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Restaurant des Monats: Heinrichs


Von Felix Monsees
Fotos: Daniel Rettig

Vor 30 Jahren endete die Tradition Mainzer Brauereien auf dem Kästrich, als die Actien Brauerei ihre Produktion in der Oberstadt einstellte. Heute erinnert daran nur noch eine Inschrift am ehemaligen Maschinengebäude der Schöfferhofer-Brauerei (Binding) auf dem alten Römerlager. Gegenüber dieses Backsteinbaus hat Wilhelm Nestle vor drei Jahren seine Wirtschaft Heinrichs eröffnet.

Und wie schon die alten Römer hält es Nestle weniger mit dem Bier als mit dem Wein. Über 70 Positionen sind auf seiner Weinkarte zu finden und über die Hälfte von ihnen kann glasweise verkostet werden, auch als Piffche (0,1l): „Manche Gäste trinken sich so durch ganz Rheinhessen“, lächelt Nestle. Neben den bekannten rheinhessischen Winzern stehen viele weniger bekannte Namen zur Auswahl. Wenn er über talentierte Nachwuchswinzer aus der Region redet, kommt Nestle aus dem Schwärmen nicht mehr raus. Knewitz aus Appenheim oder Poss aus Windesheim sind „noch“ seine Geheimtipps.

Geheimtipps aus Rheinhessen
Doch nicht nur Wein kommt hier auf den Tisch. Im Heinrichs wird gutbürgerlich mit mediterranem Einsprengsel gekocht. „Mama-Küche mit Substanz“, sagt der Küchenchef dazu. Vieles, was hier serviert wird, findet man anderswo in Mainz nicht mehr: geschmorter Ochsenschwanz, gefüllter Schweinefuß oder gar Kutteln. Ein Highlight ist die butterzarte Kalbszunge mit Paprika-Oliven Gemüse (13 Euro). „Wir trauen uns gar nicht mehr, Kalbsnierchen auf die Karte zu setzen, so viel wie das bestellt wird“, sagt Nestle.
Vegetarier werden im Heinrichs leider nicht glücklich: „Unsere Küche ist für gute Esser.“ Nestle arbeitete lange als Profi-Einkäufer für die Lebensmittelindustrie, deshalb achtet er besonders auf Qualität im Einkaufwagen. Auf dem Wochenmarkt, bei Stein´s Kräuter und Garten in Gonsenheim oder wenn es sein muss, fährt er sogar nach Italien.

Mama-Küche mit Substanz
Früher ist Nestle 22 Jahre lang jeden Morgen nach Frankfurt gefahren und abends wieder zurück. Irgendwann hatte er keine Lust mehr auf Pendeln und auch auf die Vorgesetzten. Der gelernte Koch wollte zurück an den Herd. Nachdem ein Freund kein Glück mit seinem Pächter hatte, war für ihn klar: Hier eröffnet Nestle sein Heinrichs, benannt nach seinem Großvater. Da der mittlerweile verstorbene Freund auch Schreiner war, verdankt Nestle ihm nicht nur die Heimat für sein Restaurant. Die Innenausstattung ist aus massivem Holz und wie das Essen komplett handgemacht.
Die ersten Monate stand Nestle alleine am Herd, doch schnell hatte das Heinrichs zu viel Stammpublikum für nur einen Koch. Jetzt steht man zu dritt in der kleinen Küche und weil die direkt am Treppenhaus liegt, ist da auch ein verirrter Herr von den Stadtwerken, der das Gas ablesen möchte. Ihm kann Nestle nicht helfen, den sensor-Reportern zum Glück schon, denn die werden bestens kulinarisch versorgt: Den italienischen Einfluss gibt es bei unserem Rezept des Monats zu schmecken: Perlhuhnbrust auf mediterranem Gemüse. Das Gemüse wird knackig in viel Olivenöl in der Pfanne geschwenkt und mit jungem Knoblauch abgeschmeckt. Die frischen Artischocken stellen auch Vegetarier zufrieden. Fleischesser freuen sich auf die saftige Perlhuhnbrust kross am Knochen gegart (17 Euro). Abends sind freie Plätze selten, luftiger ist es zum Stammessen von 12 bis 14 Uhr (8 bis 12 Euro).

Rezept:
Perlhuhnbrust auf mediterranem Gemüse (4 Portionen):
4 Perlhuhn Brüste ausgelöst, Fleur de Sel, Korianderkörner gemahlen, Szechuanpfeffer zerstoßen, Rosmarin und Thymian gehackt, Knoblauch gehackt, je 1 grüne, gelbe, rote Paprika, ½ Fenchelknolle, 2 kleine Poivrade-Artischocken, 1 EL Nizza-Oliven, 2 Stangen Frühlingszwiebeln, Olivenöl.

Backofen auf 180 Grad Celsius Umluft (200 Grad Celsius Ober- und Unterhitze) vorheizen. Die Perlhuhnbrüste mit Fleur de Sel und Koriander würzen. Das Gemüse in grobe Stücke schneiden. In einer Pfanne Olivenöl heiß werden lassen und das Gemüse anschwitzen. Mit Salz, Pfeffer, Rosmarin, Thymian und Knoblauch würzen und auf ein Blech geben. Die Perlhuhnbrüste aufsetzen und alles für 15 Minuten im Backofen garen. Das fertige Gemüse auf die vorgewärmten Teller verteilen, mit dem Bratensaft übergießen und mit den Brüsten sofort servieren.Dazu empfiehlt Wilhelm Nestle Rosmarin Kartoffeln oder zerdrückte Pellkartoffeln mit Olivenöl und gehackter Petersilie.

Ein Kommentar “Restaurant des Monats: Heinrichs

  1. „Unsere Küche ist für gute Esser.“
    Hmm, so ist es aber nicht. Betrachtet man die supersupersuper-schlechte Umweltbilanz von Omnivorem Essen mit ihrem ganzen Rattenschwanz an ethisch bedenklichen Auswirkungen auf Menschen auf der ganzen Welt, dann wird daraus ganz schnell eine Küche für schlechte, d.h. ethisch schlechte oder auch einfach böse Esser.

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