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MainzZero fordert mutige Bewerbung für Landesgartenschau 2026

Die Vision einer begrünten, menschenfreundlichen Bonifazius-Straße als Teil der „Green City 2030“. Foto: Arlette Schreier © | 3D Visualisierung.

Fit für 2030: Die Vision einer grünen, lebenswerten Stadt – das wünscht sich die Klimainitiative MainzZero: Es ist ein heißer Sommertag im Jahr 2026. Menschen strömen aus dem Mainzer Hauptbahnhof. Die Orientierung fällt leicht. Gegenüber weisen ihnen die ersten begrünten Häuserfassaden und ein einladendes, buntes Straßenbild den Weg zum neugestalteten Rheinufer. Zwei Highlights auf dem Weg dorthin: der belebte und begrünte Bonifaziusplatz und die Promenade auf der fahrrad- und fußgängerfreundlichen, parkähnlichen Kaiserstraße.

Die Mainzer haben mit der Umsetzung ihrer Vision „Green City“ einer begrünten, nachhaltigen und damit menschenfreundlichen Stadt der Zukunft bundesweit Aufsehen erregt. Die Vision war ausschlaggebend dafür, dass sich Mainz bei der Bewerbung im Jahr 2021 gegen die starke Konkurrenz aus Neustadt an der Weinstraße durchgesetzt hat… So könnte es heißen …. mal sehen … Das Geschilderte wäre zumindest die Vision von MainzZero für die Bewerbung der Stadt für die Landesgartenschau (LGS) 2026,die bis zum Ende des Jahres noch läuft.

Chancen der Landesgartenschau-Bewerbung nutzen

Von dieser Vision ist das Konzept der Stadt aktuell noch weit entfernt. Und dies, obwohl die Bewerbungsleitlinien für die Landesgartenschau 2026 dafür wie geschaffen sind. Diese führen fünf wesentliche Ziele in der folgenden Reihenfolge auf:

  1. Die Revitalisierung des Wohn- und Arbeitsumfeldes
  2. Umweltfreundliche Mobilität
  3. Anpassung an den Klimawandel und Klimaschutzmaßnahmen
  4. Nachhaltigkeit und erst dann
  5. Tourismus.

„Dem Ende Februar den Mainzer vorgelegten Konzept fehlen innovative Ansätze und die Ausrichtung an den Bewerbungskriterien für die Landesgartenschau 2026 bisher komplett“, so Caterina Wolfangel von MainzZero. „Wir sind sicher, dass gerade die Aufwertung der dicht bebauten Innenstadt durch grüne Achsen mit Vorrang für Fuß- und Radverkehr sowie begrünte Fassaden und Dachflächen mit Förderung durch die Landesgartenschau eine große Chance darstellt, die Landeshauptstadt zukunftsweisend und attraktiv zu gestalten.“ MainzZero sieht dies ergänzend zu dem bestehenden Bewerbungs-Konzept der Stadt mit Schwerpunkt Zitadelle und Grüngürtel.

Der Grüngürtel ist ein besonderes Stück Mainz. Entstanden durch Erdaufschüttungen im Verlauf der früheren Festungsumwallung, ziehen sich die verkehrsberuhigten Anlagen vom Hauptbahnhof bis zum Stadtpark.

Bisher ist das Gebiet der Zitadelle, des Stadtparks und Volksparks als Kerngelände geplant. Foto: Machbarkeitsstudie LGS Mainz 2026, HNW Landschaftsarchitektur

Innenstadtbereiche in Landesgartenschau integrieren

Die Aufwertung der denkmalgeschützten Kaiserstraße als grüner Boulevard ist auch Teil des ‚Integrierten Entwicklungskonzeptes (IEK) Innenstadt Mainz 2015‘. Als eine der Hauptachsen zum Rhein mit vorhandener Grünfläche kommt ihr eine besondere Bedeutung zu. Damit wird zudem das Rheinufer als „Gesicht von Mainz“ attraktiver angebunden. Auch die Neugestaltung der Bonifaziusstraße und des Bonifaziusplatzes bieten die Möglichkeit diese Vision „Green City“ umzusetzen und damit menschenfreundlicher zu gestalten.

Begrünte Fassaden und Dächer wirken gerade an heißen, drückenden Sommertagen in der dicht bebauten Innenstadt kühlend. Dazu können begrünte Fassaden ein echter Hingucker sein. So ist eine Begrünung neben Bonifaziusstraße und -platz und der Kaiserstraße z.B. auch auf der Achse Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt und der Achse Schillerplatz – Fischtorplatz realisierbar. Ein weiteres Highlight könnte, das begrünte und energetisch sanierte Finanzamt in der Schillerstraße, Ecke Münsterplatz, darstellen. Grüne Fassaden und Dachbegrünungen wären ein Novum für eine Landesgartenschau – sie werden jedoch explizit in der Ausschreibung gefordert und sind außerdem bereits Teil des Mainzer ‚IEK Innenstadt 2015‘.

Anpassung an Klimawandel wird bei der Bewerbung gefordert

Alle anstehenden Entwicklungsprojekte für Mainz müssen unter dem Gesichtspunkt der Klimaanpassungsmaßnahmen betrachtet und geplant werden. So sollten am Rheinufer das Reduzieren der Versiegelung und das Umsetzen der weiteren Empfehlungen aus der im Jahr 2019 von der Stadt vorgelegten Klimprax Studie Vorrang vor anderen Interessen haben. Dazu gehört auch die Neugestaltung des Adenauerufers. Die Mainzer*innen nutzen diese Flächen jeden Tag – für die 2-3 dort stattfindenden Events soll der Bereich jedoch gepflastert und heiß statt grüne, kühlende Naherholungsfläche werden.

Als zweites Ziel nennt die Bewerbung zur Landesgartenschau „Umweltfreundliche Mobilität“. „Ziel sollte es zum einen sein, die autofreie Anfahrt der Landesgartenschau so attraktiv wie möglich zu gestalten und zum anderen als landesweiter Vorreiter attraktive, umweltfreundliche Mobilität vorzuleben. Gerade in der Innenstadt ist ein attraktives und kostengünstiges ÖPNV-Angebot, ein gutes Parkleitsystem zu den Mainzer Parkhäusern und eine Erhöhung der Attraktivität für Fußgänger und Radfahrer auch eine große Chance für Gastronomie und Einzelhandel.

Attraktive Parkhäuser und bessere, umweltfreundliche Mobilität bedeuten mehr Freiräume für die Menschen. Die Gastronomie hat gerade in Zeiten von Corona sehr von mehr Außenflächen statt Parkplätzen profitiert. Dass dies auch dem Einzelhandel zugutekommt, zeigen Städte wie Kopenhagen – hier wird Einkaufen in der Innenstadt zu einem erholsamen Erlebnis und Genuss.

Gemäß der Biodiversitätsstrategie der Stadt Mainz 2020 sollten zudem für die Landesgartenschau heimische Pflanzenarten mit einem hohen Nutzwert für Bienen und andere Insekten verwendet werden. In alter Mainzer Tradition: denn schon die Römer waren dafür bekannt, wohlriechende heimische Blumen anzubauen und in jedem Garten einen Bienenstock aufzustellen. Auch dies wäre ein zukunftsweisendes Novum für die Landesgartenschau und sicherlich spannender als die vielfach üblichen Tulpen. Zudem wäre dies eine Chance mehr wärme- und stresstolerante heimische Bäume und Pflanzen anzupflanzen, die langfristig mit dem in Städten immer wärmer werdenden Mikroklima zurechtkommen.

MainzZero wünscht der Stadt Mainz viel Erfolg für ihre Bewerbung und vor allem Weitblick für eine nachhaltige, umwelt- und menschenfreundliche Umgestaltung unserer Stadt. Denn auch ohne die Landesgartenschau gilt, dass es viele Fördermittel für Dach- und Fassadenbegrünung, Klimaanpassung und umweltfreundliche Mobilitätskonzepte gibt – für finanzschwache Kommunen wie Mainz zum Teil als 100%-Förderung ohne Eigenbeitrag. Es wäre schade wenn Mainz solche Mittel nicht für die Gestaltung einer zukunftsfähigen, lebenswerten Stadt nutzte!

Die detaillierten Forderungen und Ziele von ‚MainzZero – Klimaentscheid Mainz‘ und weitere Infos zum Bürgerbegehren sind unter www.klimaentscheid-mainz.de zu finden.

Klimaentscheid Mainz
‚MainzZero – Klimaentscheid Mainz` ist ein Zusammenschluss von Bürger*innen, der aus der For Future-Bewegung hervorgegangen ist. MainzZero versteht sich als überparteiliche Initiative im Bündnis mit weiteren Vereinen, Verbänden und Initiativen aus Mainz. Unterstützt durch GermanZero organisiert MainzZero ein Bürgerbegehren und sammelt Unterschriften, damit sich das Stadtparlament mit der Frage beschäftigt, ob und mit welchen Maßnahmen die Stadt Mainz bis 2030 klimaneutral werden kann.

 

Weiterführende Links:

Mainz Green City Masterplan M3 (2018): https://www.mainz.de/medien/internet/downloads/luftreinhalteplan/M3_Masterplan_Mainz.pdf

Ergebnis des Klimawandels in der Praxis Projekts (2019 Mainz/Wiesbaden):

https://www.hlnug.de/themen/klimawandel-und-anpassung/projekte/klimprax-projekte/klimprax-stadtklima

Biodiversitätsstrategie Mainz  2020: https://mainz.de/medien/internet/downloads/biodivstrategie/BiodivstrategieMainz31012020.pdf

 

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