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Gastro-Nachbarn in der Rheinallee: EO und Onkel Oskar

Gleich zwei gastronomische Hotspots, die neugierig machen, locken in die Rheinallee 32 & 26 zwischen Frauenlobstraße und Feldbergplatz – keine 50 Meter auseinander. Ein echter Knüller für alle Feinschmecker ist das EO, das eine lateinamerikanische Fusions-Küche anbietet und sicher zu den derzeit spannendsten Gastro-Treffs von Mainz gehört. Hier kocht Sebastian Koutek mit seiner Frau Paula Poblete und befreundeten Spitzenköchen aus Chile. Was auf den Teller gezaubert wird, das ist in dieser Preisklasse nahezu einzigartig. Koutek, gebürtiger Mainzer, hat in Chile Gastronomie studiert. Gewirkt hat er u.a. beim Sternekoch Frank Buchholz.

Kreative Küche mit Experimentierfreude

Sein Konzept ist ebenso schmackhaft wie ungewöhnlich. Mittags bietet er ein Menü für 9,50 Euro an und nachmittags ab 14.30 Uhr Kaffee & Kuchen mit Köstlichkeiten. Die bereitet u.a. seine Frau zu, die aus der Patisserie kommt. Wer sich auf das kulinarische Abendprogramm einlässt, erlebt eine kreative Küche mit Experimentierfreude. Mittwochs und donnerstags gibt es Tapas-Abende mit etwa sechs Gerichten, jeweils um die 6 Euro pro Gang. Wer mag, wählt sich seine Tapas aus. Hungrige können auch alle sechs Gänge für rund 35 Euro nach und nach zu sich nehmen. Es lohnt in jedem Fall, denn jedes Gericht ist eine kleine Komposition mit unterschiedlichen Komponenten. Was auf den Tisch kommt, entscheidet der Koch meist erst am Tag selbst, je nachdem, was der Markt hergibt. Freitag und Samstag wartet ab 18.30 Uhr ein 3-Gänge- Dinner-Menü auf den Gast und auch hier wird Kreativität großgeschrieben. Die Küche spielt mit allen Sinnen und vielen Aromen, frischen Kräutern und scharfen Noten, mal vegetarisch, mal Fisch, mal Fleisch —kurzum: optische und geschmackliche Leckerbissen.

Lateinamerika mit kulinarischem Potenzial

Koutek, dessen Mutter Chilenin ist, sieht sich mit seinem Team noch in der Aufbauphase. Eineinhalb Jahre haben sie das Restaurant in der Rheinallee umgebaut und erspüren gerade in der lateinamerikanischen Küche großes Potenzial: „Wir haben in Chile die spanisch-portugiesisch-europäischen Einflüsse, die asiatischen und die mittelamerikanischen – diese Mischung macht den Reiz aus.“ Er kommt zu jedem Gast an den Tisch und erzählt die oft persönlichen Geschichten hinter den Gerichten. Wer sich übrigens fragt, woher der Name EO kommt? Das Wort stammt aus der Einheimischen-Sprache der Rapa Nui, der Osterinsel, die zu Chile gehört, und heißt so viel wie „Der wohlriechende Duft“.

Vinothek wird zur Weinbar

Wer noch Lust auf einen Schluck Wein für später hat, geht keine 50 Meter weiter entfernt in die Weinbar Onkel Oskar. Das Gebäude gehört den Nachfahren des legendären Mainzer Musikers Heinz Hillenbrand, der u.a. als singender Kellermeister auch auf vielen Fastnachtssitzungen mit seinen Weinliedern für Stimmung gesorgt hatte. Schwiegersohn Sven Hillenbrand-Weisheit betreibt hier schon seit vielen Jahren die Vinothek „Traubenglück“. Da er zwar Weine verkaufen, aber mangels Lizenz keine Weinproben machen durfte, plante er die Vinothek zur Weinbar um. Fast ein Jahr zogen sich die Bauarbeiten hin. Die Möbel sind überwiegend selbst gezimmert, teils aus Regalbrettern, Stangen und Holzpaletten. Aus leeren Flaschen wurden Lampenschirme. Entstanden ist eine kleine, gemütliche Weinbar. In Erinnerung an Oskar Hillenbrand, der hier einst lebte und als Mann in Frauenkleidern in den 50er Jahren als Unikum galt. Geboten werden vor allem Weine aus Rheinland- Pfalz mit klarem Schwerpunkt auf Rheinhessen. Rund 100 Weine sind im Angebot darunter 30 im offenen Ausschank. Darunter viele Jungwinzer, aber auch bekannte Weingüter wie etwa Lisa Bunn, Thörle oder Gres.

Feinkost trifft Onkel Oskar

Für die kulinarische Note hat sich Sven Weiseit Unterstützung ins Boot geholt, und zwar die Betreiber von Feine Kost Bodenheim, die kurzerhand ins Onkel Oskar umgezogen sind: Lisa Triller und Matthias Arnold. Saucen, Dips, Aioli und diverse Butterspezialitäten – alles hausgemacht. Dazu kommen kleine aber feine Gerichte, herzhafter Käse, saisonale Chutneys, gegrilltes und eingelegtes Gemüse, eine köstliche Salsiccia piccante, ein Büffelmozarella aus einer Käserei in Offenbach oder diverse Focaccia und auch mal eine hausgemachte Gazpacho. Die Weinbar lässt sich auch für private Feiern buchen, und immer mal wieder lädt Onkel Oskar zur Big Bottle Party oder zu anderen weinseligen Anlässen ein.

Text Michael Bonewitz Fotos Daniel Rettig

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