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Die schönsten Wanderstrecken rund um Mainz

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von Gabriel Werchez Peral

Viele verbinden Wandern mit Kniestrümpfen, klobigen Schuhen, Volksmusik und grauen Haaren. Seit kurzen entdecken jedoch immer mehr Menschen die Qualitäten dieses Hobbys. Daher stellen wir nun die besten Strecken der Umgebung vor.

Nicht nur das unmittelbare Naturerlebnis macht die Faszination einer Wandertour aus. Im natürlichen Tempo des Laufens entwickelt sich mit jedem Schritt ein Gefühl der Entschleunigung. Wandern ist also ein idealer Ausgleich zum urbanen Alltag und Stress. Das Schöne dabei: Wandern ist mit der richtigen Kleidung relativ unabhängig vom Wetter und verhältnismäßig preiswert. Grundsätzlich ist es ratsam, Wanderschuhe und zweckmäßige Kleidung anzuziehen. Außerdem sollte ausreichend Flüssigkeit und Verpflegung mitgenommen werden, da es unterwegs selten Einkehrmöglichkeiten gibt. Alle hier beschriebenen Wege sind hervorragend beschildert. Trotzdem ist eine Wanderkarte oder die Recherche im Internet empfehlenswert. Die angegebene Dauer steht nur für die reine Gehzeit. Bei der Tourenplanung also möglichst zusätzliche Zeit für Rast, Fotos und Verschnaufpausen einplanen. Zwei der unten beschriebenen Routen sind an einen Klettersteig angeschlossen. Bei diesen Passagen ist neben robustem Schuhwerk eine gewisse Trittsicherheit und Schwindelfreiheit von Vorteil.

Wandern im Mittelrheintal
Im UNESCO-Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal windet sich der Rhein durch ein tiefes Tal. An dessen Hängen erstrecken sich Weinberge und Waldgebiete. Zahlreiche mittelalterliche Burgen zeugen von der Bedeutung des Flusses als Handelsweg. Auf 320 Kilometern führt der Rheinsteig rechtsrheinisch von Wiesbaden nach Bonn. Wegzeichen ist das weiße „R“ auf blauem Grund. Mit dem „R“ auf gelbem Grund sind Zubringerwege von den Ortsmitten oder Bahnhöfen hin zum Rheinsteig markiert. Linksrheinisch erstreckt sich der Rheinburgenweg über 200 Kilometer vom Rolandsbogen bei Remagen bis Bingen. Ein stilisiertes rotes „R“ auf weißem Grund weist hier den Weg. Beide Fernwanderwege sind von Mainz aus gut mit dem ÖPNV erreichbar. Alternativ kann mit dem Auto angereist und vom Ziel aus mit dem Zug zurück zum Parkplatz gefahren werden.

Von Lorch nach Kaub (Rheinsteig)
Diese Strecke ist für Einsteiger eine sehr gut geeignete Etappe mit wunderschönen Aussichten auf den Rhein. Startpunkt ist der Bahnhof in Lorch. Ein nahezu alpiner erster Anstieg gleich zu Beginn der Wanderung endet am Festungsturm auf dem Nollig. Als Belohnung für den vergossenen Schweiß erstreckt sich der Rhein unten im Tal in all seiner Pracht. Nach einer kurzen Verschnaufpause verläuft der Weg durch die Weinberge mit diversen traumhaften Ausblicken auf die linksrheinische Seite. Im tief eingeschnittenen Niederthal folgt ein langer Aufstieg, an dem ganz unerwartet ein Weinstand mitten im Wald erscheint und zu einer leckeren Weinschorle einlädt. Doch allzu trinkfreudige Wanderer seien gewarnt: Der nun folgende Anstieg hat es in sich. Durch alten Eichenwald führt der Pfad bis zu einem Querweg, der nach Kaub abzweigt und der die Strecke verkürzt. Alle, die noch nicht genug haben, können stattdessen noch einen Schlenker über das Schenkel- und Volkenbachtal machen. Der Abstieg erfolgt dann nahe der Burg Gutenfels nach Kaub hinab. Strecke: 13,8 km Dauer: 4,30 h Von St. Goarshausen nach Kestert (Rheinsteig) Diese an einen Klettersteig angeschlossene Route bietet einen hohen Erlebniswert und abwechslungsreiche Passagen. Startpunkt ist am Friedhof in St. Goarshausen. Durch das Katzenbachtal geht es steil aufwärts, oben kann dann der Blick auf die Burg Katz genossen werden. Zuvor zweigt der ca. 500 Meter lange Rabenacksteig ab, der auf den über dem Ort gelegenen Rabenackfelsen führt. Pas- sionierte Kletterer sehen von hier aus das Tal und die Burg Rheinfels. Hoch oben geht es weiter zur Burg Maus bei Wellmich, zu der in Serpentinen abgestiegen wird. Die Festung war früher Sitz eines Adler- und Falkenhofes. Anschließend führt ein Bergbau- und Landschaftslehrpfad in langgezogenen Serpentinen aufwärts zu einer Schutzhütte. Zeit für eine Rast. Danach windet sich der Rheinsteig als schmaler Felsenpfad oberhalb der Pulsbachklamm nach Oberkestert, von wo es nicht mehr weit zum Ziel ist. Strecke: 12,4 km Dauer: 4,00 h

Von Bingerbrück nach Trechtingshausen (Rheinburgenweg)
Die erste Etappe des Rheinburgenweges ist für Einsteiger gut geeignet. Vom Bahnhof in Bingerbrück geht es auf dem „Schlangenpfad“ steil bergauf in den Binger Stadtwald. Auf Forstwegen streift der Weg die kulturhistorische Ausgrabungsstätte „Villa Rustica“. Von hier aus ist es nicht mehr weit zur Steckeschlääferklamm, in der es viele geschnitzte Holzfratzen an den Bäumen zu entdecken gibt. Das stetige Plätschern des Baches begleitet eine fast schon meditative Passage durch das Morgenbachtal. Nach einem schweißtreibenden Anstieg und der Überquerung des Kamms erscheint der Rhein hinter dem Schweizer Haus. Das Gasthaus hoch über dem Fluss bietet eine fantastische Aussicht und guten Wein. Nun ist es an der Zeit, den Eselspfad zu suchen. Er schlängelt sich an der felsigen Hangkante bergab durch einen Eichenwald auf die imposante Burg Rheinstein zu. Dort angekommen folgt ein weiterer steiler Anstieg. Von einer Klippe sind das Morgenbachtal und Burg Reichenstein zu sehen. Etwas Trittsicherheit braucht es beim Abstieg über den engen Felsenpfad. Entlang des Morgenbachs führt der Weg nach Trechtingshausen, dem Ziel der Etappe. Strecke: 15,7 km Dauer: 4:15 h

Von St. Goar nach Oberwesel (Rheinburgenweg)
Besonders reizvoll an dieser Etappe ist die Kletterpassage auf dem Oelsbergsteig. Vom Bahnhof geht es zunächst ins Lohbachtal, wo der erste steile Anstieg ansteht. Nach einer kurzen Verschnaufpause oben auf dem Rheinplateau eröffnen sich auf dem Weg entlang der Hangkante einige prachtvolle Ausblicke auf die Loreley. Ein weiterer Anstieg Richtung Urbar endet am Aussichtspunkt Maria Ruh, von dem sich der beeindruckende Loreley- Felsen sehr gut sehen lässt. Nun folgt der Rheinburgenweg einigen Wiesen- und Feldwegen bis zur Beulsberghütte. Hier bleibt es jedem selbst überlassen, ob es auf dem Oelsbergsteig oder dem Skulpturenpfad weitergeht. Der sehr schmale Oelsbergsteig ist eher etwas für schwindelfreie und trittsichere Kletterer. Die mit Leitern und Trittbügeln ausgestatteten Kletterpassagen am steil abfallenden felsigen Hang sind nichts für schwache Nerven. Auf dem Skulpturenpfad geht es dagegen direkt Richtung Oberwesel. Beide Wege führen zum hochgelegenen Günderodehaus, von wo Oberwesel nicht mehr weit ist. Strecke: 8,8 km Dauer: 4,30 h

Von Laubenheim nach Mombach (Kleiner Mainzer Höhenweg)
In unmittelbarer Nähe von Mainz hat die ortsansässige Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) einen Wanderweg durch die Vororte eingerichtet. Er führt in sieben Etappen südlich um Mainz herum, Wegmarke ist das Edelweiß des DAV. An vielen Stellen berührt der Weg das Netz des ÖPNV und kann so etappenweise abgelaufen werden. Von der Haltestelle „Im Brühl“ (Laubenheim) geht es über die Laubenheimer Höhe nach Hechtsheim. Durch die Felder weist das Edelweiß den Weg nach Gau- Bischofsheim, wo einige Bänke und Tische zum Rasten einladen. Vorbei an der Kapelle geht es dann über Ebersheim und Klein Winternheim zum Lerchenberg. Unterwegs streift der Weg die St. Andreaskirche und das Ober-Olmer Forsthaus. Vom Lerchenberg sind es noch einige Kilometer zum Lennebergwald und nach Finthen. Bevor es dann zum Ziel nach Mombach geht, führt der Weg vorbei am Schloss Waldthausen und dem Lennebergturm. Strecke: 32,5 km Dauer: 8,30 h

Wandern macht in der Gruppe viel Spaß. Wer sich keiner privaten Wandergruppe anschließen will, muss trotzdem nicht auf die Gesellschaft anderer Wanderer verzichten. Der DAV bietet geführte Wanderungen an. Interessenten können einige Male zum Schnuppern mitlaufen, sollten dann aber Vereinsmitglied werden. Der Altersdurchschnitt der Alternativen Wandergruppe des DAV liegt bei ungefähr 40 Jahren. Weitere Einzelheiten zu Routen, Kontakt und Terminen finden sich auf der Webseite des Vereins. Alle Studierenden können sich der Wandergruppe des Allgemeinen Hochschulsports (AHS) anschließen. Mehr Informationen hierzu finden sich im Programmheft des AHS. www.rheinsteig.de, www.rheinburgenweg.com www.dav-mainz.de