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Erstmals wieder Gottesdienste im Mainzer Dom – wenig Publikum

Es beginnt schon beim Eintreten in den Dom. Zunächst werden den etwa 30 Besuchern von einer Mitarbeiterin der Domaufsicht die Hände mit einem Desinfektionsmittel besprüht. Ebenso wie beim Verlassen herrscht beim Betreten Mundschutzpflicht. Dann folgt zunächst der Abgleich der Besucher mit der Liste der angemeldeten Personen. Alle Besucher erhalten ihre Karten für einen festgelegten Platz.
Im Inneren vermisst man als erstes das fehlende Weihwasser im Weihwasser-Becken. Auch das Gotteslob liegt in Corona-Zeiten nicht am Eingang aus wie sonst. Im Dom selbst sind die letzten Reihen des Mittelschiffs und die Seitenschiffe mit Seilen gesperrt. Die 50 ausgewiesenen Plätze sind auf die ersten 26 Reihen immer am äußeren Rand verteilt, jeweils mit einer Reihe Abstand.

Schön ist, dass die Dommusik zumindest in einer reduzierten Form Feierlichkeit in den Gottesdienst bringt: Der Mainzer Domorganist, Professor Daniel Beckmann, sorgt mit einer kleinen Schola um dem Mainzer Domkapellmeister, Professor Karsten Storck, für die musikalische Gestaltung. Auch eine Lektorin ist dabei. Bischof Kohlgraf zieht mit einem Messdiener direkt über den Chorraum ein und geht in seiner Begrüßung auf die besonderen Umstände ein: „Wir leben in bemerkenswerten Zeiten. Schön, dass Sie heute gekommen sind. Wir tun unser Bestes, einen feierlichen und hoffnungsvollen Gottesdient zu gestalten. Auch wenn Sie etwa nicht so mitsingen können wie sonst: Freuen Sie sich innerlich mit.“

In seiner Predigt macht Kohlgraf deutlich, dass es gerade in diesen Zeiten „entscheidend ist, unseren Glauben lebendig zu halten“. Der Glaube sei mehr als eine innere Haltung, „sondern unsere Werke sind Ausdruck dieses Glaubens. Ich hoffe, dass diese Zeit uns zu Menschen macht, an deren Handeln sich dieser Glaube zeigt, der uns trägt. Jesus lässt uns auf diesen Wegen nicht allein.“ Der Friedensgruß erfolgt ohne Händeschütteln, aber mit einem bischöflichen Hinweis: „Auch wenn wir Abstand halten: Ein freundliches Gesicht dürfen wir unseren Nachbarn schenken.“

Zur Kommunionausteilung kommen die Gläubigen wie gewohnt an die Stufe zum Altarraum. Mehrere Fächer mit einer durchsichtigen Abdeckung stehen dort rechts und links auf Tischen. Bischof Kohlgraf legt die Hostien in die Fächer, woraufhin die Gläubigen sie von dort selbst nehmen. „Ich glaube, wir haben für die Austeilung der Kommunion eine gute Lösung gefunden“, bemerkt Kohlgraf bei seinen Hinweisen dazu.

Bischof Kohlgraf hatte in einer ersten Stellungnahme Ende April auf die wieder eröffnete Möglichkeit zur Feier von Gottesdiensten gesagt: „Meine persönliche Gefühlslage ist zwiespältig. Zum einen freue ich mich auf gemeinsame Gottesdienste, auch wenn sie noch nicht die notwendige Feierlichkeit haben können. Zum anderen fehlen gerade der in dieser eingeschränkten Form stattfindenden Eucharistiefeier eigentlich notwendige Voraussetzungen. Eine Heilige Messe ist ja immer mehr als die Gültigkeit der Abläufe und die nur individuelle Christusbegegnung in der Eucharistie. Sie ist eine Feier der Kirche, die sich in der örtlichen Gemeinde versammelt. Um zu einer echten Feier zu gelangen, müssten selbstverständlich auch die gemeinsamen Feierformen in ihrer Vielfalt möglich sein. So bleibt es bei einer Notlösung, deren Hintergründe ich kenne und akzeptiere.“

Mit rund 30 Gläubigen feierte er die 10-Uhr-Messe an diesem Tag im Westchor des Domes. Nach dem Gottesdienst fasst er seine Eindrücke zusammen: „Der Gottesdienst hat deutlich gezeigt, dass es noch ein weiter Weg zur Normalität unserer Feiern ist. Ich lade alle Gläubigen ein, den Mut zu haben, wieder in die öffentlichen Gottesdienste zu kommen. Aber ich kann auch verstehen, wenn manche sich Sorgen machen und sagen, dass sie unter den aktuellen Bedingungen noch nicht wieder in den Kirchen Gottesdienst feiern wollen. Es gibt weiterhin viele digitale Angebote und wir bleiben auch in dieser Zeit eine Gebetsgemeinschaft im Bistum Mainz. Die öffentlichen Gottesdienste im Dom und in den anderen Kirchen des Bistums feiern wir auch stellvertretend für die Menschen, die derzeit nicht kommen können oder nicht wollen.“

Bei allen vier Gottesdiensten am ersten Tag der Wiedereröffnung des Mainzer Domes wurde das Kontingent von 50 möglichen Gottesdienstbesuchern nicht ausgeschöpft.

Bei diesem Gottesdienstbesuch wird an vielen Stellen deutlich, warum Bischof Kohlgraf in seiner ersten Stellungnahme zu den nun wieder unter vielen Einschränkungen möglichen Gottesdiensten von einer „Notlösung“ gesprochen hat:

Für die Dom-Gottesdienste ist eine Anmeldung erforderlich

Zu jedem Gottesdienst im Mainzer Dom sind maximal 50 Personen zugelassen. Der Aufenthalt im Dom ist auf 60 Minuten begrenzt. Der Zugang zum Mainzer Dom erfolgt nur über das Liebfrauenportal; der Ausgang erfolgt nur über das Leichhofportal. Der Dom wird frühestens 20 Minuten vor dem jeweiligen Gottesdienst geöffnet. Beim Betreten und beim Verlassen des Domes besteht Maskenpflicht.

Für die Teilnahme den Gottesdiensten im Mainzer Dom ist jeweils eine telefonische Anmeldung und Registrierung bei der Dominformation erforderlich. Gottesdienste im Westchor des Mainzer Domes finden künftig statt an Werktagen um 7.00 und 8.15 Uhr sowie sonntags um 7.00, 8.00, 10.00 und 11.30 Uhr. Die Anmeldung ist möglich von montags bis freitags (10.00-14.00 Uhr) über die Dominformation unter Telefon 06131/253-412.

Bei der telefonischen Anmeldung zu den Gottesdiensten muss jeder Anrufer seinen Namen, Vornamen, die Anschrift, Telefonnummer, E-Mail-Adresse und gegebenenfalls den Namen des Partners und der Kinder angeben. Dies ist für etwaige Rückverfolgungen von Kontakten bei einer Ansteckung wichtig. Nach 21 Tagen werden die Listen vernichtet. Es gibt nur zugewiesene Plätze. Diese werden nach dem Eingang der Telefonate vergeben.

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