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Baugemeinschaften realisieren eigene Wohnkonzepte

Wohnen am Hartenbergpark: 2022 wollen hier zwei Baugemeinschaften einziehen

Gründe, um einer Baugemeinschaft beizutreten, gibt es viele. Für Gaby Grünert sind es vor allem die Bilder, die sich ihr bei Spaziergängen durch die Stadt eingeprägt haben: „Häufig stehen ältere Menschen auf Balkonen oder an den Fenstern und suchen Kontakt nach draußen“. Beim Vorbeilaufen wurde sie schon häufig angesprochen. Grünert will später nicht allein und isoliert leben. Zusammen mit ihrem Ehemann Michael wurde sie aktiv, und das Paar stellte sich die Frage nach dem Wohnen der Zukunft. Gefallen fanden sie an der Idee „Baugemeinschaft“. Und damit sind sie in Mainz nicht allein.
Bei dieser Form des Bauens schließen sich mehrere Personen zusammen, die gemeinsam zur Eigennutzung oder Vermietung planen, bauen oder umbauen. Die Landeshauptstadt unterstützt durch Beratung und Reservierung von Flächen. So entstanden bereits Gemeinschaften im Heiligkreuz-Viertel, auf dem Hartenberg, in der Wallaustraße, in Gonsenheim oder in Ebersheim.

Zusammen ist man weniger allein: Die „Ziemlich besten Nachbarn“

Planung und Abstimmung
Mit zufriedenem Blick stellte Michael Grünert vor kurzer Zeit eine Kiste Aktenordner auf den Tisch von Baudezernentin Marianne Grosse (SPD). Darin befinden sich die Bauanträge für das Heiligkreuz- Viertel. 16 Parteien zählt hier die Baugemeinschaft „49 Grad Nord“. Dazu kommen zwei weitere: „Z.WO“ sowie „BG Mainz Heilig Kreuz“. Der Inhalt der Kiste kostete in den letzten Monaten und Jahren vor allem Schweiß, Arbeit und eine Menge Abstimmung mit den Architekten. Am Ende stand das Ziel, dem „Baufeld 11“ ein Gesicht zu geben. Abgeschlossen wurde der Kaufvertrag mit den Stadtwerken. „Ein Vorzeigeprojekt für Mainz“, so Grosse. Seit vier Jahren unterstützt die Stadt das Vorhaben. „Es konnte aber nur gemeinsam mit dem Land gestemmt werden“.

Kein Zwang, aber Verlässlichkeit
„49 Grad Nord“ zählt auf ein freiwilliges Miteinander: „Niemand wird verpflichtet, etwas zu unternehmen. Was wir wollen, ist eine verlässliche Nachbarschaft“, so Gaby Grünert. Rund 30 Personen zählt die Gemeinschaft – das jüngste Mitglied ist ein Baby, das älteste Mitte 70. Unter dem Dach des Sförmigen Wohnhauses soll sich künftig Platz für gemeinsame Aktivitäten bieten: ein großer Gemeinschaftsraum etwa, eine Dachterrasse sowie eine Werkstatt sind geplant. Ein Nachbarschaftscafé sorgt für den Brückenschlag zu den weiteren Baugemeinschaften und Mietern im Quartier. Bis zum Einzug dauert es aber noch bis Weihnachten 2022. Wer Interesse hat und schnell genug ist, könnte zum „Mitplaner/-bauer/-bewohner“ einer 77 Quadratmeter großen Wohnung werden, die kürzlich wieder frei geworden ist. Denn immer wieder springen Mitglieder im Planungsprozess aus diversen Gründen ab. Und: Genügend Finanzmittel sollten vorhanden sein.

Die Baugemeinschaft „49 Grad Nord“ plant im neuen Heiligkreuz-Viertel

Die kleinen Dinge
Auf der Suche nach weiteren Unterstützern ist auch die Baugemeinschaft „Ziemlich beste Nachbarn“ am Hartenbergpark. Auf dem riesigen Gelände der ehemaligen Peter- Jordan-Schule hat die Interessengemeinschaft ein Vorkaufsrecht auf bereits geplante Wohnungen. Bauträger hier ist neben der Wohnbau die „emag GmbH“, die von kleinen und mittleren Wohnungen bis luxuriösen Penthouse-Immobilien ein Portfolio besitzt. Auch geförderte Wohnungen sind dabei. Das Haus der „Ziemlich besten Nachbarn“ verfügt über 31 Parteien – reserviert sind bislang acht. Wohnungen, die nicht von der Baugemeinschaft beansprucht werden, gehen in den freien Verkauf. Die Wohnbau dagegen kooperiert mit dem Mehrgenerationen-Projekt „stattVilla“, die ebenfalls noch interessierte Mitglieder sucht. Auch die „Ziemlich besten Nachbarn“ legen Wert auf ein zwangloses Zusammenleben, sagt Birgitta Funke von der Gruppe. Eine gemeinsam genutzte Wohnung für Co-Working, After-Work-Yoga und Sprachunterricht gehört dazu. Sie soll auch Gästeschlafplätze und Raum zum Feiern bieten. All das sind Punkte, die während den regelmäßigen Stammtischen diskutiert werden. Birgitta Funke bringt das Wohnkonzept letztlich auf eine Formel: „Denkbar ist alles, was möglich ist.“

Alexander Weiß

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