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Floorball erobert die deutschen Sporthallen

Ein Mainzer “Offender”, umringt von Gegenspielern

Die Stresemann-Wirtschaftsschule in der Oberstadt: Ein kleiner, orangener Plastikball – perforiert mit 26 Löchern – wird durch die Sporthalle getrieben. Er ist Mittelpunkt des Spiels und Ziel der Begierde zweier Mannschaften, für die es um alles geht. Elegant, aber mit Nachdruck wird der Ball in den letzten Sekunden mit einem gezielten Schlag in die vordere Hälfte befördert. Zwei bullige Spieler hechten dem Ball hinterher und versuchen ihn zu stoppen. Doch es gelingt nicht. Schuhe quietschen auf dem Hallenboden. Die Zuschauer springen auf, ein Raunen geht durch die Halle. Nur noch die letzte Abwehrreihe muss überwunden werden. Eine agile Täuschung nach rechts, eine Finte nach links. Der „Offender“ holt zum Schlag aus und das Publikum hält den Atem an: Das Ding ist im Tor! Jubel füllt das Gebäude. Und das Floorball-Spiel ist entschieden.

Steht trotz seines Trainerdaseins manchmal noch als Spieler auf dem Feld – Fabian Mieloch

Wie Eishockey – nur ohne Eis
Floorball – diese Trendsportart ist vermutlich den wenigsten bisher ein Begriff. Doch der aufstrebende Floorball Mainz e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieser Sportart aus den 70er Jahren zu mehr Popularität zu verhelfen. Was also ist Floorball? Der Sport ähnelt in vielerlei Hinsicht Eishockey. Die Spielanlage ist nahezu deckungsgleich. Doch neben dem Fehlen des Eises gibt es einen weiteren Unterschied. Laut Fabian Mieloch, Trainer der 1. Mannschaft des Floorball Mainz e.V., liegt dieser in der Verletzungsarmut, welche die Hallensportart ohne Kufen mit sich bringt. „Schwerwiegende Verletzungen kommen eigentlich nur selten vor“, sagt Mieloch, der selbst seit 15 Jahren Floorball spielt. Wobei nicht auf Körpereinsatz verzichtet wird. Das Reglement lässt einfach weniger physische Kontakte zu.

Schnell, dynamisch, fortschrittlich
Floorball lebt von seiner Schnelligkeit und seiner Dynamik. ‚Fliegende Wechsel‘ während des Spielverlaufs gewährleisten ein konstant hohes Leistungsniveau und Spannung bis zum Schluss. Dass Partien erst kurz vor Ende des letzten Drittels entschieden werden, ist nicht ungewöhnlich, eine Gesamtzahl an Toren im zweistelligen Bereich keine Seltenheit. Doch der Sport weiß auch mit anderen Besonderheiten zu überzeugen. Die Regeln sind simpel und dementsprechend „einfach zu erlernen“, so Mieloch. Auch spielen Jungen und Mädchen in einer Mannschaft zusammen, insbesondere im Jugendbereich bis hin in die 2. Bundesliga. Die Geschlechtertrennung wird somit ein „Stück weit aufgehoben“, so Mieloch.

Mainz soll Floorball-Hochburg werden
Seit acht Jahren wird in Mainz Floorball auf Vereinsebene gespielt. Die Geschichte des Floorball Mainz e.V. verlief dabei genauso rasant wie erfolgreich. Angefangen als Abteilung des Hechtsheimer Vereins „Fit und Gesund“, beschloss eine Gruppe 14 ambitionierter Menschen 2013 den Verein ins Leben zu rufen. Bei Kaminfeuer in Kneipenatmosphäre einigte man sich darauf, sich „nicht mehr nur ein, zwei Mal die Woche zu treffen“, so Mieloch, „sondern selbst etwas auf die Beine zu stellen – einen eigenen Verein zu gründen“. Das ehrenamtliche Engagement, die Überzeugung und die generelle Bereitschaft aller Beteiligten, sich einzubringen, sind hierfür fundamental. Es ist „die Basis“ für das sukzessive Wachstum. 118 Mitglieder verteilen sich derzeit auf neun Teams und 13 Schul-AGs. Das macht den Floorball Mainz e.V. zum größten Floorballverein im Verband Rheinland-Pfalz / Saarland.

Frauen und Männer spielen in Mainz gemeinsam in der 1. Mannschaft

Bald 2. Liga-Floorball in Mainz?
Der stete Zuwachs an Floorball-Interessierten führt auch zu steigenden sportlichen Ambitionen des Vereins. Insbesondere der Damenbereich profitiert hiervon. „2017 gab es in Mainz noch keine Damenmannschaft“ so Mieloch. Jetzt bahnen sich aufgrund des Wachstums in diesem Segment Veränderungen an. Und auch in den anderen Teilen des Vereins sieht man der Zukunft positiv entgegen. Rückschläge wie der pandemiebedingte Abbruch der letzten Saison und der damit einhergehende verpasste – aber schon sicher geglaubte – Aufstieg der 1. Mannschaft in die 2. Bundesliga lassen die internen Ansprüche nicht schrumpfen. Das Ziel für die diesjährige Spielzeit ist unverändert: „Wir wollen uns sportlich mit den Besten messen“, kündigt Mieloch an, „und in diesem Jahr erneut um die Meisterschaft mitspielen.“ Der Aufstieg scheint also ‚nur noch‘ Formsache.
www.floorball-mainz.de

Text Benedikt Palm
Fotos Stefan Trippler

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