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Interview: Verena Campailla-Heinz (Programmchefin Frankfurter Hof) über den Festivalsommer 2020 und mehr

Ihr seid als Frankfurter Hof der größte Veranstalter der Stadt. Wie ist das so und welche Highlights erwarten uns 2020?
Ich bin seit dem 1. September in der jetzigen Funktion und ab 1. Januar geht‘s ganz offiziell los. Ab dann ist der langjährige Leiter Ludwig Jantzer im Ruhestand, wird uns aber noch beratend zur Seite stehen. Wir buchen zum einen das Programm für den Frankfurter Hof, aber auch für andere Locations. Und natürlich für unser Sommerfestival „Summer in the City“, unter anderem auf der Zitadelle und im Volkspark. Da wird 2020 einiges geboten, unter anderem die Pixies, Xavier Naidoo, Sarah Connor, Deep Purple, Dido, Mando Diao, die Hollywood Vampires mit Johnny Depp und Alice Cooper, Chilly Gonzales, Lenny Kravitz und Wincent Weiss.
Wie kommt ihr auf die Künstler? Fragt ihr die an oder werden die angeboten?
Wir fangen früh an mit dem Booking, im Anschluss an die Festivalsaison. Und teils schon für das übernächste Jahr. Wir schauen zum Beispiel, wer welches Album herausgebracht hat, wer in den Charts ist – teils auch nach Künstlern, die wir persönlich schätzen oder von denen wir glauben, dass sie gut laufen. Dann schielen wir ein wenig nach Frankfurt, wer dort in letzter Zeit gespielt hat oder in Kürze spielen wird, damit sich das nicht zu sehr überschneidet. Und dann haben wir gute Kontakte zu den Agenturen, die uns die Künstler anbieten. Damit diese auch nach Mainz kommen, tun wir alles Mögliche, dass sie sich hier besonders wohlfühlen und gerne auch wiederkommen.

Welche großen Agenturen gibt es und aus welchem Einzugsgebiet kommen die Besucher?
Bei den Agenturen gibt es vor allem Live Nation (u.a. Marek Lieberberg), KBK Entertainment, Shooter Promotions, FKP Scorpio, Semmel Concerts und viele mehr. Die Besucher kommen aus dem Rhein-Main-Gebiet, teilweise aber sogar aus anderen Ländern bis nach China.

Welche Zielgruppen bedient ihr mit euren Bookings und Locations?
Wir decken viele Genres ab, unter anderem Jazz, Klassik und Weltmusik. Im jüngeren Segment ist der Frankfurter Hof vielleicht noch nicht so bekannt wie zum Beispiel das KUZ – diese Verjüngung will ich aber in Zukunft weiter anstoßen. Da der Frankfurter Hof, das KUZ und die Rheingoldhalle zu mainzplus Citymarketing gehören, profitieren wir auch vom gegenseitigen Austausch. In Zukunft möchte ich unsere Open Air-Reihe „Summer in the City“ stärker ins Bewusstsein rufen – da ist für 2020 ein neues Image geplant.

Ihr kooperiert aber auch mit dem unterhaus und anderen Spielstätten?
Mit dem unterhaus arbeiten wir schon lange zusammen. Da wollen wir generell auch mehr ein Miteinander statt Konkurrenz. Ansonsten haben wir als mainzplus unsere eigenen Spielstätten. Aber der Frankfurter Hof hat zum Beispiel nur 500 Sitzplätze bzw. 900 Stehplätze. Wenn ein Künstler dann mehr Gäste zieht, wollen wir ihn trotzdem in Mainz halten. So weichen wir auch auf andere Locations oder externe Spielstätten wie die Halle45 aus – zum Beispiel bei Lisa Stansfield am 1. oder Konstantin Wecker am 30. Dezember.

Du kommst ursprünglich aus Portugal?
Nein, meine Mutter kommt aus Portugal und mein Vater aus Sizilien. Ich spreche aber leider kaum portugiesisch. Geboren bin ich hier in Mainz und in der Neustadt aufgewachsen. Ich war auf dem Frauenlob-Gymnasium und habe nach dem Abi ein Praktikum beim Frankfurter Hof angefangen und dort auch meine Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau gemacht. Später kam noch der Veranstaltungsfachwirt im Fernstudium hinzu. Und dann gab es das Stellenangebot im Frankfurter Hof für Ludwig Jantzers Nachfolge. Ich bin da also von Beginn an reingewachsen.

Du hast vor kurzem geheiratet?
Ja, im August. Wir sind jetzt schon seit über zehn Jahren zusammen. Unsere Flitterwochen haben wir nach der letzten „Summer in the City“-Saison in Abu Dhabi verbracht. Wir sind gerne unterwegs und waren schon in Griechenland, Thailand, Amerika, Kroatien. Bali wäre noch was und die Westküste von Amerika ein Traum.

Was gefällt dir an Mainz und was nicht?
In Mainz kann man sich wohlfühlen. Wir haben ein gutes Angebot an Gastronomie, Shopping und Kultur. Und es ist alles gut und mit kurzen Wegen zu erreichen. Auch der Sommer am Rhein – das hat schon was. Schade finde ich die aktuelle Entwicklung in der Clubszene. Da gab‘s früher mehr – das 50grad, die Panama Bar, den Star Club. Jetzt gibt es mehr so Hipster-Läden und eine vitale Bar-Szene.

Hast du noch Zeit für Hobbys?
Ich tanze gerne. Früher war ich bei der Tanzschule Willius-Senzer, fast 15 Jahre lang. Deswegen finde ich das auch schade mit den Clubs, dass es da kaum noch etwas Tanzbares gibt. Ansonsten mache ich gerne Sport, Fahrradfahren oder Inline-Skating. Oder zuhause auf den Stepper und das Laufband. Da geh ich immer nochmal rauf, wenn ich abends spät nach Hause komme.

Wird es denn oft spät? Dein Vorgänger hat nach den Auftritten noch Zeit mit den Künstlern verbracht.
Das kommt drauf an. Die ältere Künstlergeneration erwartet das vielleicht ein wenig. Die Jüngeren wollen das gar nicht mehr unbedingt. Die sind eher schnell weg nach ihrer Show. Und wir wollen uns da auch gar nicht aufdrängen und werden die Veranstaltungsbetreuung sowieso auf mehrere Schultern verteilen.

Interview: David Gutsche
Foto: Jana Kay

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