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Wird aus dem Ex-Kulturquartier Alte Patrone eine Kita?


von Monika Nellessen (Artikel aus der Mainzer Allgemeinen Zeitung)

Am 31. Dezember geht in der Alten Patrone eine Ära zu Ende. Dann läuft der Pachtvertrag zwischen der Wohnbau und der Firma von Bürgermeister Günter Beck aus, die – zuletzt in Verantwortung von Becks Sohn Max – Gastronomie in der Remise und im Sommergarten betrieben hat. Ein gerichtlicher Streit um Pachtzahlungen war 2011 mit einer Zahlung von 72.000 Euro von Beck an die Wohnbau beigelegt worden.

Schon vor Monaten hatte Beck die regelmäßige Bewirtschaftung der Remise aufgegeben – hinter den Kulissen wurde über eine Aufhebung des eigentlich mindestens bis 2013 laufenden Mietvertrags verhandelt. Das ehemalige Kunst- und Kulturquartier wandelt sich nun in ein Wohngebiet mit einer großen Kita: In den ehemaligen Theatersaal ist bereits vor zwei Wochen eine Kita eingezogen – 2013 baut die Wohnbau auch die Remise für zwei weitere Kita-Gruppen um.

Für Sozialdezernent Kurt Merkator (SPD), zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnbau, ist dies die beste Lösung: „Die Wohnbau hat keinen Pächter für die Gastronomie gefunden, wir brauchen dringend Kita-Plätze.“ Mittlerweile stelle die stadtnahe Gesellschaft ihrer Mutter sieben Kindergärten im Stadtgebiet gegen Pacht zur Verfügung. Die Miete sei so bemessen, „dass die Wohnbau eine kleine Gewinnmarge macht“ (Merkator). In der Alten Patrone sollen drei Gruppen mit rund 45 Kindern im Alter von ein bis sechs Jahre im Theatersaal unterkommen, nach dem Umbau der Remise (einen Teil des Kücheninventars kaufte nach AZ-Informationen der Gonsenheimer Sternekoch Frank Buchholz) können dort 30 weitere Kinder spielen.

Fünf Kinder, drei Erzieherinnen

Dass aktuell gerade mal fünf Jungen und Mädchen von drei Erzieherinnen in der neuen Kita auf dem Hartenberg betreut werden, ficht Merkator nicht an: „Es entspricht unserem pädagogischen Konzept, dass wir in einen neuen Kita die Kinder sukzessive aufnehmen, damit gerade die Kleinsten sich gut eingewöhnen können.“ Die 60 Plätze in der Alten Patrone seien aber alle längst vergeben, betont Merkator. „Und auch für die jetzt neu entstehenden zwei Gruppen ist der Bedarf unzweifelhaft da.“

Um den ab August 2013 geltenden Rechtsanspruch für eine Betreuung auch der Einjährigen zu sichern, sucht die Stadt weiter händeringend nach Erzieherinnen. Rund 300 Neueinstellungen müssten erfolgen. Schließlich gibt es bei 700 Beschäftigten auch eine jährliche Fluktuation auf rund 40 Stellen durch Umzug oder Elternzeit. „Wir inserieren im ganzen Bundesgebiet“, sagt Merkator. Dabei setzt die Stadt zum Beispiel darauf, dass Erzieher aus den neuen Bundesländern den Schritt nach Mainz wagen.

Deutschkurs in Valencia

Zugleich hat das Jugenddezernat seine Drähte in die spanische Partnerstadt Valencia aktiviert. „Die Jugendarbeitslosigkeit liegt dort bei 40 Prozent“, erklärt Merkator, „da ist es nicht abwegig, junge Leute für eine Berufstätigkeit in Deutschland zu gewinnen.“ Mit der Arbeitsagentur in Valencia laufen Verhandlungen, Interessierten einen ersten Deutschkurs in ihrer Heimatstadt und dann einen zweiten Sprachkurs nach der Umsiedlung nach Mainz anzubieten.

Was die Suche nach Erzieherinnen im In- und Ausland nach entsprechenden Erfahrungen bei „Schnuppertagen“ für Interessierte laut Markator erschwert: „Einerseits sind wir mit 46 städtischen Kitas ein attraktiver Arbeitgeber, weil es Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Andererseits schrecken die hohen Mieten in Mainz viele ab.“