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„Unverpackt-Läden“ – Naturbewusstes Einkaufen ohne Plastik

Wer durch die Gänge eines herkömmlichen Supermarktes schlendert, entdeckt an jeder Ecke Plastik: Nicht nur Nudeln und Kosmetikprodukte, auch Gemüse und Obst sind in Kunststoff verpackt. Überall auf der Welt werden so Unmengen an Tüten und anderen Stoffen verbraucht. 78 Mio. Tonnen Plastikmüll jährlich. Die Probleme liegen auf der Hand: Plastik ist biologisch nicht abbaubar und landet tonnenweise in Meeren und auf Müllkippen. Mittlerweile wird der Müll sogar an den schönsten Stränden der Welt angespült. Tiere werden dadurch lebensbedrohlich gefährdet und das Gift erreicht über die Nahrungskette wiederum den menschlichen Organismus.

Bewusst konsumieren

Wer Plastik-Konsum nicht weiter unterstützen möchte, kann jetzt auch etwas vor Ort tun. Mit gutem Beispiel gehen mehr und mehr unverpackt- Läden voran, einer davon in der Kurfürstenstraße 49 in der Mainzer Neustadt. Der Laden bietet ein Sortiment von über 400 Bio-Produkten: gentechnikfrei, aus artgerechter Tierhaltung und ökologischem Anbau, von Nudeln über Kosmetik bis hin zur Tiernahrung. Kunden bringen ihre eigenen Gefäße und Behälter zum Einkauf mit. Die werden zum Beispiel mit Hafer oder Müsli gefüllt und gewogen, gezahlt wird der Inhalt. An verschiedenen Ausgabevorrichtungen (Dispenser) kann man sich etliche Lebensmittel abfüllen. Positiver Nebeneffekt: Man kann sich auf die Menge beschränken, die man wirklich benötigt und so auch Lebensmittel-Abfall vermeiden.

Lokale Produzenten unterstützen

„Kleine Manufakturen, kleine Unternehmen. Die sind mir wichtig“, sagt Ladenbesitzer Abdelmajid Hamdaoui. „Die Seife zum Beispiel ist von einem Ehepaar, das seine eigene Produktion hat. Die Cracker kommen aus einer Behindertenwerkstatt.“ Hamdaoui schaut genau woher seine Ware kommt. So findet der Kunde im „Unverpackt“ auch viele regionale Produkte: Apfelsaft und Honig. Eier aus Worms. Milch aus Wiesbaden. Die Herkunft von Tee oder Kaffee lässt sich an Etiketten nachverfolgen. Neben dem „Unverpackt“ betreibt der gebürtige Marokkaner zehn Schritte weiter noch den „BrotPosten“ am Frauenlobplatz. Hier werden Backwaren vom Vortag zu günstigen Preisen angeboten. Nach einiger Zeit fiel ihm auf, dass Kunden immer öfter ihre eigenen Tüten mitbrachten. Als er dann eines Morgens einen Zeitungsartikel über einen Amerikaner las, welcher sein Leben der Umwelt zu Liebe umgekrempelt hat, wurde die Idee von „Unverpackt“ geboren. „Es war 6:30 Uhr. Um 8 Uhr habe ich die Idee meiner Frau erzählt und sie hat nur gesagt: Du hast alles vorbereitet. Der Laden steht schon.“ Seit knapp zwei Jahren gibt es den „Unverpackt“ nun und die meisten Einkäufer sind begeistert. Und auch woanders etabliert sich das Konzept. Mittlerweile findet man Läden nicht nur in den Metropolen, sondern auch in Darmstadt, Heidelberg oder Lorsch. „Die Menschen haben sich an die Idee gewöhnt. Und man freut sich, dass man das Richtige tut“, sagt Hamdaoui, „um vielleicht in ein paar Jahren auch die Enkelkinder spüren zu lassen, dass die Welt ein bisschen besser wird.“

Text: Joke Rink

Fotos: Daniel Rettig

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