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Das sensor 2×5-Interview mit Perla Londole (Black Lives Matter Deutschland)

Du bist die Gründerin der Black Community Foundation (BCF). Wie kam es dazu? Meine Freundin Nadia Asiamah und ich haben nach dem Mord an George Floyd am 6. Juni Silent Demos mit 1.500 Menschen angemeldet und bei Instagram zu Protesten aufgerufen – sie in Stuttgart, ich in Mainz. Deutschlandweit sind dann über 200.000 Menschen auf die Straße gegangen und da war mir war klar: Dieses Engagement muss man weiter nutzen, damit die Lage für Schwarze sich nachhaltig verbessert. Als Verein können wir uns besser organisieren, uns abstimmen und mehr erreichen.

Was will die BCF erreichen?
Wir wollen auf Rassismus gegen schwarze Menschen aufmerksam machen und ihn bekämpfen; uns als deutsche Black Community aber auch untereinander solidarisieren und gegenseitig unterstützen. Wir erklären uns untereinander unsere Probleme, zeigen uns aber zum Beispiel auch, welche schwarzen Kulturproduktionen wir gerade unterstützen können.

Wie weit seid ihr im Gründungsprozess?
Die Satzung ist fertig und die Genehmigung des Vereins so gut wie sicher. Aber wir machen uns noch Gedanken darüber, wie wir uns selbst definieren. Zur deutschen Black Community gehören viele verschiedene Interessen aus verschiedenen Städten. Deshalb ist eine unserer größten Baustellen unsere offizielle Forderungsliste. Man kann uns mit einer großen Firma vergleichen: Jede Abteilung hat ihren eigenen Fokus, der für die anderen Teams nicht unbedingt sofort klar ist. Aber letztlich arbeitet man an einem gemeinsamen Ziel.

Welche Aktionen habt ihr noch geplant?
Wir arbeiten an einigen Projekten, zu denen ich aber noch nicht zu viel verraten kann, außer: Eine große Demo gehört definitiv dazu. Außerdem sind viele kleinere Veranstaltungen geplant, Podiumsdiskussionen mit Betroffenen und Spendenaktionen. Wegen Corona mussten wir das meiste leider aufs nächste Jahr verschieben, aber unsere Instagram-Talks mit schwarzen Künstlern laufen weiter und wir dokumentieren dort auch weiterhin Fälle von Rassismus. In Mainz wird es eine Ausstellung zu Rassismus-Opfern aus Deutschland geben, in der wir über Oury Jalloh und andere informieren, über die man viel zu wenig weiß und hört. Und die Aufklärungsarbeit, die ich gerade schon an Schulen leiste, wird auch ausgebaut.

Wie können die Mainzer Euch unterstützen?
Seit Juni gibt es jeden Sonntag um 17 Uhr vor dem Dom eine Black-Lives-Matter-Mahnwache. Wer mithelfen will, gegen Rassismus in Deutschland vorzugehen, kann dort hinkommen und mitdemonstrieren. Als Verein freuen wir uns auch über Spenden. Außerdem können die Leute uns bei Instagram liken und unsere Beiträge in Social Media teilen.

Was machst du, wenn du dich gerade nicht für die BCF engagierst?
Ich studiere in Mainz Jura, das beansprucht natürlich viel Zeit. Außerdem habe ich einen Studentenjob und einen You- Tube-Kanal, der mit der BCF nichts zu tun hat. Und Sport ist mir wichtig: Ich spiele Basketball und trainiere regelmäßig im Fitnessstudio. Natürlich treffe ich mich auch gern mit Freunden und meiner Familie. Ich bin Tochter und Schwester, das ganze Programm. Und ich lese und schlafe auch gern.

Wie bekommst du alles unter einen Hut?
Ich muss mich mittlerweile sehr gut organisieren und trotzdem auch öfter mal Abstriche machen. Als wir die erste Silent Demo angemeldet haben, habe ich überhaupt nicht vorausgesehen, was da auf mich zukommt. Viele nennen mich jetzt das offizielle Gesicht der Black-Lives-Matter-Bewegung in Deutschland und ich entscheide nicht nur in letzter Instanz alles für den Verein, sondern bekomme auch sehr viele Anfragen von Journalisten und Veranstaltern. Mittlerweile hilft mir eine Freundin beim Abarbeiten meiner Nachrichten und ich versuche mir, meiner Gesundheit zuliebe, auch ab und zu etwas Ruhe zu gönnen.

Was passiert auf deinem eigenen YouTube-Kanal?
Ich interessiere mich für Motivational Speaking und wollte das einfach gerne ausprobieren. Also Reden halten, um ein Publikum zu motivieren oder zu inspirieren. Solche Redner können versuchen, ihr Publikum herauszufordern oder zu transformieren. Anderes dreht sich darum, wie man sein Studium gut übersteht. Manchmal werde ich zwar als Influencerin bezeichnet, aber eigentlich habe ich es darauf nicht abgesehen. Ich will nicht den Eindruck vermitteln, dass ich mich nur für den Fame für schwarze Deutsche einsetze.

Bist du im Alltag oft mit Rassismus konfrontiert?
Eigentlich würde ich „nein“ sagen, aber wenn ich darüber nachdenke, habe ich wahrscheinlich gelernt, viele kleine Dinge einfach nicht mehr ernst zu nehmen. Dass jemand in böser Absicht rassistisch ist, passiert meiner Meinung nach wirklich selten. Unbewusster Rassismus ist aber schon häufiger, zum Beispiel hat sich letztens ein Journalist gewundert, dass ich nicht in einer Sozialwohnung wohne. Ich glaube trotzdem, dass die Leute in den letzten Jahren sensibler für das Thema geworden sind. Vor allem in der Schule war es für mich und meine Geschwister hart. Wir wurden beim Spielen oft ausgeschlossen. Im Gegensatz dazu fühle ich mich im Moment schon sicherer.

Das heißt, generell fühlst du dich in Mainz wohl?
Auf jeden Fall. Im Vergleich zu vielen anderen Städten, in denen die BCF aktiv ist, ist Mainz relativ klein. Aber ich denke, es ist trotzdem eine offene, coole Stadt, was bestimmt auch mit den vielen Studenten zu tun hat. Ich bin auch in der Nähe von Mainz aufgewachsen und es war mir von Anfang an klar, dass ich hier studiere und nicht in Frankfurt oder Wiesbaden. Außerdem bin ich einfach sehr gern am Rheinufer.

Interview Anna Huber Foto Jana Kay

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