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Zwischen Blitzableiter und Biotonne: 30 Jahre Mainzer Umweltladen

Das Tor zum Umwelt(ge)wissen

Die Umweltberatung gehört zu den Pflichten aller deutschen Städte und Kommunen. Sie soll es Bürgern erleichtern, möglichst schonend mit Mutter Natur umzugehen. Nach und nach entstanden Umweltinformationszentren in vielen deutschen Städten. Im ländlichen Raum gibt es nach wie vor nahezu keine. Die Nachfrage sei dort zu gering, als dass sich das lohne, so Thomas Strack, Abteilungsleiter beim Entsorgungsbetrieb Mainz, der den Umweltladen in der Steingasse 3-9 mitkoordiniert. Lohnt es sich denn in Mainz? Wir werfen einen prüfenden Blick hinein.

Ursula Kunze (li.) und Nadine Cyrannek schmeißen den Laden

Beratung und Räumlichkeiten
Als Mitarbeiterin am Tresen sitzt oder steht hinter der Plexiglaswand Ursula Kunze. Sie ist beim „Wirtschaftsbetrieb Mainz“ angestellt. Leidenschaftlich und fachkundig betreut sie am Sommertag unseres Besuchs die Ausstellung „Mainzer Friedhöfe“, mittlerweile die neue Ausstellung zur „Biotonne“, die noch bis Ende Oktober zu sehen ist. Aus dem hinteren Büro wird sie von Nadine Cyrannek unterstützt. Inhaltlich bringt sich auch das städtische Grün- und Umweltamt mit ein, allerdings ohne Geld oder Personal. Ein Kunde verlangt nach zwei bis drei Packungen „Larvizid“-Tabletten, zur Bekämpfung von Stechmückenlarven in seinen Regentonnen. Je eine Packung davon ist erhältlich und gratis. Eine ist ihm aber nicht genug, denn er zahle schließlich jede Menge Steuern an die Stadt und habe folglich das Recht auf mindestens zwei. Außerdem sei es sinnlos, seine Frau oder einen Freund morgen zum Laden zu schicken, um so an die zweite und dritte zu kommen. Dennoch erhält er kein zweites Exemplar. Da sind die Mitarbeiter im Laden manchmal schlichtweg Blitzableiter. Zu ihren weiteren Aufgaben zählen die Energie- und Photovoltaikberatung sowie die Entgegennahme von Meldungen wilden Mülls und Verunreinigungen aller Art. Per Mail oder Telefon übernehmen oft das Ordnungsamt und der Entsorgungsbetrieb bzw. die „Umweltstreife“ das weitere Vorgehen. Gruppen und Initiativen erhalten darüber hinaus Raum für Seminare und Treffen, jedoch erst nach Ladenschluss. Einzige Bedingung: Eingetragene Vereine müssen dahinterstehen, keine Privatpersonen. Auch Schulklassen sind willkommen.

Kaum Verkauf
„Umweltladen“ klingt nach Shopping, ist aber in erster Linie Information. Bis vor zwei Jahren stand das Kürzel „ui“ hier noch etwas treffender für ein Umweltinformationszentrum. Interessierte erhalten über die kostenlosen „Gelben Säcke“ hinaus Zugang zu allerhand Druckschriften, etwa zur städtischen Biodiversitätsstrategie oder zu Warentests, Abfalltrennung, Biomüll und Recycling. Dennoch sind im Laden auch diverse Produkte erhältlich, von der Miniaturmülltonne für Altbatterien über große stabile Müllsäcke bis hin zu recycelten Taschen aus ehemaligen Uniformen des Ordnungsamtes. Auch lassen sich haushaltsübliche Mengen an Sondermüll im Laden entsorgen, etwa CDs, Elektrogeräte, Batterien, Glühbirnen oder Druckerpatronen. Quecksilberhaltige Röhrenlampen und dergleichen werden nur in Ausnahmefällen entgegengenommen, da ein gesundheitliches Risiko besteht, falls diese zerbrächen. Hierfür sind Wertstoffhöfe und das „Schadstoffmobil“ zuständig. Der Mainzer Umweltladen „kostet“ jährlich übrigens 60.000 Euro plus Personal, so Thomas Strack. Das scheint sich zu lohnen und passt zur grün geführten Koalition und Strategie der Stadt. Wir gratulieren zum Jubiläum!

Text & Fotos Thomas Schneider

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