
Bekannt wurde Caro Trischler durch ihre Teilnahme an der Fernseh-Castingshow „The Voice of Germany“, doch schnell wurde ihr klar, dass das kommerzielle Musikgeschäft nichts für sie ist und sie sich im Jazz viel wohler fühlt. Nach einem Jazzgesangsstudium an der Hochschule für Musik Mainz veröffentlichte Caro 2020 in Zusammenarbeit mit Ulf Kleiner ihr Debütalbum „North e Sul“, gefolgt von „When You Know You Know“ in diesem Jahr. Die Wahl-Mainzerin ist nicht nur mit ihrem Trio, sondern auch mit zahlreichen anderen Jazzprojekten auf den Bühnen unserer Region live zu erleben. Kürzlich bekam Caro zudem den Wormser Jazzpreis verliehen – einem von bürgerlichem Engagement getragenen Preis, der von der Wormser Jazzinitiative BlueNite initiiert wurde und alle zwei Jahre vergeben wird. Das Preisgeld hat die Musikerin bereits in ein Herzensprojekt investiert: eine Vinyl-Edition ihres aktuellen Albums.
Privat
Was machst Du, wenn Du mal von Musik abschalten willst?
Ich schalte ehrlich gesagt nicht sehr oft ab von der Musik. Aber was ich sonst noch gerne tue: Lesen, wandern, Tennis spielen, in Urlaub fahren, am liebsten in Länder wie Italien oder Portugal.
Du bist fürs Studium nach Mainz gezogen und dann hiergeblieben. Was gefällt Dir an Mainz besonders?
Ich bin 2014 zum Studium nach Mainz gezogen und bin hier einfach hängen geblieben, weil die Menschen nett sind und ich mich zu Hause fühle. Ich komme aus der badischen Kleinstadt Bretten, mit ca. 30.000 Einwohnern, Mainz kam mir deshalb im ersten Moment riesig vor. Mittlerweile schätze ich die doch eher überschaubare Größe, die Nähe zu Städten wie Frankfurt. Ich glaube man kann als Musiker im Rhein- Main Gebiet ganz gut arbeiten und leben. Ich habe mittlerweile meine Bands und Kontakte hier und kann mir im Moment nicht vorstellen wegzuziehen.
Welche musikalischen Vorbilder hast Du?
Inspiration ziehe aus Musik von Musikerinnen und Musiker wie Melody Gardot, Joni Mitchell, Derek Trucks und Susan Tedeschi, Johnny Guitar Watson, Bros. Landreth oder Maro. Ich höre auch unglaublich gern brasilianische Musik, besonders aus den 60er und 70ern von Jorge Ben, Joao Gilberto, Elis Regina oder Tom Jobim.
Hörst Du Musik auf CD/LP oder über Streamingdienste?
Ich höre CDs und Platten. Ich habe als Musikerin einen eigenen Blick auf die Streamingdienste. Ich verstehe, dass es als Konsument unglaublich praktisch und attraktiv ist, vermeintlich alle Musik der Welt für einen so geringen monatlichen Preis hören zu können. Meine Sicht als Musikerin ist es etwas anders: sehr viel Geld in die Album Produktion zu stecken um dann meine Musik auf den Streamingdiensten zur Verfügung zu stellen und damit so gut wie nichts zu verdienen. Das ist kein Konzept. Die Vergütung, besonders bei Spotify, ist nicht fair. 5000 Streams sind umsatzmässig gar nichts, 5000 CD Verkäufe allerdings schon. Ich habe einen Trotz in mir, mich diesem System einfach so hinzugeben und wehrlos auf den Rücken zu legen und zu sagen: dann ist es halt so. Deshalb gehe ich bei meinen beiden Alben den Mittelweg, dass ich jeweils drei Songs vom Album auf Streamingdienste stelle, das restliche Album kann man dann bei Interesse über Bandcamp, bei meinen Konzerten oder JPC als CD, Vinyl oder mp3 Download kaufen. Ich weiß, dass ich damit nicht besonders am Puls der Zeit bin, aber für mich ist es ein wirtschaftlicher Totalschaden meine Alben für ein paar Cents Umsatz bei den Streamingdiensten anzubieten. Davon kann ich nicht leben.
Wenn Du nochmal ein Instrument lernen würdest, welches wäre das?
Die Frage liest sich als ob die Möglichkeit vorbei wäre, ein neues Instrument zu lernen! Ich versuche mich im Moment an der Querflöte. Ich hatte als Kind ein gutes Jahr Querflötenunterricht und finde das Instrument im Jazz Kontext und besonders bei brasilianischer Musik total schön. Ich gebe Gesangsunterricht und bringe manchen Schülerinnen und Schülern in dem Rahmen auch Gitarren- und Klavierbegleitung näher. Meine Erfahrung beim Unterrichten ist, dass Menschen die nicht mehr ganz jung sind, genauso die Möglichkeit haben ein neues Instrument zu erlernen. Man muss dranbleiben, Zeit und Willen haben, aber zu alt zum Musik machen ist man eigentlich nie.
Beruf
Bekannt wurdest Du durch Auftritte in der Castingshow „The Voice“, heute machst Du Jazz. Wie kam es zu dieser radikalen Richtungsänderung?
Durch Zufall. Meine Familie hatte nichts mit Musik am Hut und deshalb bin ich als Kind und Teenie hauptsächlich mit Radio und Popmusik in Berührung gekommen. Ich habe mich sehr früh für Musik begeistert aber von einer Nische wie Jazz wusste ich wenig. Nachdem ich dann mit 17/18 Jahren bei einer Castingshow war und mit Pop und Fernsehen ziemlich gefremdelt hatte, habe ich durch Zufall vom Jazzgesangsstudium erfahren. Das Jazzstudium klang für mich wie das Gegenteil von der Fernsehshow und als angemessene Detoxkur.
Stehst Du lieber im Tonstudio oder auf der Konzertbühne?
Ich mache beides sehr gern. Der große Unterschied ist: Auf der Bühne hat man einen Versuch, da gibt’s keine Möglichkeit zurückzugehen und es nochmal zu probieren. In dieser Spontanität und Unwiederbringlichkeit liegt auch ein großer Spaß und manchmal Magie, auch fürs Publikum.
Wie entstehen Deine Songs?
Für mein aktuelles Album habe ich die Songs größtenteils zusammen mit meinem Pianisten/Produzenten Ulf Kleiner geschrieben. Die Songs entstanden ganz unterschiedlich: Manchmal war es so, dass ich ein Riff und ein paar Textzeilen hatte, mit diesen losen Ideen bin ich dann zu Ulf gegangen und wir haben sie gemeinsam ausgearbeitet. Manchmal waren meine Ideen schon so gut wie fertig und Ulf hat nur ein wenig Struktur reingebracht. Einmal hat Ulf die ganze Musik komponiert und ich habe den Text im Nachhinein darauf geschrieben. Es gibt nicht nur den einen Fahrplan fürs Songwriting, es kommt auf den Song an. Trotzdem kann man zusammenfassen, dass viele der Hauptthemen auf meiner Couch an der Gitarre entstanden.
Über welche Themen schreibst Du?
Über die Themen, die mich bewegen. Ganz persönlich. Über Weltschmerz, übers Hinwegkommen über frühere Freunde, über essenzielle Freundschaften, über Schlafprobleme und über das Gefühl, genau am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein. Mich hat der Tod meiner Mama sehr beschäftigt, worüber ich einen Song geschrieben habe. Ich finde schon, dass ich viel persönliches preisgebe mit meinen Songtexten. Ich kann mir nicht vorstellen, nicht autobiografisch zu schreiben.
Du wurdest kürzlich mit dem Wormser Jazzpreis ausgezeichnet. Was hast Du mit dem Preisgeld vor?
In dem Moment, wo ich die schöne Nachricht über den Wormser Jazzpreis mitgeteilt bekommen habe, habe ich das Preisgeld auch schon wieder verplant. Ich war zu dem Zeitpunkt am Überlegen, wie ich von meinem Album eine Schallplatten-Produktion finanzieren könnte. Da kam das Preisgeld genau zur richtigen Zeit und wurde dafür benutzt. Seit dem 14.11.25 ist die Vinyl-Edition von meinem Album veröffentlicht und ich bin unglaublich dankbar – es ist was ganz besonderes so ein tolles physisches Format von dem Album in der Hand zu halten.
Text: Gunter Weigand