| | Kommentieren

Gastro-Tipp: Marlene Weinbar (Gaustraße 47)

Vera Kohl steckt nach wie vor voller Ideen. Ihr Einstieg in die Gastroszene vor fünf Jahren mit dem Café „Dicke Lilli, gutes Kind“ war nicht nur für die Gaustraße eine Erfrischungskur. Inzwischen siedeln sich viele Szenetreffs entlang der steilsten Meile von Mainz an und auch für die dynamische Seiteneinsteigerin, die ihre Café- Leidenschaft in London entwickelt hat, macht der Erfolg Lust auf mehr: „Wir haben in den letzten fünf Jahren so viele Erfahrungen gesammelt, dass ich unser Konzept auf den Abend ausweiten wollte. Aber in der Lilli, mit der verspielten Kaffee-Atmosphäre und dem ganzen Porzellan, hat es einfach nicht funktioniert.“ Da musste schon der Zufall helfen. Im Nachbarhaus kam es zu einem Besitzerwechsel. Für den einstigen Dönerladen Ali Baba bedeutete es das Aus und für Vera Kohl die Chance, etwas Neues auszuprobieren.

 

Marlene Dietrich als Inspiration

Eröffnung war am 7. Juli 2016 mit „Marlene“. Und so wie Lilli Palmers Buch „Dicke Lilli, gutes Kind“ Pate stand für ihr Traumcafé, so fiel die Wahl für die kulinarische Schwester schnell auf Marlene Dietrich. Ein bisschen verrucht, ein bisschen glamourös – genug Inspiration jedenfalls für die Einrichtung einer Weinbar, die mit Vintage-Lampen, weißem Marmor, Messing und Samt eine elegante Wohlfühl-Atmosphäre schafft. Dietrichs größter Erfolg „Der blaue Engel“ lässt farblich grüßen, und ihr berühmtester Hit „Lili Marleen“ ist zugleich das Bindeglied für die schmucken Schwestern. „Ich muss dabei unbedingt dem Bauamt danken, dass wir die beiden Gebäude, obwohl sie unterschiedlichen Besitzern gehören, über einen Durchbruch miteinander verbinden durften“.

Kulinarische Weinbegleiter

Zu jazzig-loungiger Hintergrundmusik serviert Vera klassische Weinbegleiter, ob Spundekäs, Rote Bete Carpaccio oder Vesperplatten und nicht zu vergessen jede Menge Dinnele, die sie Dandies nennt, und die allesamt auf alte Marlene-Dietrich-Filme anspielen. „Die rote Lola“ etwa wird mit Grillgemüse, Kirschtomaten und Rosmarin belegt, „Die Abenteurerin“ mit Schmand, Kartoffeln, Roastbeef und Rucola. Leicht, lecker und löblich: Denn alle Dinnele gibt es in großer und kleiner Ausfertigung zu Preisen von 5,80 bis 12,90 Euro.

Bei der Weinauswahl arbeitet Vera Kohl mit dem Webshop „Geile Weine“ zusammen und wählt auch hier bei den Formulierungen ein etwas anderes Konzept. Der Grauburgunder beispielsweise wird als „saftig, rund und sexy“ bezeichnet, der Sauvignon Blanc schmeckt „knackig, lebendig, exotisch“. Immerhin bietet sie rund 40 offene Wein an, zum Großteil aus der Region. Die Preise sind moderat, die meisten Flaschenpreise liegen unter 20 Euro. Hinweis für Biertrinker: Es gibt u.a. Tegernseer Hell, Wulle Bier, Eulchen und Kuehn Kunz Rosen.

Marlenes Takeover

Ab Oktober will Vera die beiden Schwestern Lilli und Marlene enger zusammenführen. „Wir werden die Lilli donnerstags, freitags und samstags dezent umdekorieren mit mehr Kerzen und weniger Kaffee, dann bekommt Lilli Besuch von Marlene, sozusagen ein kleines Takeover“. Winetasting bei Lilli also mit unterschiedlichen Themenabenden, das ganze unkompliziert, unkonventionell und mit viel Understatement, so stellt es sich die Gastronomin vor. Beiden Lokalitäten, ob Weinbar oder Café, sieht man nach wie vor die Leidenschaft an, aber auch die Sorgfalt im Detail, mit der Vera ihre Ziele umgesetzt hat: „Ich wollte etwas aufmachen, in dem ich mich auch selbst wohlfühle.“ Und den Geschmack der Gäste hat sie getroffen. Wer die Lilli oder Marlene besuchen will, sollte möglichst vorher reservieren.

Text Michael Bonewitz  Portraitfoto: Daniel Rettig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.