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Gastro-Tipp: Die Goldene Ente (Mainz-Laubenheim)

Die heiß ersehnte Stunde schlägt um 19:30 Uhr, dann kommen sie aus dem Ofen – 60 gold-braun gebackene Enten, die dem traditionsreichen Lokal ihren Namen geben. Urig-gemütlich und kuschelig ist es in jedem Fall in den zwei Gaststuben, vor allem, wenn der Kachelofen wummert. Und Enten sieht man fast überall – aus Porzellan, Metall oder Plastik. Während der Saison (von Mitte Oktober bis Mitte März) genießen die Gäste sie am liebsten knusprig, mit hausgemachten Klößen (nach Omas Geheimrezept) und Rotkraut für 19,90 Euro. Die Plätze sind oft Wochen im Voraus ausgebucht. Das schmackhafte Geflügel selbst gibt es nur auf Vorbestellung und immer erst ab 19:30 Uhr.

Vom Stammgast zum Enten-Wirt

Für viele waschechte Mainzer ist die Goldene Ente eine Institution und wer einmal hier war, der kommt meist wieder. Das weiß natürlich Inhaber Oliver Grimm, der als Laubenheimer fast 15 Jahre lang zunächst selbst Stammgast in der Goldenen Ente war. 2005 hat er schließlich – ebenfalls in Laubenheim – die Weinkellerei Dellee-Grimm gegründet und danach mehr und mehr Geschmack an der Gastronomie gefunden. Als schließlich 2012 der legendäre Enten- Wirt, Klaus Schmitt, in den Ruhestand ging, haben Oliver Grimm und seine Frau Martina zugegriffen. Beim Blättern in der Enten-Historie haben sie entdeckt, dass schon vor über 90 Jahren Küfermeister August Schmitt seinen eigenen Wein produzierte: „So gesehen bleiben wir der Tradition treu“. Auf der Karte findet man denn auch reichlich Haus- Weine: neben Silvaner, Riesling und Spätburgunder auch die äußerst seltene Rebsorte Hegel. Daneben gesellen sich Rheinhessische Tröpfchen u.a. von den Mainzer Weingütern Zehe- Clauß, Florian Eckert und Lemb-Becker, vom Weingut Gunderloch aus Nackenheim, aber auch aus Nachbar- Anbaugebieten, etwa vom Weingut Knipser aus der Pfalz oder Langwerth von Simmern aus dem Rheingau. Nicht zu vergessen für alle Biertrinker: ein dunkles Andechser Bockbier oder ein Paulaner Weißbier vom Fass.

Familienbetrieb mit regionaler Note

Wie schon zu Vorgängers Zeiten haben die Enten-Wirte nicht nur Einrichtung und Ambiente, sondern auch den Charakter eines Familienbetriebs beibehalten: „An der Ente sollte man nichts ändern, denn genauso lieben es unsere Gäste“, lautet ihr Erfolgsrezept. Die Vögel kommen aus einem Hofgut aus England, „die schmecken einfach am Besten“, bekennt Grimm und setzt ansonsten auf „Regionalität“. Obst und Gemüse liefert die Familie Koch aus Mainz-Kastel, die Walnüsse stammen aus dem eigenen Garten, die Kartoffeln von Florian Eckert aus Ebersheim, die Wurst kommt vom Hofgut Acker aus Bodenheim, Bier aus der Rheinhessen- Brauerei in Ebersheim, Apfelsaft vom Obstbauer Schmitt und der edle Halbbitter aus dem Hause Hünerkopf in Laubenheim. Jenseits der Geflügel-Saison setzt die Ente auf Klassiker in bester gutbürgerlicher Manier: Feldsalat mit gratiniertem Ziegenkäse, Sauerbraten vom Jungbullen mit Klößen und Apfelkompott, Rehgulasch vom Laubenheimer Reh oder zartes Rumpsteak. Empfehlenswert ist die Hausmacher Wurst, besonders schmackhaft das Jägerschnitzel mit frischen Champignons und knusprigen Bratkartoffeln. Trotz aller Tradition wagt sich der Küchenchef auch an ungewöhnliche kulinarische Herausforderungen: Fragen Sie nach dem Handkäs-Schnitzel – überraschend lecker.

Gasthaus mit Hotel und Kegelbahn

Das Ambiente ist schnuckelisch, das Konzept klassisch, das Preis- Leistungsverhältnis angenehm, der Service familiär, die Speisekarte übersichtlich und in der Küche wird nur das gekocht, was die Köche auch frisch zubereiten können. Je nach Witterung öffnet die Ente ihren Innenhof ab April, der sogar überdacht bei allen Wetterlagen genutzt werden kann. Wer übernachten will, kann das hauseigene Enten-Hotel nutzen – mit neun Zimmern, derzeit wird erweitert, so dass in Zukunft fast zwanzig Zimmer zur Verfügung stehen. Im Hinterhof befindet sich eine Kegelbahn, die seit Jahrzehnten von vielen Clubs genutzt wird. Inzwischen feierte schon der erste Verein sein 60-jähriges Jubiläum. So bleibt die Goldene Ente das, was sie schon immer war – goldisch. Reservieren dringend empfohlen!

Text Michael Bonewitz Fotos Daniel Rettig

 

Rezept

Ente waschen und säubern, mit Äpfeln füllen, pfeffern und salzen. Ente in den vorgeheizten Backofen (225 Grad Ober-/Unterhitze) für etwa 30 Minuten mit der Brust nach unten auf den Rost legen und eine Einschubleiste tiefer eine Auffangschale für das abtropfende Fett hinein schieben. Dann auf 200 Grad herunter drehen und weitere 30 Minuten im Ofen lassen. Die Haut gelegentlich anstechen. Das aufgefangene Entenfett mit kleingeschnittenem Suppengrün, Entenklein, Lorbeerblatt und ein paar Wacholderbeeren in der Auffangschale mit garen. Derweil die Ente wenden, wieder auf 225 Grad für 30 Minuten, dann erneut auf 175 Grad herunter drehen und die Ente goldbraun werden lassen. Ab und an mit kaltem Wasser übergießen. Das Gemüse mit Wasser und einem Schuss Rotwein löschen, alles durch ein Sieb in einen Topf und weiter einkochen lassen, ggf. mit Geflügelfond verlängern und mit Speisestärke ein wenig binden. Dazu Rotkraut mit kleingeschnittenen Apfelstückchen und Klöße nach Anleitung zubereiten

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