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Vorgestellt: Die Mainzer Musikszene

Viele Mitglieder: Rock, Jazz,
Klassik, Pop und Chormusik
am langen Tisch

Was passiert, wenn sich ein Chorleiter, ein Jazzbassist, ein Clubbesitzer, ein klassischer Pianist und ein Rockmusiker an einen Tisch setzen? Streit um Stil und Qualität? U- gegen E-Musik? Nicht so in Mainz. Seit zwei Jahren treffen sich Musiker, Veranstalter, Vertreter von Fachverbänden und andere Musikengagierte regelmäßig in der „Musik Szene Mainz“ (MSM) am runden Tisch, um über Gemeinsamkeiten zu sprechen: Probleme, Perspektiven, Forderungen, Erfahrungen.

Hervorgegangen ist die Initiative aus dem „Kulturentwicklungsprozess“, 2016 initiiert von Kulturdezernentin Marianne Grosse. Für einige Akteure war das die Initialzündung, sich weiterhin zu treffen, ohne Beteiligung der Stadtverwaltung, so eben auch für die Musikszene.

Vielfalt ist Programm
Der Kulturclub schon schön, der Landesmusikrat, die Jazz Initiative Mainz, das Collegium Musicum, das Atelier Christiane Schauder, das Ensemble Chordial, die Hochschule für Musik, die Kulturfabrik Airfield, das KUZ und viele andere mehr sind dabei. Daneben aber auch zahlreiche Einzelmusiker aus allen Genres von Klassik über Jazz bis Rock und Pop. Und das Interesse wächst. Das erklärte Ziel der Initiative: Den musikalischen Reichtum der Stadt erhalten und ausbauen. Dafür muss man sich aber zunächst kennenlernen. Denn was weiß ein Cellist aus dem Staatstheater schon von der alternativen Szene? Und kennt ein Jazzclub die Nachwuchssorgen eines Chores? So kam es, dass sich bei jeder Sitzung, die etwa alle sechs Wochen stattfinden, eine der Mitgliedsgruppen vorstellt. So wächst das Verständnis füreinander und man entdeckt Gemeinsamkeiten. Dass die Meetings in entspannter und solidarischer Atmosphäre verlaufen, ist nicht zuletzt Verdienst von Nora Weisbrod, Mitarbeiterin von Aktion Tagwerk e. V., die von Beginn an die Sitzungen organisiert und leitet, Protokolle führt und Einladungen verschickt.

Ideen, Pläne, Vorhaben
Die bisher als „freies Netzwerk“ agierende Truppe, aus der in Kürze aus praktischen Gründen ein eingetragener Verein werden soll, hat schon zahlreiche Vorhaben realisiert bzw. begonnen: Eine Website ist in Arbeit, auf der die Ziele als auch Mitglieder und Gruppen vorgestellt werden sollen. Die Kandidaten der OB-Wahl wurden in einer öffentlichen Veranstaltung nach ihren Ideen zum Thema Musik in Mainz befragt. Die Kultursprecher der Parteien im Stadtrat sollen nacheinander eingeladen werden. Und nicht zuletzt ist im Juni ein weiteres gemeinsames Konzert geplant. Schon das „Kick-off-Konzert“ im letzten Jahr, mit dem man sich der Öffentlichkeit präsentierte, war ein Erfolg: Im schon schön gab es vor vollem Haus Soul, Jazz, Chormusik, ein Bläserensemble, eine Lesung, ein Streichquartett und Rockabilly. Für manche vielleicht eine der ersten Begegnungen mit ungewohnter Musik. Hier wollen die Akteure anknüpfen.

Von Anfang an dabei: Nora Weisbrod und Norbert Schön

Kulturpolitik meistern
Natürlich geht es auch um Politik und Lobbyarbeit. Der Mangel an bezahlbaren Proberäumen betrifft alle Musiker, ebenso die geringen städtischen Mittel für die freie Kulturszene. Die Mieten für Veranstaltungssäle sind teils unbezahlbar. Ein Tourbus für örtliche Bands wird diskutiert. Die Vergnügungssteuer ist ein Thema. Eine gemeinsame Plattform für die Ankündigung von Konzerten wird gewünscht – um nur wenige Punkte der Agenda zu nennen. Wie politisch darf oder muss man sein? Ist die MSM Partner oder Lobbyist gegenüber der Stadt? Kann sie mit gemeinsamer Stimme sprechen, oder gibt es doch widerstreitende Interessen? All das braucht noch viele Diskussionen: „Auf die bereits spürbare Wertschätzung durch die Stadtverwaltung und das Gewicht, das man uns beimisst, können wir jedenfalls schon stolz sein“ – so Clubbetreiber Norbert Schön.

 

www.musik-szene-mainz.de
hallo@musik-szene-mainz.de

Minas
Fotos: Stephan Dinges

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