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Das sensor 2×5-Interview mit Jazzprofessor Sebastian Sternal

Wie sind Sie zum Jazz gekommen?

Mit sechs Jahren habe ich mit klassischem Klavier begonnen. Und mit elf Jahren wurde ich an die Jazzmusik herangeführt. Vor allem Herbie Hancock und Miles Davis waren meine Vorbilder. Aber auch Filmkomponisten wie John Williams – der viele Spielberg-Filme vertont hat – und Musiker wie Sting.

Wie war es, mit 27 Jahren als Professor an die Musikhochschule zu kommen?

Ich habe mich sehr gefreut, auf diese Weise in meiner Heimatstadt wirken zu können. Natürlich hatte ich auch viel Respekt davor. Fachlich fühlte ich mich der Aufgabe aber durchaus gewachsen. Und mein Netzwerk in Mainz hat mich unterstützt, schnell in die Aufgabe hineinzuwachsen.

Welche Fähigkeiten sollten Studierende für ein Jazz-Studium mitbringen?

Wichtig ist die Fähigkeit zu improvisieren. Dazu das Zusammenspiel mit anderen Musikern, die musikalische Kommunikation. Grundsätzlich sollte man ein Studium der Musik aber nur in Betracht ziehen, wenn man bereit ist, ihr sein Leben zu widmen. Wenn man überlegt, ob man Musik oder nicht doch lieber etwas anderes studieren soll, würde ich eher davon abraten. Musiker- Sein ist kein Beruf, sondern eine Berufung.

Wie nehmen Sie die Jazz-Szene in Mainz wahr?

Die ist sehr lebendig! Da gibt es Player wie die „Jazzinitiative Mainz (JIM)“ um Jörg Heuser, die Konzertreihe im „Atelier Schauder“ oder die Sessions von „upArt e.V.“. Aber auch viele andere Initiativen beleben die Szene: zum Beispiel der Jazzmontag im „schon schön“ und die Events von „Tonkult“. Besonders spannend ist aktuell die Gründung eines rheinland-pfälzischen Jazzverbandes, von dem ich auch für Mainz positive Auswirkungen erwarte. Außerdem wird auch an der Uni die Unterstützung für den Jazz in Mainz deutlich sichtbar.

Veranstaltet die Hochschule für Musik viele Konzerte?

Ja sowohl an der Hochschule als auch vermehrt in der Stadt. Zum Beispiel treffen im Frankfurter Hof bei der Reihe „Treffpunkt Jazz“ Studierende teilweise auf Stargäste. Da moderieren auch schon mal Claus Kleber oder Lars Reichow. Am 28. Juni zeigen wir das Jazzmusical „Roulette“ von und mit Thomas Pigor. Auf dem Campus gibt es die „Mainzer Jazzgespräche“, bei denen wir uns wissenschaftlich mit dem Thema auseinandersetzen. Außerdem haben wir diverse Abschlusskonzerte der Abteilung Jazz und Populäre Musik.

Welche Musik hören Sie privat zuhause?

Ich höre mir lieber Live-Konzerte an. Mein Musikgeschmack ist breit gefächert. Zurzeit höre ich neben dem New Yorker Jazzpianisten Sullivan Fortner auch die Elektro-Jazzband Knower oder die New Yorker Singer-Songwriterin Becca Stevens. Auch klassische Musik begeistert mich nach wie vor, zuletzt die Musik von György Ligeti.

Was schätzen Sie an Mainz?

Mainz hat alle Vorzüge einer kleineren Großstadt, gleichzeitig aber ein großzügiges kulturelles Angebot – das ist eine tolle Kombination. Auch die Café- und Kneipenlandschaft hat sich seit dem Ende meiner Schulzeit vor 15 Jahren positiv entwickelt. Es passieren viele spannende Dinge. Mainz ist gemütlich und doch belebt. Ich lebe gerne hier.

Sie sind drei Mal mit dem Jazz-Echo ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen das?

Die Echos sind eine tolle Anerkennung und haben viel Präsenz erzeugt. Im Jazzbereich wurde der Preis – anders als beim Echo Pop, wo Verkaufszahlen die Hauptrolle spielten – durch eine Jury nach rein künstlerischen Aspekten vergeben. Insofern hat es mich sehr gefreut, dass sich die Jury gleich dreimal für meine Musik entschieden hat. Aber auf der Straße werde ich deshalb noch lange nicht angesprochen.

Gibt es etwas, was Sie neben der Musik noch gerne machen würden?

Irgendwann könnte ich mir vorstellen, mal ein Buch zu schreiben. Vielleicht einen Roman, aber auch Lyrik reizt mich. Ich habe mich neben der Musik immer auch stark für Literatur und Sprache interessiert. Neben Klassikern wie Franz Kafka und Max Frisch lese ich auch gerne zeitgenössische Literatur, zum Beispiel von Daniel Kehlmann oder Juli Zeh.

Und Urlaub im Sommer ist auch mal eine Option?

Anfang August bin ich auf Tournee in Litauen in der Nähe der Kurischen Nehrung. Die Gegend soll wunderschön sein. Das ist dann fast wie Urlaub. Für meinen privaten Sommerurlaub kommt Portugal in die nähere Auswahl. Aber wohin es wann geht, werde ich spontan entscheiden. Genau wie im Jazz!

Interview Thomas Bittel
Foto Jana Kay

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