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Sechzig und kein bisschen leise: Mr. Flower Power

Mit einem alten London-Taxi, seinem Markenzeichen, reist Rainer Schindler alias „Mr. Flower Power“ zu seinen Konzerten. Auf dem Programm stehen die Hits der 50er, 60er und 70er, die Musik der Hippies – Beatles, Rolling Stones, Beach Boys, Simon and Garfunkel, Bob Dylan oder Cat Stevens – und eigene Songs. Mit Talent zur Parodie meistert Schindler mühelos alle Hits. Aber es ist vor allem seine Authentizität und Energie, mit der er das Publikum von der ersten Sekunde an mitreißt. Sie manifestieren sich auch im Gespräch. „Worum geht es denn im Leben?“, fragt Rainer und fügt hinzu: „doch darum, etwas zu finden, was einem wirklich Freude macht.“

Leuchtende Augen im Jugendclub

„Mr. Flower Power“ hat sein Glück bereits vor 45 Jahren gefunden, als Sänger, Gitarrist und Entertainer. Geboren 1958 in Worms und aufgewachsen in einem kleinen hessischen Ort namens Nordheim, griff er mit zehn Jahren selbst zur Gitarre und begann schon bald mit ersten Soloauftritten in Jugendclubs, auf Vereinsfesten oder Partys. Den ersten Auftritt im Alter von 15 Jahren wird er nie vergessen: „Leuchtende Augen im Saal, auf mich gerichtet. Das war ein so tolles Gefühl, da war man plötzlich wer. Menschen zu begeistern, das ist es, was mich antreibt“, sagt Rainer.

Der Weg zum professionellen Musiker

Die Gitarre blieb sein Begleiter. Mit verschiedenen Bandformationen tourte er durch die Umgebung und gründete 1980 seine eigene Band namens „The Dandys“, bevor er sich 1985 der Showband „Amorados“ anschloss. „Mein Herz hing an der Musik, durch sie hatte ich das Gefühl, frei zu sein.“ Zwei Jahre lang tingelte er mit der Showband von Gala zu Gala im In- und Ausland, traf und begleitete Stars wie Jürgen Drews, Ireen Sheer, Harald Juhnke, Bata Illic oder Andy Borg. Und Rudi Carell holte ihn auch schon mal in seine Fernsehshow.

Zwischen Autobahn und Garderobe

1987 kreierte er seine eigene Comedy Musik Show und hatte als „The Gentlemen“ gemeinsam mit einem Kollegen über 20 Jahre lang großen Erfolg. „Das war eine irre Zeit, ich verbrachte mein Leben überwiegend auf der Autobahn oder in der Garderobe, aber ich möchte keinen einzigen Tag davon missen.“ Auch den Schritt in die „Selbstständigkeit“ hat er nie bereut. „Ich war nun offiziell Künstler, das war etwas anderes, als jeden Abend stundenlang mit einer Band auf der Bühne zu stehen.” Das „Aus“ von „The Gentlemen“ bescherte Rainer 2006 jedoch einen weiteren Neuanfang als Sänger und Gitarrist. Seitdem tritt er mit einem Oldieprogramm solo als „Mr. Flower Power“ oder im Duett mit dem Gitarrenvirtuosen Adax Dörsam als „The Flower Power Men“ auf. Viele Begegnungen sind dem Weltenbummler in Erinnerung geblieben, etwa ein Musiker in Rio de Janeiro, dem er neue Gitarrensaiten schenkte, spontane Sessions mit Straßenmusikern auf Kuba oder in Strandcafés von Acapulco.

Mainz als Lebensmittelpunkt

2004 verlegte Rainer seinen Lebensmittelpunkt der Liebe wegen nach Mainz. In seinem Arbeitsbereich stapelt sich eine beachtliche Sammlung an Gitarren und Musikliteratur. Besonders stolz ist er auf eine von John Lennon handsignierte Gitarre. Der Musik und dem Lebensgefühl seiner Jugendzeit ist er treu geblieben. Obwohl er seine Gigs im Alter von 60 etwas reduziert hat, ist sein Terminkalender immer noch prall gefüllt, und auch ans Aufhören denkt er nicht. Wer sich davon überzeugen lassen will, kann dies zum Beispiel derzeit auf dem Weinmarkt im Volkspark tun.

www.rainerschindler.de

Text Tina Jackmuth Fotos Katharina Dubno

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