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Interview: Citymanager Dominique Liggins über Corona, LuLu und die aktuelle Lage

Wie wird man eigentlich Citymanager und was sind deine Aufgaben?
Normalerweise ist der Citymanager bei der Stadt verortet, im Stadtmarketing. In Mainz ist es etwas anders. Wir haben hier zwei große Vereine: Mainz Citymanagement e.V. und die Werbegemeinschaft Mainz, die beide den Wirtschaftsraum Innenstadt fördern. Ich bin beim Verein Citymanagement angestellt – die Werbegemeinschaft stellt mein Büro auf der Lu. Wir versuchen gemeinsam Strategien zu entwickeln, wie der Mainzer Handel, aber auch die Gastronomie profitieren können. Ursprünglich habe ich eine Ausbildung zum Hotelfachmann absolviert und war zuletzt selbstständig als Agentur „Soul Events & Marketing“, für die Vermarktung von Luxus-Tourismus. Ich wollte aber wieder mehr in Mainz machen und habe mich daher vor etwa einem Jahr auf die Stelle beworben.

Welche Fragen treiben das Citymanagement um?
Die Digitalisierung ist ein Thema – Amazon, Zalando etc. – da kommen wir nicht gegen an. Daher müssen wir uns fragen: Wie gehen wir damit um? Ein anderes Thema sind Leerstände, die nehmen wieder zu. Was machen wir damit? Wir sehen es zum Beispiel an großen Kaufhaus-Ketten, die ihre Konzepte schon lange hätten ändern müssen. Wie wollen wir Innenstadt gestalten? Was erwartet der Besucher? Da geht es nicht nur um Events in der Stadt, um einen schnellen Rubel zu machen, sondern wir müssen strukturell herangehen: Wie schafft man den Link zwischen globalen Themen und Themen, die den Einzelhändlern zugutekommen? Das sind unsere Fragen.

Der Einzelhandel darbt vor allem seit Corona weiter vor sich hin. Wo drückt der Schuh aktuell am meisten?
Der Lockdown war eine Katastrophe. In Mainz hatten wir zum Glück bisher kaum Geschäftsaufgaben. Es gibt sogar Gastronomen, die machten wegen der erweiterten Außenbereiche das Sommergeschäft ihres Lebens. Jetzt aber steht der Winter an und das Weihnachtsgeschäft – das ist für viele Händler der Umsatzbringer überhaupt. Auch der Weihnachtsmarkt wäre wichtig, für alle, die ganze Innenstadt. Natürlich ist der Umsatz zurückgegangen und die Kauflust hat abgenommen, auch durch die Flächen-Begrenzungen. Da kann man wenig machen, außer mehr ins Online-Geschäft zu gehen, einen Webshop vielleicht. Das ist aber nicht das Allheilmittel für alle.

Du hast selbst Unterstützungs-Angebote aufgebaut in den letzten Monaten?
Es gibt von der VRM und der Werbegemeinschaft zum Beispiel #heimatschatz – ein local marketplace. Ich habe dazu #mainzgebracht, einen local delivery service aufgebaut. Wir helfen so Einzelhändlern, die über Social Media oder Online-Shops ihre Produkte präsentieren, sammeln die Produkte ab, lagern sie ein und senden sie direkt an die Käufer. Das haben wir von März bis Juni mit freiwilligen Helfern gemacht. Für Wirth den Kinderladen haben wir fast 200 Sendungen am Tag verschickt. Für die Zukunft sind wir dabei ein City Hub zu entwickeln, also ein Vorlauf-Projekt für einen möglichen City-Logistiker in Mainz, der auch auf der neuen Lu angedacht ist.

Die neue Lu kommt. Karstadt ist dicht. Hier startet ihr nun mit dem Projekt „LuLu“ – was hat es damit auf sich?
Wir haben Leerstände und müssen uns überlegen, wie wir damit umgehen. Solange der Leerstand Karstadt also existiert, wird Lulu ein Leerstands-Pojekt auf der Lu sein (www.lulumainz. de). Hier wird es Einzelhandel und Kultur geben, popup- mäßig. Lulu ist der Zwischenname der Immobilie. Die zuständige Projektagentur heißt hier&jetzt und die Macher haben mich als Netzwerker und Impulsgeber, Vermittler und Kommunikator ins Boot geholt.

Wo kommst du her, bist du Mainzer?
Ich bin in Wiesbaden geboren. Mein Vater war hier in den 70er und 80er Jahren als Soldat stationiert und meine Mutter kommt aus Mombach. Aufgewachsen bin ich an vielen Orten, weil wir mit meinem Vater viel herumgekommen sind. Ich habe auch mal eine Zeitlang in Amerika bei Seattle gelebt, also fast die ganze Grundschulzeit, drei Jahre etwa. Meine Jugend habe ich Nierstein verbracht und dann eine Ausbildung im Hyatt als Hotel-Fachmann gemacht. Danach die Event- Agentur in Wiesbaden und zwischendurch war ich in Österreich für eine Hotelkette im Vertrieb tätig. Als meine Frau aber schwanger wurde, sind wir wieder hierher gekommen, um uns niederzulassen.

Du bist auch sportlich aktiv?
Ich bin Basketballer, also schon in meiner Jugend gewesen. Und später bin ich zum ASC Mainz gewechselt in die Herrenmannschaft. Dort bin ich seit einem Jahr Sportvorstand. Um Profi-Basketballer zu werden, hat leider das Talent nicht ausgereicht.

Man sagt du wärst ein umtriebiger Mensch?
Also eine Agenda – auch für das Citymanagement – habe ich schon. Ich mache den Job nun seit etwa einem Jahr. Direkt nach der Start-Phase kam die Pandemie, die viele Projekte über den Haufen geworfen hat. Ansonsten bin ich tatsächlich umtriebig, erweitere gerne mein Netzwerk und bin kommunikativ. Ich improvisiere gerne, was mir in Corona-Zeiten zugutekommt und bin eigentlich immer in Bewegung. Man kann mich auch jederzeit erreichen unter www.mainz-citymanagement. de oder über Instagram.

Wie gehst du persönlich mit Corona um?
Wie für alle Familien ist das eine echte Herausforderung. Urlaubstage gehen für die Kinderbetreuung drauf usw. Zum Glück bin ich zu keinem Zeitpunkt in einem absoluten Corona- Loch gewesen wie viele andere, die gesagt haben: Ich weiß nicht mehr, wie es weitergeht. Und zum Glück hat es auch mit der festen Anstellung geklappt. Wir versuchen also positiv zu bleiben, obwohl wir natürlich alle auch die Schnauze voll davon haben. Ich blicke mit etwas Sorge auf den Winter, auch mit Kindern, da streikt gerne mal die Kita oder es gibt sonstige Erkältungen. Das wichtigste ist aber, positiv zu bleiben.

Was gefällt dir an Mainz und was nicht?
Ich bin durch und durch Mainzer und bin auch mega happy hier. Auch, dass ich den Job machen kann, trotz aller Widrigkeiten. Viele wissen gar nicht, wie schön die Stadt eigentlich ist. Wir sollten viel mehr feiern, was wir haben, statt nur zu meckern. Mainz ist ein Dorf im Stadtgewand. Ich würde mir wünschen, dass wir mehr zusammenarbeiten. Es gibt so viele unterschiedliche Initiativen und Akteure, da könnte mehr Zusammenhalt und Kooperation stattfinden. Das war durch Corona eine Zeitlang so, aber ist auch teils wieder abgeebbt. Was ist der Plan für die Stadt und was sind die Herausforderungen? Da müsste man noch mehr gemeinsam schauen, zusammenrücken und vor allem ins Handeln kommen.

Interview David Gutsche Foto Jana Kay

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