
Es gibt Geschichten, die schreibt das Leben schöner als jeder Roman. Manchmal fügt sich alles zu einer perfekten Symbiose: der Ort, der Mensch, das Wetter, die Speisen. Dieses Glück hatte ich vor vielen Jahren in unserem schönen Meenz. Ein Blind Date an einem sonnigen Tag im Schatten des Doms – so begann diese Geschichte. Die prickelnde Nervosität begleitete mich auf meinem Weg. Dem Unbekannten sah ich seine Aufgeregtheit auf sympathische Art und Weise an. Willkommen im Club des neugierigen Nervenkitzels, freute ich mich gedanklich. Wie viele solcher Begegnungen hat der Mainzer Dom in seiner über 1000- jährigen Geschichte erlebt, fragte ich mich, als wir dort umher flanierten. Ich legte dabei wie so oft meine Hand auf das ehrwürdige Marktportal. Ich bin überzeugt, das bringt Glück – so auch an jenem Tag. Das Marktportal liegt an der Nordseite. Es handelt sich um ein Säulenportal aus Sandstein, das beim Neubau der Seitenschiffe zum Markt hin um 1200/1210 errichtet wurde. Die Bronzetür, welche ich so gerne anfasse, ist allerdings wesentlich älter, denn Erzbischof Willigis (975–1011) hatte sie bereits um 1000 gießen lassen. Die beiden brüllenden Löwen schienen mir zuzurufen: „Auf geht’s!“ Was dieses Portal in seiner unvorstellbar langen Geschichte wohl alles gesehen haben mag? Dazu wird es irgendwann einen anderen Text geben.

Nun bleibe ich erstmal in dieser Geschichte. An diesem sonnigen Tag herrschte vor dem Dom viel Betrieb, denn es war Markttag. Der nach einigen Minuten nicht mehr ganz Unbekannte und ich schlenderten durch das bunte Marktgeschehen. Mit einem leckeren, frisch gepressten Saft in der Hand bewunderten wir das quirlige, fröhliche Stadtgeschehen. Spontan entschieden wir, einige Leckereien für ein Picknick am Rheinufer einzukaufen. Gesagt, getan – neben „Weck, Worscht und Woi“ gibt es beim Mainzer Markt noch sehr viel anderes zu genießen: frisches Obst, Käse und köstliches Brot. Fast schon auf dem Weg zum Rheinufer wollte der neue Bekannte noch etwas Mainzer Geschichte sehen. Spontan lenkte ich ihn zur Römerpassage, genauer: zum Isis-Tempel.
Das engumschlungene Liebespaar

Ich erzählte ihm unterwegs vom Ursprung: Im Jahre 2000 stieß man bei Bauarbeiten auf Teile eines geweihten Heiligtums der altägyptischen Gottheit Isis und der orientalischen Mater Magna, das im 1. oder 2. Jahrhundert n. Chr. errichtet und vermutlich bis ins 3. Jahrhundert genutzt wurde. Die Überreste des Heiligtums bilden eine der Hauptattraktionen unserer römischen Stadt Mainz alias Mogontiacum. Der Tempel in Mainz ist das einzige ausgegrabene, geweihte Bauwerk der Isis in Deutschland. Höhepunkte dessen sind mehrere Statuetten, darunter eine Venus und ein engumschlungenes Liebespaar. Die Replik dieses Liebespaars findet sich übrigens heute in unserem gemeinsamen Bücherregal. Der Tempel brachte uns Glück – ich kann diesen Ort für ein Date sehr empfehlen. Es herrscht dort eine besondere Atmosphäre, und die Menschen, die sich vor Ort engagieren und gerne etwas zur Geschichte erzählen, sind sehr freundlich. Der Weg ans andere Ufer hätte an diesem Nachmittag nicht schöner sein können. Noch bezaubert von der besonderen Tempelatmosphäre (oder lag es am Marktfrühstück?) überquerten wir gut gelaunt die Theodor-HeussBrücke. Die Brücke verbindet unser Ufer bereits seit 1885 mit dem rechtsrheinischen Kastel. An diesem Tag schien sie uns direkt eine Nachricht zuzurufen: „Es ist so schön hier, kommt unbedingt wieder!“ Wir bewunderten den Ausblick – und der charmante, nicht mehr Unbekannte meinte: „Aha, so einen Ausblick muss man sich merken!“ Ein Picknick am besagten anderen Ufer mit dem schönsten Blick auf unser goldisch Meenz, dazu köstliches Essen…, der Rest ist Geschichte. Mainz, du bist die beste Kulisse für die schönsten Geschichten. Hier nicht zu vergessen: Rechts vom Rhein ist auch noch Mainz – zumindest historisch und in unseren Herzen!
Text: Mina Mainz