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Geschäft des Monats: Rock ‘n’ Road (Gaustraße)

Text: Nora De Lon
Fotos: Tessa Bischof

Wo einst in kühler Fliesenoptik die Fettspritzer der Dönerbude prangten, ziert heute eine Holzverkleidung samt altem rostigen Werkzeug die Wände. Aus den Boxen schallt keine morgenländische Musik mehr, sondern stattdessen ein näselndes „Bitte, bitte sag nicht nein, ich möchte heut‘ dein Boyfriend sein“ – die Rede ist nicht von einer Heimwerker-Schlager-Disco, sondern von der neusten 50ies-Adresse in Mainz: Unter dem Motto „50’s style clothing, accessoires, music & more“ betreiben die beiden langjährigen Freunde Andreas Kuhlen und Benjamin Huth in der Gaustraße 26 ihren kleinen, aber feinen Laden. Seit Mitte März können Rockabilly- und Oldtimer-Fans dort alles im Stil der 50er-Jahre erwerben: ob Petticoat von „Lillys Wunderland“, dunkle Latzhosenjeans von „Rumble 59“, Pin-Up-Shirts von „King Kerosin“ oder CDs, Blechschilder und die obligatorische „Schmiere“ alias Haarpomade. Doch nicht nur die Verkaufsware ist vom Stil der fünfziger Jahre geprägt, auch das Geschäft selbst ist ein einziges Sammelsurium an Retroschick: Dekoelemente wie ein nostalgisches Röhrenradio oder die alte Registrierkasse schmücken das schmucke Lädchen und offenbaren eine inhabereigene Liebe zum Detail. „Für die drei Cocktailsessel bin ich sogar bis in den Ruhrpott gefahren“, meint Andi und bestätigt so die Menge an Herzblut, die die beiden in ihr Geschäft investieren.

Laden als Lebenseinstellung

„Rock ‘n’ Road“ – der Name ist Programm: Denn neben jeder Menge „Rock“ kommt auch das „Road“-Motiv nicht zu kurz: Vespa-Uhren, Oldtimer-Bobby Cars für das jüngere Klientel oder Mechaniker-Schiebermützen sind im Sortiment. Die auf den ersten Blick doch etwas ungewöhnlich anmutende Ladensymbiose kommt nicht von ungefähr: Andi ist gelernter Zweiradschlossermeister und schraubt nebenbei an alten Vespas herum. Der angehende Bauingenieur Benny hingegen trägt am liebsten eine prachtvolle Elvistolle und kurvt in seinem alten petrolfarbenen 67er Ford Taunus durch die Gegend. „Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht. Unser Laden verkörpert unsere Lebenseinstellung“, erklären die beiden das aus einer Bierlaune heraus entstandene Konzept. Fürs erste ist die Geschäftsidee noch als Nebenverdienst gedacht, weshalb die Öffnungszeiten (Donnerstag und Freitag von 11-19 Uhr, Samstag von 10-16 Uhr) noch etwas abenteuerlich sind. „Langfristig ist aber geplant, dass das unser Fulltimejob wird“, so Andi. „Mal gucken, wie die Resonanz im ersten Jahr ist“, fügt Benny hinzu. Bisher kann sich das Duo jedoch nicht beklagen: durch Werbung in diversen Fachzeitschriften kommen die Leute meist sehr gezielt ins „Rock ‘n’ Road“. „Wir hatten schon Kunden aus Aschaffenburg oder Darmstadt, die extra unseretwegen nach Mainz gefahren sind“, erklärt Andi nicht ohne Stolz. Aber auch Laufkundschaft, vor allem Touristen, die zuvor den Stephansdom bewundert haben, verirren sich ab und an in das skurrile Lädchen.

Jeans und Petticoats

Und wie aufs Stichwort erscheinen sogleich zwei Pärchen: Die einen stöbern schüchtern und etwas ziellos und erstehen schließlich eine mintfarbene Vespa-Uhr für „Opi zum Geburtstag!“, die anderen – er im hellblau-roten Bowlinghemd, sie mit farblich abgestimmtem Cocktailkleid, Handschuhen bis zum Ellenbogen und roter 50ies-Sonnenbrille – prüfen fachmännisch das Jeanssortiment und die Petticoatauswahl. Schließlich verschwindet die Dame in der Umkleidekabine und erscheint in rot-weißer Vichy-Bluse und einer bis zum Bauchnabel hoch geschnittenen Marlenehose: „Mein Weihnachtsgeschenk ist gesichert!“, freut sie sich – Andi und Benny scheinen Ähnliches zu denken: Sie stehen hinterm Tresen und grinsen vergnügt. Rock ‘n’ Roll-Musik dröhnt aus den Boxen, die alte Kasse scheppert und für einen kurzen Moment fühlt man sich wie in einer anderen Zeit.

www.rocknroad-mainz.de