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Stadt will Palatin-Kinos anmieten und Bewerberverfahren starten

Die Palatin-Immobilie im Bleichenviertel
wurde an Fischer&Co verkauft, die nun ein neues Kino darin bauen sollen.

Großer Hofstaat bei der Pressekonferenz des Kulturdezernates: Marianne Grosse (SPD) versichert, es werde das menschenmögliche getan, um die Kinokultur in Mainz zu retten – man führe „Gespräche, Gespräche, Gespräche“. Ob das CineMayence mit in ein Filmkunsthaus in der Bleiche komme, sei noch unklar, ebenso wieviel Säle es schlussendlich werden und vieles mehr. Klar sei dagegen, dass die Stadt das Kino vom Investor Fischer+Co mieten will und eine Ausschreibung an potenzielle Kino-Betreiber startet, über die eine Jury entscheiden soll.
Die Capitol- & Palatin-Betreiber üben indes weiterhin Kritik.

Der Stand stelle sich „nach intensiven Gesprächen“ zwischen allen Beteiligten vonseiten der Stadt wie folgt dar:

Am jetzigen Standort des Kinos Palatin in der Hinteren Bleiche wird von Fischer+Co ein Neubau realisiert, in dem weiterhin ein Kinobetrieb vorgesehen ist. Um dies zukunftssicher zu gewährleisten, wird die Stadt Mainz dieses Kino – nach Zustimmung der zuständigen politischen Gremien – als Kulturort anmieten und an (professionelle) Betreiber untervermieten. Dazu wird die Stadt zu gegebener Zeit einen Bewerbungsaufruf veröffentlichen, auf den sich Interessierte bewerben können – eine solche öffentliche Ausschreibung sei eine rechtliche Verpflichtung für Kommunen.

Anhand der eingereichten Bewerbungen soll dann eine Fachjury eine Entscheidung treffen. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass Konzepte sowohl von erfahrenen Kino-Betreibern eingereicht werden, als auch aus anderen Bereichen, z. B. der jungen Filmszene – oder in einer Kombination aus Beidem.

Daneben wurde erreicht, dass Fischer+Co., sich mit den jetzigen Betreibern von Capitol & Palatin zuerst darauf einigten, den Pachtvertrag zu verlängern, um den Fortbestand des Kinos bis zu  Baumaßnahmen zu sichern. Danach hatten sich Fischer+Co. bereit erklärt, im Neubau nicht nur ein Kino zu errichten, sondern auch Räume für das „Alexander the Great“ im Untergeschoss vorzusehen.

Die räumliche Planung und die finale Ausstattung des Kinos liege dabei bei Fischer+Co. Denn: Die Stadt Mainz ist nicht Bauherrin, sondern zukünftige Mieterin. Hier wird die Situation allerdings verfahren, da die Stadt als zukünftiger Mieter ein größeres Interesse an den technischen Aspekten der Säle / des Kinos haben sollte.

Die Kosten für die Ausstattung eines Kinos schätzt Fischer+Co auf rund 2 Mio. Euro, was letztlich auch über den Mietzins für die Stadtverwaltung refinanziert werden muss. Dies sei zwar ein sehr hoher, aber nachhaltig sinnvoller finanzieller Aufwand für eine Landeshauptstadt, zumal ein langfristiger Zeitraum für die Anmietung mit einer Mietdauer z. B. über 20 Jahre angestrebt wird. (Anm. d. Red.: 2 Mio. Euro sind in der Tat ein sehr stolzer Preis, dafür könnte man im Palatin vermutlich schon 13 Säle bestücken.)

Fischer+Co. haben dem Bau- und Kulturdezernat mitgeteilt, dass man beabsichtige, den entsprechenden Bauantrag im kommenden Jahr einzureichen und dass in die Planungen die Expertise von Kinospezialisten einfließe.

Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse: „Die räumliche Umsetzung eines Kinos ist aus bauplanungsrechtlichen und bauordnungsrechtlichen Gesichtspunkten an diesem Standort mehr als komplex. Wir haben daher viele Gespräche mit den Beteiligten aber auch verwaltungsintern geführt, um festzustellen, was letztendlich am Standort realisierbar ist und von welcher umbauten Fläche wir überhaupt ausgehen können.“

Neuer Standort für CinéMayence?
Grosse erläuterte, dass die Stadtverwaltung vor dem Hintergrund der noch nicht feststehenden räumlichen Möglichkeiten am Standort seit Aufnahme der Gespräche mit Capitol & Palatin ebenfalls in einem sehr engen und konstruktiven Austausch mit der AG Stadtkino stehe, die als Verein das kommunale Kino CinéMayence betreibt. Wenn sich kein Platz für das CineMayence in der Hinteren Bleiche finde, steht eine weitere Lösung im Raum, mit einem anderen Kinostandort – möglicherweise an der Lu…

FilmFörderung
Daneben hat das Kulturdezernat zwei neue Kulturpreise im Bereich Film eingeführt: Den „Sonderpreis der Landeshauptstadt Mainz bei FILMZ“, der in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben wurde, und den „Film-Förderpreis“, der gerade gemeinsam mit lokalen Fachleuten aus der Sparte entwickelt wird und zukünftig alle zwei Jahre vergeben werden soll.
Zugleich hat die Verwaltung ab dem kommenden Doppelhaushalt 2023/24 eine Vollzeitstelle als Projektleitung „Film“ beantragt, damit diese Aspekte sowie weitere neue Projekte und Aufgaben innerhalb der Verwaltung betreut werden können.

Vor diesem Hintergrund und in Anbetracht der Planungen für den Kino-Standort Hintere Bleiche will das Dezernat für Bauen, Denkmalpflege und Kultur auch weiterhin einen konstruktiven Austausch ermöglichen, sowohl mit dem neuen Eigentümer als auch mit den jetzigen Betreibern von Capitol & Palatin, dem alle Beteiligten zugestimmt hätten.

Reaktion von Capitol & Palatin
Wir berichteten bereits, dass es knirscht zwischen Kinobetreibern und Stadt, resp Investoren: https://sensor-magazin.de/capitol-und-palatin-betreiber-wollen-hinschmeissen/

Die Kino-Betreiber waren bisher bereit, auf bis zu 23% der Plätze im Palatin zu verzichten und sie konnten sich auch vorstellen, die reduzierte Menge auf drei Säle (statt wie momentan auf vier) zu verteilen – allerdings stets in Kombination mit den 314 Plätzen des Capitols und in der Hoffnung, Platz für das CinéMayence zu schaffen.

Durch die unklare Situation ergebe sich keine realistische berufliche Zukunftsperspektive, wodurch auch das Ende von Capitol&Palatin eingeleitet sei. Die Mitteilung des Dezernats, sie hätten „ausdrücklich versichert, dass das Bespielen dreier Kinosäle umsetzbar wäre“, erscheine vor diesem Hintergrund „zynisch – schließlich war allen Beteiligten bewusst, dass das nur in Kombination mit dem Capitol galt und unter gänzlich anderen Voraussetzungen stand. Außerdem sei von den Sälen nichts bekannt, nicht einmal die Zuschauerkapazität.“

Dazu sei der Filmtheaterbau eine hochspezielle Angelegenheit. Er erfordere bereits in der Planungsphase ein Zusammenspiel dreier Disziplinen: Theaterbau (hauptsächlich für Sitzplatz- und Leinwandkonstruktion), Kinotechnik (die nur mit zertifizierten Geräten operieren darf, die wiederum bauliche Konsequenzen haben) und Architektur. Alle drei Bereiche beeinflussten sich gegenseitig – jedoch sei die Expertise der Betreiber bisher sowohl vom Dezernat als auch von Fischer+Co gänzlich unerwünscht: Trotz mehrmaliger Nachfrage wurde man zu keinem Zeitpunkt in die Planungen integriert.
Die Nerven liegen demnach (weiterhin) blank. Seehuber und Zeiler versteifen sich nicht mehr auf eine berufliche Zukunft in ihrer bisherigen Form.

2 Kommentare “Stadt will Palatin-Kinos anmieten und Bewerberverfahren starten

  1. Capitol ja, unbedingt erhaltenswert, aber Palatin? Im ernst, bei so Miniräume kommt kein Kinofeeling auf, da ist ein Wohnzimmer schöner. Ich verstehe und bedauere di Betreiber, aber der Standort wäre auch nicht ideal, intergrient in einen Wohnhaus sind Probleme vorprogrammiert. (Beschewerden , Lärm, Parkplätze)

    1. Sehe ich anders, gerade der Charme in den kleinen Sälen des Palatin gefällt mir besonders. Und nicht jeder hat ein Wohnzimmer mit entsprechenden Geräten.
      Die Konflikte mit einem Kino in einem Wohnhaus sehe ich aber auch.
      Kann Frau Nessel vom Denkmalschutz nicht mal vorbei schauen? Da werden doch sonst auch absurde Dinge als schützenswert eingestuft.

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