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So wohnt Mainz: Leben im ökologischen Holzhaus

holzhaus
von Tina Jackmuth, Fotos: Frauke Bönsch

Blass flattert ein „Atomkraft-Nein-Danke“-Banner im Wind am Balkon von Hausnummer 16 in Mainz- Mombach. Zu übersehen ist es nicht. Es hängt dort schon, seit „Schwarz-Gelb“ vor drei Jahren die Laufzeitverlängerung für Atom-Kraftwerke beschlossen hat, erfahren wir später von Birgit Schößwender und Christoph Albuschkat, den Eigentümern des Hauses.

Weiter oben auf dem Dach fallen Photovoltaikmodule und Solarkollektoren ins Auge. Der Slogan auf der Fahne steht nicht umsonst hier. Mit enormem Aufwand wurde das ehemalige „Franzosenhaus“ aus den 50er Jahren in ein ökologisches Vorzeigeobjekt verwandelt. Dabei wurde versucht, den ursprünglichen Charakter des Gebäudes mit modernen Elementen zu kombinieren. Etwa 20 Häuser mit identischem Grundriss und einer ursprünglich sichtbaren Holzfassade stehen „An der Plantage“ in Mombach. Auch in Gonsenheim sind mehrere der so genannten „Franzosenhäuser“ erhalten. Ihre Gemeinsamkeit: Sie alle wurden nach dem zweiten Weltkrieg, als Mainz französische Besatzungszone war, für französische Offiziersfamilien in Fertigbauweise aus Holz gebaut. „Eine sehr bewegte Geschichte hat dieses Haus allerdings nicht. Es wurde 1953 gebaut, ist aber bereits 1957/58 in den Besitz eines deutschen Ehepaares übergegangen, von dem wir es dann 2008 gekauft haben“, erzählt Birgit Schößwender.

Tolles Raumklima durch Holz
Die Bausubstanz war für die Eltern von zwei Töchtern (6 und 8 Jahre) eines der kaufentscheidenden Kriterien. „Wenn wir neu gebaut hätten, wäre es auch ein Holzhaus geworden. Der Vorteil hier ist unter anderem ein tolles Raumklima“, erklärt Schößwender. Und tatsächlich fühlt sich das Klima in den Räumen sehr angenehm an. Auch bei den Böden hat die Familie auf Holz gesetzt, was nicht nur dem geräumigen Ess-Wohnzimmer eine Extra-Portion Atmosphäre und Wärme verleiht. Auch die kleineren Räume im Obergeschoss strahlen Gemütlichkeit aus. Birgit Schößwender outet sich zudem als Fan von 50er- Jahre Architektur. Diese sei vor allem pragmatisch und im Vergleich zu den 60ern habe man relativ giftstoffarm gebaut. Dass die eine Dachhälfte des Hauses perfekt nach Süden ausgerichtet ist, passte in die ehrgeizigen Pläne des Ehepaares, so auch die Nutzung von Sonnenenergie einzubeziehen.

Gemeinsam für alternative Energien und fairen Handel
Fast zwei Jahre hat der Umbau in Anspruch genommen. Fotos dokumentieren die mühevolle Arbeit, Innen- und Außenwände so zu dämmen und abzudichten, dass es dem Standard eines Neubaus entspricht. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Für Christoph Albuschkat hat sich der Aufwand gelohnt. „Vielleicht mehr ideell als finanziell“, vermutet er. Als Mitbegründer der „UrStrom“ Bürgerenergiegenossenschaft engagiert er sich für alternative Energien und die Energiewende. Und das ist nur eines der Engagements, die er mit seiner Frau teilt, die sich schon als Jugendliche Ökothemen widmete und der Anti-Atomkraft-Bewegung anschloss. Beide arbeiten auch für den Bundesverband der Weltläden.

„Grüne Hausnummer“ für ökologische Sanierung
Das Haus ist ein Musterbeispiel für ökologisches Sanieren und wurde dafür von der Stadt Mainz mit der „Grünen Hausnummer“ ausgezeichnet. Die Photovoltaikanlage auf dem Dach liefert in etwa die Menge an Strom, die die vierköpfige Familie verbraucht. Reicht sie nicht aus, wird Strom hinzugekauft, während überschüssig produzierter Strom, der nicht unmittelbar verbraucht wird, automatisch ins Stromnetz eingespeist wird. Für die Beheizung sorgt eine Solarthermieanlage, kombiniert mit einer kontrollierten Lüftung mit Wärmerückgewinnung und einem Gasbrennwertkessel. „Von Mai bis Oktober haben wir so gut wie keinen Gasverbrauch“, sagt Birgit Schößwender mit Stolz. Dass die Sonne auch für das warme Wasser aus der Leitung sorgt, versteht sich von selbst. „Anders könnten wir es nicht genießen“, betont ihr Mann. Abgerundet wird das nachhaltige Konzept durch eine 6.000 Liter fassende Zisterne im Garten, die das Regenwasser auffängt. Damit wird der Nutzgarten bewässert, in dem sich einheimische Gewächse und neuerdings auch zwei Hasen tummeln. Nebenan werden gerade mehrere Holzhäuser renoviert. Birgit Schößwender und Christoph Albuschkat werden von den Nachbarn oft um Rat gefragt. Die gemeinsame Idee verbindet die eher dörfliche Gemeinschaft, in der seit einigen Jahren ein Generationenwechsel stattfindet. In dem Viertel, in dem zur Freude ihrer Töchter gleich sieben Mädchen im Grundschulalter um die Häuser ziehen, herrsche eine gute Stimmung. Vielleicht liegt das ja auch am besonderen Raumklima.