Allgemeinen Zeitung den Biontech- Bericht für die ersten sechs Monate des Jahres 2021 analysiert und kommt dabei zu dem Ergebnis, dass die Stadt von Gewerbesteuereinnahmen in einer Größenordnung von 500 Mio. Euro und mehr für 2021 ausgehen könne.

    Das wäre nicht eine halbe Millon, sondern eine halbe Milliarde!

  2. Ich bin doch ein wenig irritiert, warum kann oder soll ein einzelnes Unternehmen dass gerade in der Corona Pandemie wirklich grosse Erfolge erzielen konnte..Unsere Stadt Mainz vor dem finanziellen Disaster retten können?? Was ist mit den Steuergeldern die monatlich fließen? Wo wird halbwegs ökologisch und umweltfreundlich investiert. Das machen unsere ansässigen Konzerne..Schott, Frosch, und Biontech. Viel mehr gibts nicht mehr. Unsere Regierung hat es geschafft die Unternehmen rauszueckeln. Siehe Nestlé. Hoffe wir denkenden nach wenn wir wirtschaftliche Entscheidungen fällen müssen. Weil Arbeitsplätze sind Rah gesegnet…Überhaupt für unqualifizierte Arbeitnehmer. Wohin mit denen? In den öffentlichen Dienst?

  3. Der erwähnte Meister Beck wird vermutlich dafür sorgen, dass das Geld von mittelmäßigen Provinz-Bankern schlecht angelegt wird. Derweil lassen sich Ebling und seine Freunde für ihre Standortpolitik feiern. Nichts können sie dafür. Das Geld kommt aus dem Nirgendwo und wird auch wieder dahin verschwinden, wenn Biontech das Weite gesucht hat.

  4. Die Meenzer brauchen mehr Sozialwohnungen! Das sollte man mit dem Geld anstellen! Und das Ketteler Kolleg übernehmen und Luftfilter einbauen. Meine Kameraden und ich frieren uns beim Lernen den Po ab. Schließlich ist das Bistum knapp bei Kasse und wohin mit uns?

    Eine neue Wohnanlage im Hartenberg, um den Studierenden am Ketteler Kolleg günstige Wohnungen anzubieten, kürzere Anfahrten und somit mehr Zeit zum Lernen zu haben wäre eine gute Investition. Mit einem guten Abi und einem gutem Studium können wir viel erreichen. Vielleicht wird unsere Stadt ja noch besser? Vorallem wenn wir in die Forschung gehen täten. Oder den Studenten auf der Uni erschwingliche Wohnungen bieten. Und Familien mit Kindern…ALG II- Empfängern (Harz IV) und Geringverdienern bessere und mehr Wohnungen bieten. Solarzellen auf allen Dächern, Obdachlosen ein Zuhause geben, kostenloser ÖPNV für alle Studierenden und Schüler, Wasserstoffbusse und E-Busse, mehr Straßenbahnen, weniger Autos, mehr Geld für die Forschung in Mainz… Das alles klingt nach Utopie, kann man aber zu einigen Teilen durchaus ermöglichen. Zum Beispiel die Wohnungen oder die Luftfilter. Generell Luftfilter an allen Bildungsstätten. Ich würde es begrüßen, wenn es wenigstens mehr erschwingliche Wohnungen geben täte. Immerhin will ich in Mainz dauerhaft sein.

  5. Ein warmer Geldsegen für Mainz. Glückwunsch!
    Aber es wird den Mainzern auch dieses Mal gelingen die Quelle trocken zu legen. Mainz arbeitet hart daran sich als Standort für Unternehmen und Arbeitnehmer mit allen Mitteln unattraktiv zu machen. Da werden tapfer Tempo 30 Zonen installiert, Ampelschaltungen funktionieren nicht, die Fahrzeit innerhalb der Innenstadt verdoppelt sich (bei angeblich gleichzeitiger Verringerung des CO2-Ausstoßes :), Fahrspuren in Radwege oder Busspuren umgewandelt. Nicht falsch verstehen, alles sehr begrüßenswert wenn nicht gleichzeitig das ÖPNV-Angebot so grottig wäre. Vielen bleibt gar keine Wahl als sich ins Auto zu setzen. Wohnungen werden gebaut, jedoch für reiche Rentner und/oder irgendwelche Araber (s. Künstliche Grachten im Zollhafen). Was sollte also Unternehmen wie Biontech dauerhaft dazu bewegen hier ihren Standort aufrecht zu erhalten. Das wird im Zeitalter von Digitalisierung u. Homeoffice immer weniger nötig. Nicht zu vergessen, dass solche Firmen qualifiziertes Personal benötigen, welchem man attraktive Rahmenbedingungen anbieten muss. Also, auf in den Hunsrück 🙂

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