Direkt zum Inhalt wechseln
|

Das senor 2×5 Interview mit dem Integrationsbeauftragten Carlos Wittmer

Seit Jahren arbeitet Carlos Wittmer in und für die Stadt Mainz. Der gebürtige Mexikaner spricht über seinen Job, Hobbies und gelungenes Zusammenleben.

Was sind so Ihre Aufgaben?
Wir schauen, dass alle Einwohner mit Integrationsgeschichte integriert werden, dass sie gleichbehandelt werden und dass ich mich um Gleichstellung und Chancengleichheit bemühe. Es geht darum, Strukturen herzustellen, sei es institutioneller oder sozialer Art, oder auch Zugänge zu Bildungsräumen sowie Teilhabe zu gewähren. Wir verarbeiten im Stadthaus jeden Tag viele Anfragen von Bürgern internationaler Herkunft, beraten sie und stellen Kontakte zu den richtigen Stellen her. Zudem sind wir auch mit der Planung von Veranstaltungen beschäftigt.

Wo liegen die Schwierigkeiten in der Integration?
Es gibt den alten Spruch: „Integration ist keine Einbahnstraße.“ Derzeit merken wir, dass Integration vermehrt nur in eine Richtung gefahren wird und sehr viel politischer Gegenwind kommt. Ich bin froh, dass viele Menschen dagegen auf die Straße gehen. Es ist sehr herausfordernd für die Gesellschaft, wenn Integration negativ erzählt wird. Sei es durch Stammtischparolen oder Behauptungen, die schlichtweg falsch sind.

Wie wirkt sich der aktuell wahrnehmbare Rechtsextremismus aus?
Ich erlebe, dass die Community zurückhaltender agiert und vielleicht sogar ein bisschen scheu ist. Und das vor allem aus zwei Gründen: Zum einen wegen des Nahost-Konflikts und zum anderen wegen des zunehmenden Rechtsextremismus. Sie haben Angst, gegeneinander ausgespielt zu werden. Durch das unsägliche Wort des Jahres (Remigration, Anm. d. Red.) wird ihnen plötzlich nur noch ein Duldungsstatus zugestanden. Und das betrifft auch Menschen, die Deutsche per Geburt sind oder die schon in der zweiten oder dritten Generation hier leben. Das ist schon krass.

Hat das ehrenamtliche Engagement nachgelassen?
Ein großer Faktor war hier Corona, der zu Lasten des Ehrenamts ging. Es wird nach Nachwuchs für soziales Engagement gesucht. Trotzdem merken wir in Mainz durch die Kundgebungen, dass die Menschen da sind und auch bereit, Position zu beziehen. Es gibt auch nach wie vor noch das Ehrenamtsbündnis in der Flüchtlingshilfe. Ich würde mich freuen, wenn sich dort wieder mehr Menschen engagieren.

Wie ist die Stadtverwaltung ausgestattet, um den Herausforderungen zu begegnen?
Wir sind eine Stabsstelle im Büro des Oberbürgermeisters und in unserer Abteilung zu dritt. Die Kommunikationswege sind kurz, Entscheidungen können schnell getroffen werden. Meine Kollegin in Koblenz etwa hat ihren Sitz im Ordnungsamt, viele andere sind beim Sozialdezernat. Ich bin sehr froh, dass wir im Stadthaus sind. Das macht vieles einfacher.

Wie sind Sie zu Ihrem Amt gekommen?
Ich war beim Dachverband der Integrationsbeiräte tätig. Dadurch habe ich in Rheinland-Pfalz viele Beiräte kennengelernt. Damals hat mich schon der Kontakt zu Verwaltungen interessiert, so dass ich 2017 auf die Stelle in Mainz aufmerksam wurde. Mit meinem Know-how wollte ich einen Perspektivwechsel einleiten und meine Erfahrungen in die Verwaltung hineintragen.

MENSCH

Sind Sie in Mainz aufgewachsen?
Ja, ab meinem dritten Lebensjahr zwischen den weiten Spargelackern in Mainz-Finthen. Meine Eltern stammen aus Karlsruhe, geboren bin ich allerdings in Mexiko. Nach ihrem Studium und ihrer Ausbildung waren sie zwischenzeitlich dorthin ausgewandert.

Welche Hobbies haben Sie?
Die klassische Musik spielt in meinem Leben eine große Rolle. Als ich fünf Jahre alt war, begann ich Klavier zu spielen. Der Flügel steht immer noch in Finthen. Wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin, wird das Instrument für mehrere Stunden beackert. Ich habe an der Musikhochschule in Stuttgart Sprecherziehung und Rhetorik studiert. Neunzig Prozent der Leute, mit denen ich studiert habe, sind beim Radio gelandet oder lehren jetzt an Schauspielschulen.

Was bedarf es für Sie persönlich für ein gelungenes Zusammenleben?
Es geht darum, ein konstruktives Miteinander zu schaffen, in dem Debatten erwünscht sind und bei dem auch ein Konsens errungen werden darf. Aber letzten Endes geht es auch ganz einfach um das Gefühl und die Sicherheit, (hier) so sein zu dürfen, wie man ist. In Mainz ist die Welt zuhause, und ich wünsche mir, dass das so bleibt.

Und wann findet die nächste Interkulturelle Woche statt?
Die ist vom 6. bis 15. September, und das Interkulturelle Fest ist für Sonntag, den 8. September, eingeplant. Wir gehen jetzt in die Ausschreibung. Darauf können sich dann die Träger und Vereine bewerben. Anhand der eingereichten Vorschläge erarbeiten wir das Programm. Dieses Jahr gibt es übrigens auch eine Info-Messe im Stadthaus, die sich mit dem Thema Anerkennung ausländischer Abschlüsse befasst.

Interview Alexander Weiß Foto Jana Kay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert