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Das sensor 2×5 Interview mit Theater-Chefmaskenbildner Guido Paefgen

Was sind die Highlights an Ihrem Job?

Das sind vor allem die Arbeiten mit einer Produktion, wo man das Gefühl hat, das passt. Wenn wir auf Augenhöhe sind, ein Teil des Ganzen, mitverantwortlich für ein konzeptionelles Entstehen, was auf der Bühne letztendlich passiert. Und natürlich: Wenn andere deine Arbeit zu schätzen wissen. Umgekehrt kann es nervig sein, wenn Konzepte nicht ausgereift sind. Wenn zum Beispiel eine Perücke oder eine Maske, in die man viel Arbeit und Herzblut reingesteckt hat, plötzlich einfach so wegfällt. Das passiert aber zum Glück selten.

Welche Qualitäten sollte ein Maskenbildner mitbringen?

Neben dem Handwerklichen finde ich vor allem Ruhe und Sicherheit sehr wichtig. Wir haben am Ende den engsten Kontakt mit denen, die gleich auf die Bühne gehen. Da hilft es nichts, nervös oder schlecht drauf zu sein. Wir müssen dem Künstler vermitteln: Alles wird gut! Und ein gewisses Einfühlungsvermögen kann auch nicht schaden. Sich in das künstlerische Leitungsteam, die Regie hineinzudenken. Zu wissen, welche künstlerische Sprache sie sprechen.

Wie sieht Ihr Team aus?

Insgesamt sind wir 15 Leute mit drei Azubis und einer FSJlerin. Die sind aber nicht immer alle gleichzeitig da. Zum Beispiel sind wir bei der Oper Don Carlo abends mit neun Leuten. Das ist dann schon Akkordarbeit, wenn du 80 Leute auf der Bühne hast. Parallel bereiten wir uns auf andere Produktionen vor, es gibt also immer etwas zu tun. In anderen Ländern können die manchmal kaum glauben, dass wir alles in einer Werkstatt herstellen: Perücken, Masken und Gesichtsteile. Diese Vielfalt gibt es nur an deutschen Theatern.

Sie machen aber auch Nebenprojekte wie Tatort oder Germany‘s next Topmodel?

Das war mal bei der zweiten Staffel von Germany‘s next Topmodel. Das kam durch Zufall. Ich habe dort das Shooting gemacht, wo die Mädels wie Schaufensterpuppen aussehen sollten. Ich kann eben schlecht nein sagen und probiere auch gern mal was Neues aus. Das bereichert: Kontakte zu knüpfen, sich selbst neu kennenlernen. In den letzten Monaten und Jahren ist das aber weniger geworden, auch aus zeitlichen Gründen.

Bald sind Sie zwanzig Jahre Maskenbildner am Theater – ist so eine Routine nicht nervig?

Das habe ich mich früher gefragt, so um die 30 herum, wo ich eine kleine Krise hatte. Wo man noch groß was erleben will und meint, dass vielleicht das Kreative noch mehr kommen sollte. Mittlerweile ist das aber nicht mehr so. Wir haben mit den verschiedensten Menschen zu tun und jeder hat eigene Ideen. Das empfinde ich als Vorteil und großes Geschenk. Die Stücke wechseln sich ab, neue Kostümbildner kommen, neue Schauspieler und Künstler. Und dann gibt es auch immer mal wieder einen größeren Umbruch beim Intendanten-Wechsel, wo alles komplett neu gedacht wird. Da bin ich derzeit sehr zufrieden und finde es genial.

Sie sind im Westerwald aufgewachsen. Viel mit Theater ist dort aber nicht, oder?

Ja, ich hatte das stinknormalste bürgerliche Leben im Westerwald, friedlich und gut situiert. Das war noch die Zeit, in der ein Vater mit einem Job die Familie ernähren konnte. In der man in den Urlaub gefahren ist und auch sonst irgendwie alles hatte. Man hat Fußball gespielt, Baumhäuser gebaut und mit der Popkultur in den 80ern ist man dann rausgekommen. Wenn man mal nach Koblenz gefahren ist, war das ein Highlight, irgendwann auch mal nach Frankfurt und Köln.

Und wie kam es zum Theater?

Das war ein schleichender Prozess. Ich habe gerne gemalt und mich für Kunst interessiert. Im Skiurlaub wurde ich mal gefragt, ob ich bei Willy Bogner eine Statistenrolle übernehmen könnte und habe das dann gemacht. So ähnlich wurde ich daraufhin auch zuhause bei einem freien Theater gefragt. Das war die Initialzündung. Es haben sich dann doch einige im Westerwald für Theater interessiert und auch ein kleines Festival veranstaltet. So kam das mehr und mehr mit den Leuten um mich herum. Das auf der Bühne stehen hat mich immer gereizt, aber am Ende war ich dann doch zu bodenständig und habe die sichere handfestere Sache des Maskenbildners angefangen, nachdem dort Leute gesucht wurden. Dann kam die Maskenbildnerschule in Mainz und so weiter …

Sie machen aber trotzdem auch eigenes Theater – in Budenheim die Pank & Ratius Bühne?

Ja wir schlagen uns wacker seit 12 Jahren. Das ist schon eine Liebelei von mir. In den letzten fünf Jahren habe ich aber kaum noch gespielt, sondern mehr Regie gemacht. Das ist dann, was mich wirklich interessiert: Ideen entwickeln und mit Menschen zusammen arbeiten, ganz ohne die Maske.

Als langjähriger Mainzer: Wie ist Ihre Meinung zum Bibelturm?

Ehrlich gesagt habe ich mich damit noch nicht so tief beschäftigt. Ich kenne bisher nur das Konzept. Was mich dabei wundert ist, dass so viele Leute Gründen dagegen sind, die ich nicht ganz nachvollziehen kann. Weil ich denke, wenn etwas Visionäres entstehen könnte, dann muss man das unterstützen.

Gibt es noch etwas, was Sie unbedingt reizt – was Sie noch machen wollen im Leben?

Nicht wirklich. Bzw. es wird ja was Neues geben. Es wird wieder etwas kommen. Das weiß ich. Das liegt dann aber an mir, an einem selber. Der umgedrehte Fall ist eingetroffen, dass ich in den letzten Jahren gemerkt habe: mein Platz ist hier im Theater als Theatermaskenbildner. Das ist genau mein Ding. Das hat sich verfestigt. Letztens hat zum Beispiel das ZDF angerufen und gesagt, dass sie einen brauchen, der jemanden 30 Jahre älter machen soll. Da hätte ich JA sagen können, aber zeitlich habe ich das nicht mehr geschafft. Ich kann mittlerweile besser und zufriedener auch mal NEIN sagen.

Interview David Gutsche Foto Jana Kay

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