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Das sensor 2×5 Interview mit: Felicitas Pommerening (Autorin)

Du bist Autorin von Büchern und für eine Computerspielfirma. Was machst du lieber?
Das ist schwer zu sagen. Bei den Computerspielen von „Totally Not Aliens“, da bin ich zuständig für die Story-Elemente und die Entwicklung der Figuren. Das ist spannend, ganz anders als für einen Roman. Gerade machen wir ein Antikriegsspiel. Danach kommt ein Adventure. Also je nachdem um welches Spiel oder Buch es sich handelt, hält sich das mit dem Spaß die Waage.

Wie bist du Autorin geworden?

Das war schon in meiner Kindheit, da habe ich Geschichten geschrieben. Bei meinen späteren Sachen meinte ein Freund, das könnte man doch eigentlich auch verlegen. Und das habe ich dann versucht. Heraus kam mein erstes Buch „weiblich jung flexibel“ – im September mein vierter Roman „Duo war einmal“. In dem gründen mehrere Menschen eine Hausgemeinschaft und kollidieren mit ihren Lebensauffassungen oder inspirieren sich gegenseitig. Mir gefällt es meistens, wenn Charaktere ein wenig abseits sind und unkonventionell oder andersdenkend.

Wie gehst du beim Schreiben vor, hast du schon alles fertig im Kopf?

Bei den Computerspielen machen wir einfach worauf wir Lust haben. Bei den Büchern ist es teils problematisch. Um einen Vertrag von einem Verlag zu bekommen, muss die ganze Geschichte vorher stehen. Da würde ich lieber mal drauf los schreiben und sehen, wie sich die Sache entwickelt. Aber das macht kein Verlag mit. Im Gegenteil: Man schreibt Leseproben, die nicht bezahlt sind und Exposés, die abgelehnt werden, ohne dass man weiß warum. Das ist nicht so romantisch, wie man sich das vorstellt.

Welche Autoren sind deine Vorbilder? Welche Bücher liest du?

Als Jugendliche habe ich viel Stephen King gelesen und Nick Hornby, viel englische Literatur, weil ich in England aufgewachsen bin. Mein letztes deutsche Buch war „Förster, mein Förster“ von Frank Goosen – das fand ich klasse. Eigentlich würde ich gerne mehr von Goosen lesen, habe aber zuletzt lieber zu spanischen Büchern gegriffen, um die Sprache zu lernen. Tatsächlich lese ich gar nicht so viel. Abends schaue ich lieber Filme oder Serien, zuletzt Wonder Woman, der war großartig. Die Figur war super gemacht, viel moderner als viele Frauen in der Buchbranche dargestellt werden. Das Frauenbild dort ärgert mich häufig.

Bist du eine Feministin?

Ja, und ich verstehe auch gar nicht, wie man das nicht sein kann. Die Definition für Feminismus ist, dass man für Gleichberechtigung ist, man also wegen seinem Geschlecht nicht benachteiligt wird. Feminismus ist daher auch nicht auf Frauen begrenzt. Auch ein Mann kann Feminist sein. Es geht um Gleichberechtigung. Eigentlich bräuchte man einen universelleren Begriff.

Du warst gerade ein Jahr in Sevilla (Spanien)?

Ja, mein Mann und ich haben unsere drei Kinder von der Schule beurlauben lassen und waren gemeinsam in Spanien. Die Kinder gingen auf eine deutsche Schule und der Kleine in die Krippe. Eigentlich wollten wir nach Valencia, aber da war dann kein Schulplatz mehr frei. Dann war noch die Möglichkeit mit Mallorca, aber da ist die Chance spanisch zu lernen relativ gering, weil dort so viele Deutsche leben. Also sind wir nach Sevilla. Die spanische Kultur ist dort viel erlebbarer.

Geboren bist du aber in Deutschland?

Ja, aber ich bin immer viel umgezogen, weil mein Vater bei der BASF gearbeitet hat und dort die Möglichkeit hatte, in verschiedenen Ländern tätig zu sein. Wir sind nach meiner Geburt relativ schnell nach Indonesien gezogen und danach für zwei Jahre nach Madrid und dann London für neun Jahre. Danach waren wir zwei Jahre in Dresden, das war fünf Jahre nach der Wende, eine eher schwierige Zeit. Ich war froh, als es später weiter nach Darmstadt ging. Von dort bin ich 2000 zum Publizistik- und Filmwissenschaft-Studium nach Mainz gekommen.

Siehst du dich als entwurzelt und wenn ja, wie gehst du damit um?

Das viele Umherziehen hat mich schon geprägt. Sozusagen bin ich ohne Wurzeln und feste Heimat und bin auch im Studium viel gereist. Erst als die Kinder kamen, kamen auch die Wurzeln. Und mittlerweile ist Mainz so etwas wie Heimat für mich. Ich sehe das daher größtenteils als etwas Positives.

Du hast hier auch das Neustadtkino und den Mainzer Story Slam mitorganisiert. Findet das wieder statt?

Das weiß ich noch nicht. Der Slam ist toll gelaufen. Und ich würde es gern weitermachen. Aber ich muss aktuell auch schauen, dass ich mir nicht zu viel vornehme. Wenn noch jemand Interesse hat, kann man sich gerne bei mir melden. Mich freut es immer, wenn Leute etwas auf die Beine stellen, statt nur zu meckern, dass nichts geht.

Was gefällt dir an Mainz und was nicht?

Mir gefällt die Größe der Stadt. Mainz hat nicht die Nachteile einer Großstadt und trotzdem viele ihrer Vorteile. Ich kann durch die Gegend laufen mit meinen Kindern oder mit dem Fahrrad fahren. Stellenweise ist es vielleicht etwas provinziell, dafür gibt es aber das Rhein-Main-Gebiet. Und die Leute hier sind offen und beweglich im Kopf. Diese Mischung gefällt mir. Mir gefällt nicht, wenn manche Menschen sich nach rechts geneigt fühlen oder man fremdenfeindliche Sachen an der Straßenecke hört.

David Gutsche, Foto: Jana Kay

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