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TRON Labor- und Forschungsneubau am Fichtplatz / unimedizin

Die TRON gGmbH plant den Neubau eines Labor- und Forschungsgebäudes. Aus einem Architektenwettbewerb gingen Nickl + Partner (München) als Sieger hervor. Das Konzept sieht einen Labor- und Forschungsneubau mit bis zu 10.800 qm Nutzfläche vor, der auf die angrenzenden Wallgrünanlagen und die gegenüberliegende denkmalgeschützte Fichte-Siedlung „reagieren“ soll und sich in einen Büroriegel sowie einen Laborquader unterteile. So bekommt TRON – eine Ausgründung von Biontech – erstmal ein prägnantes Gesicht in Mainz, allerdings wird in Parknähe auch ordentlich Fläche wie so oft versiegelt.


„Für TRON ist der Forschungsneubau ein weiterer gewichtiger Baustein in der Entwicklung unserer Forschungseinrichtung, um neben unserem bisherigen onkologischen Schwerpunkt neue Komponenten des Immunsystems für den Einsatz in personalisierten Therapien gegen autoimmune oder kardiologische Erkrankungen nutzbar zu machen. Hochmoderne Labore und Büros sowie lichtdurchflutete großzügige freie Räume und Kommunikationszonen laden unsere Mitarbeiter zu kreativen Gesprächen und dem Austausch neuer Ideen ein, aus denen die Konzepte und Innovationen von morgen entstehen werden.“, so der kaufmännische Geschäftsführer Michael H. Föhlings.

„Mit dem Forschungsneubau wollen wir nicht nur neuen Platz für Spitzenforschung schaffen, sondern es soll auch ein attraktives internationales Zentrum für die Aus- und Fortbildung hochtalentierter Doktoranden und Doktorandinnen entstehen. Bei den Überlegungen, wo in Mainz der optimale Standort für ein solches Labor- und Forschungsgebäudes sein könnte, war die räumliche Nähe zur Universitätsmedizin und damit die unmittelbare Nähe zu den Patientinnen und Patienten von zentraler Bedeutung. Wir wollen, dass die Forschung näher an den Patienten heranrückt“, sagte Wissenschaftsminister Clemens Hoch.

„Der jetzt vorliegende Architekturentwurf ist Ergebnis eines detaillierten und vertrauensvollen Abstimmungsprozesses. Dem zweistufigen Qualifizierungsverfahren vorgeschaltet waren intensive Vorabstimmungen zwischen TRON und Stadt, die im Herbst letzten Jahres in einen positiven Bauvorbescheid mündeten. Ich bin überzeugt davon, dass sich der geplante Neubau sehr homogen aber auch repräsentativ in die städtebaulich interessante Ecke einfügen wird. TRON leistet damit einen weiteren großen Beitrag, den Wissenschaftsstandort Mainz nachhaltig zu stärken und weiter auszubauen. Mit dem neuen Gebäude am Fichteplatz in unmittelbarer Nachbarschaft zur Uniklinik entsteht gleichzeitig auch ein städtebaulich attraktives Eingangstor zum Forschungs- und Wissenschaftsstandort Mainz. Wir sind sehr glücklich und auch stolz, dass die TRON gGmbH mit dem geplanten Laborneubau seine Forschungsaktivitäten in Mainz intensiviert“, sagt die Bau- und Kulturdezernentin von Mainz, Marianne Grosse.

Aufgrund ihrer erfolgreichen Forschungstätigkeit und der Patent- und Verwertungsstrategie konnte die TRON gGmbH in den letzten Jahren mehrfach größere Erträge aus Lizenzeinnahmen verbuchen. Ein wichtiger Wirtschaftspartner für das TRON ist dabei Biontech, die mit dem Institut translationale Forschungsvorhaben bestreitet und mit dem das Institut eine Vielzahl von Patenten und Schutzrechten besitzt, die unter anderem bei der Entwicklung des COVID-19-Impfstoffes durch BioNTech zum Einsatz kamen.

Translationale Onkologie (TRON) wurde 2010 als gemeinnützige GmbH an der Universität Mainz von Ugur Sahin, Özlem Türeci und Christoph Huber gegründet. TRON unterstützt vor allem durch den Aufbau neuer Plattformen die Entwicklung von personalisierten Konzepten für die Therapie und für Biomarker zur Bekämpfung von Krebs und anderen schwerwiegenden Erkrankungen. Dadurch soll die Überführung von grundlagenorientierten Forschungsergebnissen in die Entwicklung neuer Arzneimittel und Diagnostika gefördert und beschleunigt werden. 2018 wurde gemeinsam mit dem DKFZ das „Helmholtz-Institut für Translationale Onkologie (HI-TRON) Mainz“ gegründet.

Ob Biontech den Standort für seine Krebsforschung einem Medienbericht zufolge von Deutschland nach Großbritannien verlegen will, ist uns derzeit nicht bekannt. „Die Meldung ist falsch, wir haben um eine Korrektur gebeten. Richtig ist, dass wir in Großbritannien zusätzliche Standorte planen. Dies hat keinen Einfluss auf die Standorte in Deutschland oder weltweit“, sagte eine Biontech-Sprecherin auf Anfrage in der Allgemeinen Zeitung. In Mainz soll im Vergleich zu Großbritannien das Zigfache in die Krebsforschung investiert beziehungsweise an Arbeitsplätze geschaffen werden. Demnach sollen allein in Mainz in den kommenden fünf Jahren rund eine Milliarde Euro in die Errichtung von insgesamt zehn Gebäuden fließen. Vor allem für die Forschung und Entwicklung, aber auch für all das, was man als Verwaltung und Administration bezeichnet. Entsprechend kräftig soll die Mitarbeiterzahl steigen. Wie Biontech seinerzeit erklärte, will man am Firmensitz in den nächsten Jahren rund 5.000 Arbeitsplätze bieten.

ÖDP fordert Fassadenbegrünung statt nacktes Glas

„Das in aktuell in der lokalen Presse als „neuer Ort für Spitzenforschung“ bezeichnete Labor-und Forschungsgebäude der Forschungsgesellschaft TRON ist leider alles andere als ein klimaökologisches Vorzeigeprojekt“, so Ingrid Pannhorst, baupolitische Sprecherin der ÖDP-Stadtratsfraktion. „Dass trotz Beschluss zum Klimanotstand und allen weiteren Beschlüssen bezüglich Klimaschutz und Klimaanpassung unsere Baudezernentin immer noch einen Glaskasten hochlobt, ist schon peinlich.“

Wenn wie geplant künftig im Sommer sich die Sonne in der rundum gläsernen Außenhaut des Gebäudes an der Kreuzung Obere Zahlbacher Straße und Römerlager spiegelt, wird nicht nur den Anwohnern der gegenüberliegenden Fichteplatzsiedlung sondern auch dem ausgedorrten Park eine Extraportion Hitzestrahlung beschert. Auch die Forschenden selbst werden die Klimaanlagen bis zum Anschlag hochfahren müssen, um hinter Glas unter erträglichen Bedingungen zu arbeiten. Im Winter dagegen muss mehr geheizt werden, denn der Wärmeschutz einer Glasfassade liegt selbst bei besten Wärmedurchgangswerten weit unter dem einer gut isolierten Wand.

Was alle längst wissen, scheinen manche Architekten und auch die Baudezernentin noch nicht verinnerlicht zu haben: „begrünte Fassaden heizen sich weniger auf als herkömmliche Fassaden, wodurch sie weniger Wärme an den umliegenden Stadtraum abgeben. Gleichzeitig bewirkt der Verdunstungseffekt der Vegetation eine weitere Abkühlung. Zusätzlich reduziert sich durch den Schattenwurf der Vegetation auf die Hauswand und die Luftschicht im Zwischenraum die Wärmeaufnahme des Gebäudes. Somit kann durch Fassadenbegrünung sowohl der thermische Komfort in den angrenzenden Freiräumen als auch im Gebäudeinneren verbessert werden. Auf Fußgängerniveau ist Fassadenbegrünung in thermischer Hinsicht wirksamer als eine Dachbegrünung.“ (aus „Klimaexpertise zum geplanten Biotechnologiezentrum“, Ökoplana 2022)

Eine Glasfassade ausgerechnet gegenüber den Grünanlagen wirkt sich nicht nur in klimatischer Hinsicht negativ aus. Vögel erkennen Glasflächen nicht als Hindernis. Sie sehen nur die Parklandschaft, die bei Übereckverglasung durch das Glas scheint oder sich darin spiegelt. Dann prallen sie mit hoher Geschwindigkeit gegen die gläserne Front, brechen sich das Genick oder ziehen sich eine tödliche Gehirnerschütterung zu. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr möglicherweise 100 Millionen Vögel durch den Aufprall gegen Glasscheiben (Hochrechnungen der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten, LAG VSW). Das nicht zu vernachlässigende Problem der Lichtemissionen bei nächtlicher Beleuchtung sollte nicht nur aus Vogelschutzperspektive, sondern auch zum Schutz von Insekten bedacht werden.

Ein weitere Gefahrensituation kann sich für Verkehrsteilnehmer durch eine Blendwirkung an der vielbefahrenen Kreuzung ergeben: „Glasfassaden sind Konzepte von gestern, die wir uns heutzutage nicht mehr erlauben können. Wir fordern Baudezernentin Grosse auf, ihr inzwischen erworbenes Wissen um Bauen im Klimawandel endlich umzusetzen und auf die Bauherrin einzuwirken, den Entwurf überarbeiten zu lassen“, so Pannhorst von der ÖDP abschließend.

2 Kommentare “TRON Labor- und Forschungsneubau am Fichtplatz / unimedizin

  1. „Ich bin überzeugt davon, dass sich der geplante Neubau sehr homogen aber auch repräsentativ in die städtebaulich interessante Ecke einfügen wird. “

    Tatsächlich?
    Da sind ein Park und historische Gebäude, dazu eine homogenität zu einem Glaskasten zu sehen muss man schon viel Phantasie haben. Bei dem verranzten Parkhaus dahinter könnte ich die Aussage schon eher nachvollziehen. Aber städtebaulich interessant?

    In dem Artikel klingt vieles stark nach Marketingphrasen.
    Und für mich sieht das eher aus wie ein neuer häßlicher Kasten in der Nachbarschaft, an einem Platz wo ich im Sommer gerne ein Päuschen nach dem Einkaufen mache. Etwas Hoffnung habe ich aber noch – man liest das BioTech nach England möchte.

    1. Da im Gegenzug das wirkliche hässliche Hochhaus im Hintergrund am Augustusplatz verschwindet (abgerissen wird), wird sich in diesem Bereich baulich einiges verbessern und die sogenannte Skyline der UNI deutlich unauffälliger.

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