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Das große Gedrängel – Streit ums Mainzer Marktfrühstück

Eins galt das samstägliche Marktfrühstück als Geheimtipp unter Mainzern. Gemütlich über den Markt schlendern, frühstücken und mit ein oder zwei (oder auch mehr) Wein-Schorlen ins Wochenende starten. Erheitert und mit Einkäufen bepackt wankte man danach Hause oder gleich weiter ins Stadion zu den 05´ern.

Und alle profitierten: Die Marktbeschicker freuten sich über neue Laufkundschaft, die Weinstände über sprudelnde Einnahmen und die Stadt feierte ein gelungenes Marketing. Doch inzwischen würde so mancher die gerufenen Worscht und Woi-Geister gerne wieder einfangen. Aus dem Geheimtipp ist längst ein Mainstream-Event geworden, das Woche für Woche die Massen anlockt.

Müll und Mengen

Bei gutem Wetter strömen tausende Besucher auf den Domplatz. Ein Drittel reist inzwischen aus dem Umland an. „Das hat mit dem ursprünglichen Marktfrühstück wenig zu tun, inzwischen ist das ein Vollversorgungs-Treffen“, sagt Horst Hünerkopf von den Mainzer Winzern. Spielte sich das Marktfrühstück vor ein paar Jahren noch hauptsächlich am Liebfrauenplatz, rund um den Weinstand der Mainzer Winzer ab, breiten sich die Weintrinker und Picknicker inzwischen längst in Richtung Fischtorstraße, Gutenberg- Museum und Blumenbeete aus. Viele Besucher bringen sich Lebensmittel und Wein gleich selbst mit und picknicken im großen Stil. Manche bauen sogar Tische auf.

Die Folge: Immer mehr Müll sammelt sich an. Anwohner fühlen sich belästigt. Zudem verstopfen die Menschenmassen die Wege zu den Marktständen, so dass Betreiber über Einbußen bei den Einnahmen klagen. „Samstags ab 11 Uhr sind vor allem Teile des Grünmarktes vom Markt abgeschnitten“, sagt Michael Kaiser, Sprecher der Marktbeschicker. Viele klassische Marktbesucher würde der Andrang inzwischen sogar abschrecken. Auch Martin Lepold, Chef der Mainzer Werbegemeinschaft, ist wenig begeistert. Die Läden in der Umgebung würden darunter leiden. „Hier muss Abhilfe geschaffen werden. Schließlich ist Samstag der wichtigste Tag für uns Ladeninhaber.“ Er fordert, das Marktfrühstück nur noch alle zwei Wochen zu veranstalten.

Ärger gab es zudem mit dem Gutenberg- Museum. Im letzten Jahr konnten Besucher des Markts noch die Toiletten im Museum nutzen. Diese Abmachung gilt nun nicht mehr. Es sei immer wieder zu grenzwertigen Begegnungen und Vorfällen mit alkoholisierten Besuchern gekommen. Teilweise wurden Führungen gestört. Jetzt müssen Besucher auf öffentliche Toiletten ausweichen, zum Beispiel in der Grebenstraße, Heugasse, oder unter dem Schuhhaus Buttler.

Hoffen auf Besucherrückgang

Stadt, Marktbeschicker und Winzer wollen nun gemeinsam Lösungen finden, wie man den Besucheransturm meistern kann. So soll die Zu- und Abfahrt der Marktwagen optimiert werden und die Winzer stellen eigene Müllbehälter auf. Die größte Hoffnung ist jedoch, dass der Besucheransturm nachlässt, wenn wieder mehr Außen-Gastronomie aufmacht und Events wie die Mainzer Weintage einen Teil der Besucher absorbieren. Auch Ingelheim führt jetzt ein Marktfrühstück ein. Vielleicht zweigt das ein paar Besucher aus Heidesheim oder Wackernheim ab.

„Zu Beginn der Saison strömen die Leute nach draußen“, sagt Sigrid Lemb-Becker, Vorsitzende der Mainzer Winzer, „da konzentriert sich alles aufs Marktfrühstück.“ Auch die Stadt sieht das so. Im April sei bereits ein Rückgang der Besucherzahlen zu verspüren gewesen, glaubt Wirtschaftdezernent Christopher Sitte. Der Dialog mit den Winzern bleibe aber erhalten. „Wir freuen uns, dass die Menschen zum Marktfrühstück kommen, dennoch müssen wir ständig daran arbeiten, die Abläufe zu verbessern“. Anfang Mai trifft sich die Gesprächsrunde erneut, um Bilanz zu ziehen und weitere Maßnahmen zu erörtern.

Nicht weitersagen: Das Mainzer Marktfrühstück findet noch bis zum 18. November immer samstags auf dem Liebfrauenplatz jeweils zwischen 9 und 16 Uhr statt.

von Florian Barz (zu Teilen aus der Allgemeinen Zeitung), Foto: Sascha Kopp

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