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Wie das Mainzer Tierheim durch den Winter und die Corona-Krise kommt

Neugierige Hunde, dösende Katzen, huschende Kaninchen und zwitschernde Vögel – im Innenhof des Mainzer Tierheims streift nahezu jeder Blick ein Lebewesen. Hinter einem grünen Sichtschutz unter der Mombacher Hochbrücke stehen neun Häuschen: drei für Hunde, zwei für Katzen und der Rest für Klein- und Wildtiere – fast alle voll besetzt. Es regnet, während die Vorsitzende Christine Plank uns herumführt. Trotzdem wird an allen Ecken und Enden im Freien gearbeitet. Planks Schritt ist so zügig und bestimmt wie ihre Antworten auf meine Fragen. Sofort ist klar: Mit romantischer Verklärung kann man hier nichts anfangen. Dafür sind alle mit ganzem Herzen bei der Sache und Christine Plank kennt die Geschichte jedes einzelnen Tieres.

Christine Plank, Vorsitzende des
Mainzer Tierschutzvereins

Bunte Mischung
200 bis 400 felligen, gefiederten oder geschuppten Gästen gibt das Tierheim im Schnitt ein Zuhause, manchen davon für immer. Unter den vermittlungsfähigen Tieren gibt es die üblichen Verdächtigen mit Hund, Katze, Meerschweinchen, Kaninchen und Ziervögeln. Aber auch einige Exoten leben hier: Schlangen, Degus, Geckos und Chinchillas. Manche von ihnen wurden vom Veterinäramt konfisziert und gefunden, wieder andere müssen unterkommen, weil die Besitzer sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um sie kümmern können. Wildtiere kommen ins Tierheim, wenn sie verletzt sind. Sie werden in der Tierarztpraxis behandelt und nach Genesung wieder ausgewildert. Wenn sie dauerhaft beeinträchtigt sind, dürfen sie bleiben; so lebt etwa eine der beiden Tauben, die im vergangenen Jahr am Hauptbahnhof angezündet wurde, dauerhaft hier. Neben wilden Vögeln werden im Moment besonders oft Eichhörnchen und Igel versorgt.

Zwei der neun Tierheimhäuser
beherbergen ausschließlich Katzen

Ein Tier aus dem Tierheim?
Zukünftigen Haltern sei empfohlen: Die Mitarbeiter kennen den Charakter ihrer Schützlinge und können Mensch und Tier beinahe perfekt aufeinander abstimmen. Außerdem sind bei Weitem nicht alle Fellnasen traumatisiert, so wie es das Klischee sagt. Im Gegenteil: Es gibt deutlich mehr unkomplizierte als verhaltensauffällige Tiere, so Christine Plank. Auch die Altersstruktur ist durchmischt, sodass jeder Wunsch erfüllt werden kann. Zudem hilft das Tierheim auch bei Fragen zu Erziehung und Haltung.

Hat ein Herz für Hühner: Svenja Schulz

In Geldnot durch die Pandemie
Mit Corona hat sich auch für das Tierheim einiges verändert: Vermittlungen finden nur noch nach Terminabsprache statt, spontane Besuche fallen aus, so auch Tage der offenen Tür und andere Feste. Das wirkt sich negativ auf die Spenden aus, auf die die Einrichtung dringend angewiesen ist: 850.000 Euro kostet der Unterhalt pro Jahr. Das Geld, das durch die Beiträge der Tierschutzvereinsmitglieder und die Vermittlungsgebühren zusammenkommt, reicht dafür bei Weitem nicht aus. Christine Planks große Bitte lautet deshalb, dass die Menschen sich auch in der aktuellen Krise weiterhin für das Tierwohl engagieren: Tiere, die in der Stadt in Not geraten, sind auf das Tierheim angewiesen. Sie ist zwar stolz auf das neue, geräumige Hundehaus, aber eigentlich müssten auch andere Gebäude dringend saniert werden – und dafür braucht es Geld. Mitglieder des Tierschutzvereins zahlen eine Jahresgebühr von 30 Euro und dürfen dann Hunde ausführen, Katzen streicheln, Wildtiere päppeln oder bei Putz- und Schreibarbeiten unterstützen, wenn sie wollen. Aktuell soll die Zahl der Menschen, die sich gleichzeitig im Tierheim aufhalten, aber möglichst klein bleiben, weshalb die finanzielle zurzeit die größtmögliche Hilfe ist. Und was die wenigsten wissen: Vereinsmitglieder dürfen ihren verstorbenen Liebling auf dem Tierfriedhof begraben, der an das Heim angrenzt. Er ist der einzige seiner Art in Mainz und bietet beständig ca. 20 freie Plätze.

Die Katzen machen es sich gemütlich,
während sie auf ihr neues Zuhause warten

Zeit für Haustiere
Bei allen Nachteilen, die Corona mit sich bringt, sieht Christine Plank auch Vorteile, zum Beispiel bei der Tieradoptionen: Die Eingewöhnung im neuen Heim wird durch Home-Office einfacher. Außerdem besinnen sich viele Menschen darauf, dass Hund, Katze und Co. ein Bollwerk gegen Einsamkeit sind. Plank, selbst Katzenbesitzerin, wird täglich daran erinnert, welche Bereicherung ein Tier im Haus bedeutet: Eigentlich verabschiede sie sich bei jeder erfolgreichen Vermittlung mit einem lachenden und einem weinenden Auge…

Text Anna Huber Fotos Stephan Dinges

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