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sensor Gastro Tipp: Britts Kwisin (Rheinallee 26)

Brit @ KWISIN November 2014

Text Felix Monsees Fotos Daniel Rettig

Als wir Brit Morbitzer für die letzte März-Ausgabe des sensors als Nebenbei-Mietköchin trafen, ließ sie zwischen den Zeilen durchblicken, dass sie ihren Brotund-Butter-Beruf als Controllerin bei einer Versicherung an den Nagel hängen und den Sprung in die Selbstständigkeit wagen möchte – wenn alles passt. In der Rheinallee 26 passt jetzt alles und Brit hat nun ihren ersten eigenen Laden eröffnet: Kwisin heißt ihr wahrgewordener Mädchentraum, ein Kunstwort, was entsteht, wenn Rheinhessen versuchen, das französische „Cuisine“ auszusprechen.

Frankreich und Rheinhessen ist nicht nur der grobe geographische Rahmen der Namensgebung, auch ihre Rezept-Ideen bewegen sich zwischen diesen Grenzen. In der Kwisin lebt sie ihr Faible für Frankophones, die fünfziger Jahre und deftig-belegte Brote aus: Handkäs-Wasabi oder Rote Bete trifft Fleischwurst heißen die Kreationen, die die Jetzt-Vollzeitköchin auf die frischen Sauerteigbrotscheiben von Holzofenbäcker Oliver Förster aus Hahnheim legt.

Ergänzt wird die Brot-Auswahl durch täglich wechselnde Suppen und Kuchen. Zu trinken gibt es Kaffee, Tee und ein großes Angebot an Getränken, z. B. Craft Beers sowie in unserer Stadt fabrizierte Produkte. Wie bei der Inneneinrichtung, gibt es viele Details zu entdecken: Die Limonade (saisonal mit Kürbis ungewöhnlich verfeinert) ist handgemacht, Teetrinker können ihre Beutel am Samowar immer wieder aufgießen. Kurz nach der Eröffnung befindet sich noch vieles in Bewegung, unter anderem die Preisgestaltung. Die belegten Brote kosten zwischen 2,80 und 5 Euro.

Stullen und Vintage-Möbel

Weil Brit nicht nur Brote schmiert, sondern auch Möbel aus der Ära von Nierentisch, Elvis Presley und Konrad Adenauer sammelt, sitzen die Gäste auf alten Sesseln und Bänken, während sie an ihren Brotrinden knabbern. Wem die Einrichtung von früher gefällt, kann sie gleich mitnehmen, denn die Kwisin ist auch ein Vintage-Möbelgeschäft. Auf der nicht verkäuflichen Anrichte, ein Erbstück, sind edle Gewürze, Kochbücher und weiterer Nippes zum Verkaufen ausgestellt. Zum Mitnehmen oder sofort Essen gibt es selbst gemachte Aufstriche und Marmeladen im Glas. Hingucker ist die Küche, in die lässt sich durch ein Fenster auf dem Weg zu den Örtlichkeiten ein Blick werfen. Und nebenbei läuft auch ihre Catering-Maschine weiter. Ein unterschätzter Standort sei dieser Teil der Rheinallee, sagt die Neu-Gastronomin, deren Café nicht ganz im Kern der Neustadt liegt. „Wenn die Sonne rein scheint und die Bäume Laub tragen, ist es sehr schön hier. Und viele junge Leute kommen vorbei“, beobachtet Brit. Jetzt haben sie auch einen Grund, stehen zu bleiben.

Rezept: Rote Bete-Fleischwurst-Brot (für acht doppelt belegte Brote)

Zutaten: 250 g Rote Bete, 400 g Frischkäse, Salz, Limette, Wasabi, Radicchio, 8 Brotscheiben (Sauerteigbrot bevorzugt), Fleischwurst nach Belieben

Rote Bete in ausreichend heißem Wasser gar kochen. Auskühlen lassen, schälen und mit einer Reibe fein raspeln. Masse in einem Haarsieb etwa eine Stunde abtropfen lassen. Rote Bete mit Frischkäse verrühren und mit Wasabi, Salz und Limette abschmecken. Radicchio-Blätter zupfen, waschen und trocken schleudern. Brotscheiben im Kontaktgrill oder in einer Pfanne ohne Fett rösten. Aufstrich auf die Brotscheiben verteilen und mit Radicchio ausgarnieren. Mit Fleischwurstscheiben belegen und servieren.