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Neue Turmhaube für Mahnmal St. Christoph

Seit dem Jahr 1400 bis zum Bau der Peterskirche im Jahr 1756 war der Turm der damaligen Kirche St. Christoph prägender Bestandteil des Mainzer Panoramas nördlich des Doms. Bei den schweren Bombenangriffen auf Mainz im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche am Karmeliterplatz fast vollständig zerstört, darunter auch die Turmspitze.
Die Initiative St. Christoph in Person von Stefan Schmitz kam vor einigen Jahren mit dem Wunsch auf die Stadt zu, die Turmhaube von St. Christoph zu rekonstruieren. Damit verbunden war das Angebot der Initiative an die Stadt, die Kosten für den Bau der Turmspitze zu übernehmen. Die Rekonstruktion soll in einer stilisierten Form erfolgen, um dem Kirchturm zwar einerseits seine stadtbildprägende Silhouette wiederzugeben, aber andererseits die Wunde im Stadtbild, die der Zweite Weltkrieg gerissen hat und an die das Mahnmal St. Christoph stets erinnert, nicht zu „reparieren“, sondern weiterhin deutlich wahrnehmbar bleiben zu lassen.

Zur Gestaltung der Turmspitze wurde durch die Stadt Mainz im Jahr 2018 ein Ideenwettbewerb ausgelobt, aus dem das Büro Bonn Architekten (Mainz) als Sieger hervorgegangen ist.

Die Neukonstruktion des Turmhelms nimmt die prägenden Gestaltungsmerkmale des zerstörten Turmdaches auf. Als wesentliche Merkmale werden die charakteristischen Turmgiebel und die Grate und Kehlen des Turmhelms nachgebildet.

Die Turmhelmkonstruktion besteht aus feuerverzinkten und farbbeschichteten Winkelprofilen. Die Turmhelmkonstruktion wird auf eine neue Stahlbeton-Konstruktion aufgesetzt (im Bereich der vormals schon den Bestand sichernden Stahlbeton-Konstruktion).

Die Wand- und Dachkonstruktion sind aus feuerverzinkten und farbbeschichteten Winkelprofilen mit Füllungen aus Verbundsicherheits-Verglasung geplant. In die neue Turmspitze soll zudem die alte Glocke wieder eingebaut werden.

„Wir haben es zusammen mit der Initiative St. Christoph geschafft, in den letzten Jahren umfangreiche Maßnahmen am Mahnmal St. Christoph selbst und in seinem Umfeld umzusetzen“, so Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse. „Wir konnten dem Ort seine Würde als Mahnmal zurückzugeben und durch die Dauerausstellung im ehemaligen Kirchenschiff einen Ort lebendiger Erinnerungskultur mitten in der Stadt schaffen. Ich kann nicht oft genug betonen, dass viele dieser Maßnahmen ohne den großen Einsatz und auch das finanzielle Engagement der Initiative St. Christoph überhaupt nicht möglich gewesen wären. Dafür gebührt der Initiative unser großer Dank.

Der Bau einer stilisierten Rekonstruktion der Turmhaube von St. Christoph bildet nun einen wunderbaren Abschluss der erforderlichen Sanierungsarbeiten an der Standsicherheit des Turms. Ich möchte auch hier der Initiative und allen voran Herrn Schmitz für sein großes Engagement und seinen nimmermüden Einsatz für St. Christoph danken. Ohne ihn, das kann ich sicher sagen, hätten wir heute nicht die Möglichkeit, die Rekonstruktion der Turmspitze anzugehen“, unterstreicht Grosse.

Mit dem Bau der stilisierten Turmspitze gehe ein großer Wunsch der „Initiative St. Christoph“ in Erfüllung, wie Stefan Schmitz erklärt: „Ganz wesentlich ist, dass die Turmspitze in Zukunft die Silhouette des Stadtbildes wieder vervollständigt.“

Die Initiative St. Christoph hatte sich 2012 gegründet und engagiert sich seitdem vor allem durch private Mittel für den Erhalt der Kirchenruine. Bevor die neue Turmhaube auf den Kirchturm gesetzt werden kann, steht jedoch die dringend erforderliche statische Stabilisierung des Turms von St. Christoph an. Die Planungen hierfür erfolgten in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege und mündeten in einem zweistufigen Konzept.

Schadensanalyse: Sofortmaßnahmen erforderlich Anlass für die Entwicklung eines zweistufigen Konzeptes mit vorgezogenen Sofortmaßnahmen am Turm des Mahnmals St. Christoph in Höhe von rund 180 000 Euro waren die Ergebnisse der Schadensanalyse, die durch Georadaruntersuchungen und materialtechnologische Untersuchungen mit Kernbohrungen durchgeführt wurde. Dabei wurde festgestellt, dass umgehend erste Sicherungsmaßnahmen zur Stabilisierung des geschädigten Turmes durchgeführt werden müssen.

Aufgrund der schalenartigen Schädigungen im Innenbereich des Turmes sowie an den Innenturmwänden und den festgestellten erheblichen großen Hohlräumen im Inneren des Turmmauerwerks, wurden folgende Sofortmaßnahmen festgelegt:

–              Schließen von Hohlräumen im Inneren des Turmmauerwerks,

–              Ausfugung des inneren Turmmauerwerks,

–              Dämmung der inneren Hohlräume,

–              Vernadelung von einzelnen Mauerwerksstrukturen zur inneren Stabilität,

–              Risseverpressung.

Die vorgenannten Maßnahmen bilden die Grundlage für die weiteren Sicherungsmaßnahmen zur künftigen Stabilität des Turms. Außerdem wird ein neues Außengerüst gestellt werden. Eine Firma zur historischen Mauerwerkssanierung wurde bereits beauftragt.

Zur Abwicklung der Sofortmaßnahme wird derzeit von einem Ausführungszeitraum (witterungsbedingt) von ca. fünf bis sechs Monaten ausgegangen.

Schritt zwei: Sanierung Turmschaft mit Stahlskelett und Ankern Im zweiten Schritt erfolgt die Sanierung des Turmschafts. Dabei müssen statische Sicherungsmaßnahmen zur Stabilisierung des Turms durchgeführt werden. Hierbei sind aufwendige Mauerwerkssanierungen im Innen- und Außenbereich der Wände herzustellen.

Vor allem aber muss neben dem Einbau von Mauerwerksverankerungen auch ein Stahlkorsett im Turminneren hergestellt werden. Diesem Stahlkorsett kommen zwei Funktionen zu: Neben der Erschließung des Turmes mit einer Spindeltreppenanlage zu Wartungszwecken (zur künftigen angedeuteten neuen Turmspitze), dient dieses Stahlkorsett der Abtragung der Turmspitzlasten und der zusätzlichen inneren Aussteifung des gesamten geschädigten Kirchturmes. Zur zusätzlichen Stabilisierung und besseren Verteilung der Lasten wird über der Bestandsdecke eine neue zusätzliche Stahlbetondecke eingebaut.

Im Inneren des Turmes wird das Stahlkorsett mit in insgesamt neun Ebenen hergestellten Dauerankern verbunden, sodass der Turm eine wesentlich bessere Aussteifung und Stabilität erhält.

Nach Abschluss dieser Arbeiten können die derzeit noch vorhandenen äußeren Stahlringe, die als temporäre Sicherung angebracht werden mussten, abgebaut werden.

Nach derzeitigem Stand wird für diese Maßnahmen eine Ausführungszeit von circa 8 Monaten veranschlagt.

Projekt

Gedenkstätte St. Christoph in Mainz

Errichtung eines Turmhelms und Sanierung des Turmschaftes

Bauherr

Landeshauptstadt Mainz, Gebäudewirtschaft Mainz Zitadelle Bau E, 55131 Mainz

Planungsbüros

Turmhelm

Bonn Architekten, Mainz

Turmschaftsanierung

IBC Ingenieurbau-Consult GmbH, Mainz

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