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Portrait: Sanja Aleck (Art.eria-Gallery) und ihr „Heart-Festival“ am 29. Juni

Dunkle, warme Augen strahlen einen an, besonders, wenn Sanja (Künstlername Sanja Aleck) über ihr Faible, die Kunst, spricht. Die 28jährige ist Gründerin und Inhaberin der Art.eria Gallery in der Gaustraße. Mit der Eröffnung im letzten September hat sich die Bildende Künstlerin und Malerin ihren Lebenstraum erfüllt: „ Ich wollte schon immer eine Galerie machen. Es war nur eine Frage der Zeit und des Geldes“.

Bosnisch-serbische Wurzeln

Die Tochter bosnisch-serbischer Eltern ist in Frankfurt geboren und aufgewachsen. Erst nach dem Abitur zog es sie wieder zurück in die Heimat ihrer Eltern. Dort folgte das Studium der Bildenden Kunst und Pädagogik an der Kunsthochschule in Sarajevo. So trat sie in die Fußstapfen ihrer Mutter, die dort Grafik-Design studiert hat. „Meine Eltern haben die deutsche Lebensweise schnell adaptiert. Die bosnisch-serbische Kultur habe ich erst richtig kennen und schätzen gelernt, als ich in Sarajevo gelebt habe“, sagt Sanja. Eine inspirierende Zeit. Dort reifte ihre Idee einer intensiveren Vernetzung von Kunst, Künstlern und Öffentlichkeit. Und auch privat erwies sich das Studium als Glücksfall. In Sarajevo lernte sie Sandro Susic kennen, verliebte sich in den Tierarzt und heiratete ihn, noch bevor beide nach Deutschland zurückkehrten. Nach vergeblichem Bemühen, in Frankfurt im Bereich Museumspädagogik Fuß zu fassen, begann sie als Flugbegleiterin zu arbeiten. Dies tut sie auch heute noch, um ihre Existenz als Galeristin abzusichern.

Neustart in Mainz

Mit dem Umzug vor zwei Jahren nach Mainz wurde Sanjas Traum von der eigenen Galerie dann doch noch Realität. Nahe ihrer Wohnung entdeckte sie gemeinsam mit Sandro die leerstehenden Räume in der Gaustraße. Die mit Holz getäfelten weißen Wände hatten es ihr sofort angetan. Trotz finanzieller Bedenken mietete sie das Objekt: „Ich dachte mir: Ich bin jung, ich mache das jetzt.“ Sandro, der als Tierarzt arbeitet und die Galerie managt, wenn seine Frau unterwegs ist, unterstützt sie finanziell und tatkräftig. Schritt für Schritt renovierte das Paar die Räume. Anfangs, erinnert sich Sanja, geriet sie noch in Panik. Einen Monat habe sich fast niemand in die Galerie getraut. Einige wären zudem in der Annahme gekommen, die ehemals ansässige Änderungsschneiderei vorzufinden. Eine Gelegenheit, die sie nicht ungenutzt ließ, um den „Verirrten“ die Galerie vorzustellen.

Konzept läuft

Die „Art.eria“ soll mehr Treffpunkt, als „nur“ Schauraum sein. Sanja möchte Leute zusammenbringen, Künstler verschiedener Sparten und Menschen aller Altersklassen. Moderne Kunst zu fördern und zugänglich zu machen, ist ihre Herzensangelegenheit. Seit der Eröffnung hat das kleine Team – zu dem außer dem Ehepaar noch zwei Praktikanten gehören – neben monatlich wechselnden Ausstellungen fast 100 Events auf die Beine gestellt. Künstler aus aller Welt bewerben sich, und ein wachsendes Publikum besucht die Galerie mit integriertem PopUp-Shop: „Wir haben nicht einen Cent für Werbung ausgegeben. Die Mund-zu Mund-Propaganda funktioniert sehr gut hier“, freut sich die Chefin. Im Gegensatz zu Frankfurt ist Mainz weniger anonym. Besonders schätzt sie die entspannte Atmosphäre, die Aufgeschlossenheit und Bereitschaft zur Unterstützung sowie die vielen Feste.

Große Pläne

Momentan überlegt Sanja sogar, ihr Konzept auszuweiten. Sie sucht derzeit nach größeren Räumen. Mit dem „heART-Festival“, am 29. Juni auf dem Gelände „Wuth´sche Brauerei“ zwischen Mainz und Wiesbaden, ist eine richtig große Veranstaltung geplant. Musik, Literatur und Kunst sollen hier geboten werden sowie Verkaufsstände mit erschwinglichen Kunstwerken. Irgendwann könnte sich Sanja zudem eine Rückkehr nach Sarajevo vorstellen. Trotz allem Mainzer Charme vermissen sie und ihr Mann das bosnisch-serbische Temperament und die warme und offenherzige Art: „Wir reden laut, jeder mit jedem, alle durcheinander und lachen laut – ein wenig wie Spanier“, schallt es mit einem Lachen, das tatsächlich mitreißt. Zum Selbst-Malen kommt die passionierte Künstlerin neben dem vielen „Papierkram“ für die Galerie und dem Einsatz als Flugbegleiterin im Moment auch nur selten. Wann immer sie aber auf ihren Reisen Zeit hat, besucht sie Museen, Galerien und alternative Szene- und Stadtviertel – frische Inspiration!

Text Tina Jackmuth Fotos Katharina Dubno

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