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sensor-Kolumne im März: Dr. Treznok ist auch nur ein Mensch


Seit geraumer Zeit arbeiten Wissenschaftler an der Erfindung eines Supervirus, der so bösartig und ansteckend ist, dass er die gesamte Menschheit ausrotten könnte. Zwischenzeitlich waren die Forschungen eingestellt worden, aus Angst vor Bio-Terroristen. Da es aber seit kurzem keinen Bio-Terrorismus mehr gibt, hat man in dem niederländischen Labor nun die Arbeit wieder aufgenommen.

Man erhofft sich dadurch, einen Impfstoff herstellen zu können, den man dann rechtzeitig zur Hand hat, wenn der Supervirus aus dem Labor entkommen sollte. Solche Meldungen beunruhigen mich, und ich frage mich, warum Menschen so was machen.

Die Züchtung des Supervirus ist ja nicht die einzige Verrücktheit. In den 50er Jahren wurden in der Ionosphäre Atombomben gezündet, um zu sehen, ob danach die Erde noch als Lebensraum für Menschen taugt. Leider konnte der Schutzschild, der die Erde vor kosmischer Strahlung schützt, nicht vollständig zerstört werden, deshalb wurden die Tests bald eingestellt. Seitdem das menschliche Genom entschlüsselt wurde und relativ zuverlässige pränatale Diagnosen möglich sind, ist die Abtreibungsquote bei Trisomie 21 auf über 90 Prozent gestiegen. Gleichzeitig arbeitet man an der Züchtung einer neuen Herrenrasse. In fast allen Staaten wurde die Präimplantationsdiagnostik inzwischen legalisiert. Nun will man die gesetzlichen Grundlagen für die Züchtung von Wesen zwischen Mensch und Tier schaffen. Das klingt gruselig und ist es auch. Machen die Menschen einfach alles, nur weil es möglich ist? Diese Antwort wäre zu einfach. Zum Beispiel wäre es möglich, dass alle Menschen auf der Erde ausreichend mit Nahrung und Trinkwasser versorgt werden. Die benötigten Nahrungsmengen sind vorhanden und die logistischen Probleme leicht lösbar. Auch andere eigentlich gar nicht utopisch anmutende Ideen könnte man schnell in die Tat umsetzen. In der Mainzer Altstadt ist jeder zweite Laden nur deshalb nicht für Rollstuhlfahrer erreichbar, weil ein oder zwei Stufen die Einfahrt verhindern. Jeder drittklassige Hobby-Handwerker könnte rasch und ohne große Kosten ein paar Rampen bauen. Es scheint aber einfacher, ein Marsmobil zu konstruieren, das auf einem fremden Planeten in jeden Winkel fahren kann, als mit dem Rollstuhl zu Pizza-Pepe zu gelangen. Nein, die Menschen machen leider nicht alles, einfach nur weil es möglich ist. Es muss schon verrückt, lebensgefährlich oder sinnlos sein, damit sich Wissenschaft und Forschung damit befassen oder politisch etwas umgesetzt wird. Es hat den Anschein, als wäre alles, was den Menschen nützt und hilft, uninteressant, während völlig irrsinnige Ideen sofort Unterstützung finden. Aber ich selbst bin ja auch nicht besser: ich schreibe seltsame Gedichte, die niemand lesen will, mache merkwürdige Musik, die niemand hören will und sammle Fotos, die niemand sehen will. Immerhin erfinde ich keinen Supervirus, zünde keine Atombomben und versuche nicht, ein schwarzes Loch zu erzeugen, aber vielleicht nur deshalb, weil mir das technische Wissen dafür fehlt. Stattdessen schreibe ich Kolumnen, die letztlich auch nur eine Ansammlung von Verrücktheiten darstellen. Zumindest kann an dieser Kolumne niemand sterben. Sollte sich jemand daran verletzen, möge er mir bitte Bescheid sagen …